Die Pille – warum denn nicht?

Wir schließen die Reihe rund ums pillenfreie Verhüten (erstmal) mit diesem Bericht ab, bei dem erstmalig die Kupferspirale einen kleinen Auftritt hat!

Mit 15 ging es mir wie vielen jungen Mädchen:

Ich hatte meinen ersten richtigen Freund und fühlte mich bereit für mein erstes Mal. Es war klar, dass wir verhüten müssen und daher machte ich mich auf den Weg zu meiner Frauenärztin. Ich wollte das allersicherste Verhütungsmittel haben, denn schwanger mit 15, das ging für mich gar nicht.
Direkt schlug mir die Frauenärztin die Pille vor – und ich stiefelte mit einem Rezept in der Hand in die nächste Apotheke. Aufgeklärt wurde ich nicht, es wurde nicht gefragt, ob ich in der Familie jemanden kenne, der eine Thrombose oder andere Herzkreislauferkrankung hat, es wurde nicht gefragt, ob ich rauche und auch der Zusammenhang einer erhöhten Brustkrebsgefahr wurde mir nicht erklärt.
So fuhr ich also mit der Pillenpackung in der Hand nach Hause und machte sie auf. Drei Blister und ein Beipackzettel fielen heraus. Ich musste schlucken – dieser Beipackzettel war mindestens dreimal so lang wie die, die ich bis jetzt von anderen Medikamenten gewohnt war. Ich fing also an zu lesen, und mich traf ein kleiner Schock – Unmengen an Nebenwirkungen purzelten mir entgegen.


Schon an diesem Abend nahm ich die erste Tablette

Dennoch nahm ich noch am selben Abend meine erste Tablette, immerhin gab es ja keine Alternativen, oder? So dachte ich auch noch nach einem Pillenwechsel, da ich die Erste nicht vertragen habe und schluckte dadurch fast vier Jahre täglich diesen kleinen „Wunder“-Cocktail an Hormonen herunter. So langsam aber sicher erlebte ich mit der Pille aber wirklich mein blaues Wunder – ich hatte depressive Verstimmungen und war unglaublich unausgeglichen. Darüber hinaus hatte ich Schmerzen beim Sex, die mir keiner so Recht erklären konnte.
Ich habe lange überlegt, wie ich weiter vorgehen will – und zum ersten Mal auf eigene Faust wirklich recherchiert. Ich war nicht die einzige Frau, die durch die Pille mehr Nachteile als Vorteile erlebte. Mit diesem Wissen gewappnet ging ich zu meiner Frauenärztin. Es war nicht dieselbe wie die, die mir mit 15 die Pille zuerst verschrieben hatte – und fragte sie. Sie gab zu, dass Schmerzen beim Sex auch durch die Pille zustande kommen könnten – wieso sie mir das nicht schon früher erzählt hatte, wunderte ich mich in dem Moment. Daraufhin entschloss ich mich, die Pille abzusetzen.
Aber ja, was waren denn nun die Alternativen? Ich sprach mit meiner Mutter darüber, Kondome verwenden zu wollen, und sie meinte es wäre gut, wenn ich keine Hormone mehr nehmen würde, aber Kondome allein wären viel zu unsicher – ich solle auf jeden Fall mit einem Spermizid ergänzen. Ich sprach erneut mit meiner Frauenärztin und die schlug mir stattdessen die Temperaturmessmethode vor, als Ergänzung zu Kondomen.

Dieser Tipp führte mich ins Nfp-Forum

Dieser Hinweis führte mich zum ersten Mal aufs Nfp-Forum, und ich begann zuerst einmal zu lesen und Wissen in mich aufzusaugen. Bald bestellte ich mir ein Geratherm basal, ein „Natürlich und Sicher“ und ein „Natürlich und Sicher – Arbeitsbuch“. Beide Bücher arbeitete ich gründlich durch und als ich damit fertig war, nahm ich die letzte Pille aus dem Blister.
Das war gutes Timing! Durch das Nfp-Forum lernte ich auch, dass Kondome keine „one size“-Produkte sind, so wie man es in der Drogerie vermuten könnte. Mein Freund bestellte sich ein Testpaket von mysize und wir probierten aus, welche am besten passten. Davon bestellten wir dann eine größere Menge. In den nächsten drei Zyklen verhüteten wir durchgängig mit Kondomen, damit ich die Chance hatte, die Nfp-Methode zu erlernen. Meine Schmerzen hatte ich leider noch immer und es stellte sich später als ein psychisch hervorgerufenes Problem durch meine damalige Beziehung heraus. Aber mir ging es um so vieles besser dadurch, dass ich die Pille abgesetzt hatte.

Nach einem weiteren halben Jahr ging diese Beziehung in die Brüche und ich war wieder Single. Dadurch hörte ich auch auf konsequent zu messen, da es ja nur noch der Beobachtung diente und mein Körper ganz von allein regelmäßige Zyklen produziert. Wirklich konsequent wieder mit nfp angefangen habe ich nicht, meine zweite Beziehung war so kurz, dass ein Verzicht auf Kondome für die Verhütung von Krankheiten nicht in Frage kam. Aber auch dort habe ich darauf geachtet, dass mein Freund die richtige Größe verwendet. Mit meinem aktuellen Partner verhüten wir mit einer Kupferspirale, die fünf Jahre zuverlässig wirkt.

Hormone habe ich nie wieder genommen.


Keine Nebenwirkungen und trotzdem pillenfrei!

Vor kurzem bekam Petra eine Mail mit dem nächsten Bericht zum Thema Pillenfrei:

Hey Petra,
wie besprochen, nachfolgend meine Verhütungsgeschichte ohne Nebenwirkungen durch die Pille.
Liebe Grüße!


Ich habe relativ spät mit der Pille begonnen, ich war bereits 19.

Entgegen anderer Berichte hatte ich niemals Probleme oder Nebenwirkungen, sondern habe sie gut vertragen. Vielleicht habe ich einfach Glück gehabt, ich denke aber eher, dass es eine Rolle spielt, dass mein Körper (anders als z.B. mit 15) bereits „fertig“ mit der Pubertät war und mein Zyklus inkl. Hormongefüge sich bereits gut eingespielt hatte.
Viele Freundinnen setzten ihre Pillen ab und berichteten von einem komplett neuen Körpergefühl mit Gewichtsabnahme, wieder erwachter Libido und besserem Wohlbefinden. Für mich sah ich keine Veranlassung zum Absetzen, denn mir ging es ja sehr gut und ich litt auch nicht unter mangelnder Libido oder unter Scheidentrockenheit. Außerdem fand ich es überaus bequem, meine Abbruchblutung nach Bedarf steuern zu können.
Die Trennung von meinem Mann nach gut 10 Jahren Pille machte die Verhütung vorerst überflüssig, so dass ich sie aus Kostengründen dann doch absetzte. 


Gespanntes Warten

So wartete ich also gespannt auf all die tollen Ereignisse, die ein pillenfreies Leben nach Meinung meiner Freundinnen mit sich bringt. Nur – bei mir passierte NICHTS! Meine Mens setzte vier Wochen nach der Abbruchblutung wieder ein (ob ich einen Eisprung hatte, weiß ich nicht, ich habe zu der Zeit noch kein Nfp betrieben) und blieb, wie sie vor der Pilleneinnahme war: regelmäßig ca. alle vier Wochen, schmerz- und beschwerdefrei und mit starker Blutung.

Mit einem neuen Partner zwei Jahre später ergab sich das Verhütungsproblem wieder und so wurde ich bei meiner Gyn vorstellig und bat um ein neues Pillenrezept. Dieses wollte sie mir nicht geben, weil ich inzwischen Anfang 30 und Raucherin war. Sie riet mir zur Mirena, ich willigte ein, denn die Kosten kamen aufgrund der langen Liegezeit denen der Pille gleich.

Das Einsetzen war die schlimmste Prozedur, die ich jemals bei einem Arzt (einschließlich Zahnarzt) erlebt habe!
Bereits beim Verlassen der Praxis wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht habe…
Das bewahrheitete sich im Laufe der nächsten Wochen auch, denn ich litt unter diffusen Blutungen und starken Schmerzen im Unterleib, offenbar wollte mein Körper diesen Fremdkörper dringend wieder loswerden.

Nach zwei Jahren Quälerei ließ ich die Mirena vorzeitig ziehen und stand erneut vor dem Verhütungsproblem. Ziemlich schnell stellte sich mein unverwüstlicher Zyklus wieder auf sein normales Level ein und meine Mens kam wie eh und je mehr oder weniger regelmäßig. Insofern schließe ich die Probleme durch die Mirena-Hormone aus und schiebe es einzig und allein auf den Fremdkörper.

Bei der Recherche zum Diaphragma stieß ich auf Nfp und beschloss, dieses zusammen mit dem Dia in der fruchtbaren Zeit zu nutzen..

Es war die beste Entscheidung überhaupt!

Mit meinen super regelmäßigen Zyklen und zuverlässigen Eisprüngen war die Auswertung ein Kinderspiel. Blöderweise lebe ich aber in einer Wochenend-Beziehung, so dass die freie Zeit nicht wirklich genutzt werden konnte und wir definitiv mehr verhütet, als nicht verhütet haben.

So entschloss ich mich mit 37 zur Sterilisation.
Und auch hier hat mein Körper vorbildlich mitgespielt und sich von der OP nicht beeindrucken lassen.

Inzwischen bin ich 48, betreibe nach wie vor Nfp zur Beobachtung, weil es einfach super spannend ist, zu sehen, wie die Beobachtungen zum Körpergefühl passen. Ich kann vieles in Sachen Psyche und Beschwerden einordnen und finde es interessant, was die körpereigenen Hormone so anstellen.

Langsam nahen die Wechseljahre, die Zyklen verändern sich. Und auch hierbei ist Nfp ein toller Begleiter!


Wenn du auf den Hashtag „pillenfrei“ klickst, der unter diesem Beitrag sichtbar ist, kommst du zu allen anderen Beiträgen zu dem Thema.
Oder du nutzt diesen Link.

Die Pille? Nein danke, ohne geht es mir besser.

klm_pillenfrei_5-1.jpg

klm_pillenfrei_5-1.jpg

 Die Kulmine-Frauen leben pille-frei. Das witzige und auch schöne dabei ist, dass sich das jede für sich, schon vor der Zeit bei Kulmine, selbst so entschieden hat. Aus verschiedensten und gleichzeitig ähnlichen Gründen. Der folgende Text ist von einer unserer Mitarbeiterinnen.

—–

Auch ich habe mich Ende letzten Jahres von der stetigen Begleiterin, der Pille, getrennt.
Meine geschätzte Kollegin und Freundin hat mir den Denkanstoß dazu gegeben, indem sie mich in ihre Sorgen zur Pille eingeweiht hat. So bin auch ich darauf gekommen, dass es vielleicht nicht sein muss, dass ich ein bis zwei Tage im Monat Trübsal blasend in meinem Bett liege und überhaupt nicht weiß, woher diese große Leere in mir kommt. Dass ich mich vielleicht auch nicht mit einer ungesteuerten Wut, die wie aus dem nichts entsteht, herumschlagen muss. Und damit meine ich nicht PMS, denn diese Stimmungen waren zeitlich so gar nicht einzuordnen. 

Ich hatte mit 17 angefangen, die Pille zu nehmen, um einige Unregelmäßigkeiten* im Hormonhaushalt auszugleichen, die mir Probleme bereitet hatten.
Das hat auch wunderbar funktioniert, weshalb ich von der Pille begeistert war. Letztes Jahr habe ich dann nach vier Jahren tatsächlich zum ersten Mal (ich weiß, das war längst überfällig) den Beipackzettel meiner Pille gründlich durchgelesen und entdeckt, das eine von zehn Frauen mit Niedergeschlagenheit und Depression als Nebenwirkung zu kämpfen hat. Daraufhin habe ich ein wenig weiter recherchiert, was die Pille mit meinem Körper sonst noch macht und unter Umständen machen kann und beschlossen: Das will ich nicht mehr. Also habe ich sie abgesetzt.
Besonders große Veränderungen habe ich an mir selbst nicht festgestellt, außer dass ich ein wenig ausgeglichener bin. Aber das schönste Gefühl ist, zu wissen, dass das tatsächlich ich selbst bin, wenn ich wütend oder aufgebracht bin und mich kein Hormoncocktail dazu treibt.

Ich sage überhaupt nicht, dass man die Pille verteufeln soll (es gibt nichts Einfacheres in Sachen Verhütung meiner Meinung nach). Ich bin nur der Meinung, dass sich jede Frau die Zeit nehmen sollte, zu recherchieren, was mit dem eigenen Körper und der Psyche passiert. Aber vor allem sollte jede Frauenärztin sich die Zeit nehmen, dieses Thema ausgiebig aber gleichzeitig neutral und wertfrei zu besprechen. Denn sind wir ehrlich. Ich habe auch einen Flyer meiner Ärztin bekommen zu den Nebenwirkungen. Habe ich ihn durchgelesen? Nein, leider nicht.
Möchte man als Frau das Risiko der Nebenwirkungen und hormonellen Veränderung dennoch eingehen, möchte ich niemanden dafür verurteilen. Ich habe ja auch nichts gegen Raucher, solange sie wissen, was sie ihrem Körper damit langfristig zumuten.
Leider habe ich noch keine passende Verhütungsmethode für mich gefunden, mit der ich zu hundert Prozent zufrieden bin. Ein Kondom allein ist mir zu unsicher und die Gefahr, dass ich bei einem Zwischenfall die Pille danach nehmen müsste (was meinen hormonfreien Ansatz zunichte macht) zu groß. Das Diaphragma kommt mir umständlich vor und alles andere habe ich bis jetzt noch nicht ausprobiert.

*Anmerkung von Nina: Die Pille wird gerne und schnell bei „Unregelmäßigkeiten“ verschrieben, die aber oft ist noch ganz im normalen Rahmen sind, vor allem in der Pubertät. Die Pille kann hier auch nicht heilen, sie überdeckt die Unregelmäßigkeiten nur. Nach dem Absetzen ist dann entweder alles wie gehabt, oder es wäre sowieso von alleine weg gegangen wären. Deswegen lohnt es sich, mit fähigen Ärztinnen/Ärzten wirklich auf den Grund der Probleme zu gehen, oder auch einfach ein bisschen abzuwarten, bis sich die wilden Wellen der Pubertät ein bisschen gelegt haben und der Zyklus die Chance hatte, sich einzupendeln.


Der Zyklus in all seinen Facetten

klm_pillenfrei_4.jpg

klm_pillenfrei_4.jpg

Hier kommt der vierte Beitrag für die Reihe zum Thema Pillenfrei! 

Die Schreiberin des Beitrags ist seit zwei Jahren ohne „Pille“. Seit sie diese abgesetzt hat, hat sie begonnen, sich das erste Mal wirklich mit alternativen Verhütungsmethoden, der Menstruation, ihrer Weiblichkeit und Sexualität auseinanderzusetzen.


Die Pille nahm ich von ungefähr 16 bis 32. Warum?

Na „man nimmt die halt“. Da wird man 16, hat einen festen Freund und dann ist das ganz normal, dass man mit Mutter zum Frauenarzt geht und die Pille verschrieben bekommt. Wer keinen Freund hat, der bekommt sie oft trotzdem: gegen Regelschmerzen oder Pickel (und es heißt, manch eine nimmt sie sogar einfach für größere Brüste). Die Nebenwirkungen liest man sich (vielleicht) durch, aber ernst nimmt man sie meist nicht – es nehmen ja alle die Pille und kaum eine erzählt etwas von Nebenwirkungen. Und selbst wenn welche auftauchen sollten, dann probiert man eben eine andere aus, irgendeine wird schon passen. 


Beipackzettel-Prosa „meiner“ Pille:

Häufig taucht auf: Brustspannen (nette Umschreibung für schmerzende, berührungsempfindliche Brüste), Gewichtszunahme, Verstimmungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen (auch migräneartig).
Gelegentlich: Depressionen, Veränderungen der Libido, Gesichtshautflecken (die durch Sonne verstärkt werden), Pigmentierungsstörungen.
Selten: Kontaktlinsenprobleme (schlechte Verträglichkeit), Scheidenentzündungen, Pilzinfektionen der Scheide, Zwischenblutungen, Lebertumore (gutartig), Bluthochdruck, Veränderungen des Fettstoffwechsels.
Sehr selten: Gefäßverschlüsse (Thrombosen, in Leber und Darm), Milchfluss, Brustvergößerung, Bildung von Zysten an den Eierstöcken, Lebertumoren (bösartig).
Andere Pillen haben aber auch schöne Dinge in petto wie: chronische Blasenentzündung, dauernde Schmierblutungen, Akne, Wassereinlagerungen, Haarausfall, Nesselsucht, Nervosität, Ausbleiben der Mens, knotenartige Entzündungen des Unterhautfettgewebes, Schwerhörigkeit, …

Dazu kommen die vielen kleinen Nebenwirkungen, die es gar nicht erst auf die Packungsbeilage schaffen und die man erst hinterher im Kreis von Gleichgesinnten feststellt. Da wird unter anderem vermutet, dass auch Folgendes mit der Einnahme von Hormonen zusammenhängen kann: Schilddrüsenstörungen, dauerhafter Beeinträchtigung der Libido, chronische Pilzinfektionen, Verstärkung von Allergien, zusätzliche Leberbelastung bis hin zu einem erhöhten Verbrauch bestimmter Vitamine und Mineralien.

Eindeutige Nebenwirkungen blieben unerkannt

Ich wurde bei jedem Termin bei der Gynäkologin danach gefragt, ob ich Probleme mit der Pille habe. Ich habe dies stets verneint, denn ich kam nie auf die Idee, die Ursache von manchen meiner Probleme damit zu verknüpfen. Das hatte verschiedene Gründe, zum Beispiel:
Wer kann mit 16 schon sagen, woher die spinnerte oder miese Laune kommt? „Da schießen doch sowie die Hormone noch quer“ dachte ich mir. Die andauernde Melancholie und das „nah am Wasser gebaut sein“ hatte ich schnell als Schicksal und Wesenszug akzeptiert und mich darüber zu identifizieren begonnen.
Mit wiederkehrenden Pilzinfektionen lernte ich, dass ich schmutzig wäre und im Anschluss lernte ich übertriebene Hygiene, was die ganze Sache nur noch verschlimmerte (von problematischen Inhaltsstoffen, denen ich dadurch häufig ausgesetzt war, ganz zu schweigen).
Die Gewichtszunahme käme wohl einfach mit dem Alter.
Die Kopfschmerzen mit Erbrechen und Lärm- und Lichtempfindlichkeit führte man allein auf die Computerarbeit und Verspannungen zurück. Dass diese immer mit der Hormon-Entzugsblutung oder einer vergessenen Einnahme zusammenhing, das hatte jahrelang niemand erkannt, bis mein letzter Partner das mal bemerkte.
Lust am Sex? Kannte ich schlicht nicht, denn mein Körper war zu jung gewesen, als das ich das hätte kennenlernen dürfen – vor dem ersten Sex wurde ich ja schon vorsorglich mit Hormonen vollgestopft. Immer diese Aufregung um Sex, das hatte ich also nie verstanden. Das Aufregende am Sex war für mich folglich immer nur die besondere Intimität gewesen.

Selbst offensichtliche Nebenwirkungen werden laut Erzählungen anderer Frauen schnell vom Tisch gewischt, sucht man als Betroffene das Gespräch mit dem/der Gyn. „Geringe Libido? Wie lange sind sie denn schon mit ihrem Partner zusammen? Ach, was erwarten Sie denn.“ „Pilzinfektionen… kann man sich ja überall holen.“ „Trockene Schleimhaut und Schmerzen beim Sex? Gibt sich Ihr Partner genug Mühe? Nehmen Sie Gleitgel und experimentieren Sie mehr im Liebesleben“. Pillen-gemachte Probleme werden so ins Private und die Partnerschaft verlagert und bei der Ursachenforschung werden die künstlichen Hormone nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Dass der Leidensweg vieler Frauen auf diese Weise unnötig verlängert und die eigene Intuition zudem oft untergraben wird, empfinde ich als skandalös.
Ein Diplomabbruch mit Nervenzusammenbruch und anschließender Therapie säte ernsthafte Zweifel an meiner Lebensführung. Ich begann auch nach erfolgreichem Abschluss und beendeter Therapie immer wieder nach dem Thema Depression zu recherchieren. Bis ich dann auf die Pille stieß und auf Berichte von Betroffenen – ein fehlendes Puzzelteil war gefunden.

Nach dem Absetzen lernte ich mich neu kennen
Ich erlebe meinen Körper nun anders als zu Pillenzeiten: Ich freue mich über ihn. Meine Brüste kommen mir nicht mehr klein vor, obwohl sie sicher nicht größer, sondern eher weicher geworden sind. Ich habe ohne Zutun 10 kg abgenommen. Ich finde meine Mens nun weder nervig noch eklig (zu meinem Glück habe ich nur schwache Schmerzen). Meine Haare und Nägel sind gesünder. Mein Heuschnupfen ist fast ganz verschwunden. Meine Kopfschmerzen sind einfach weg.
Meine Depression war natürlich nicht nur in der Pille begründet, aber sie hat vermutlich dazu beigetragen. Ich kannte zum Beispiel nicht die als unbeschwerter erlebten Tage der Zyklusphase vor der Ovulation, in denen ich voller Elan und Zuversicht bin und sich alle Arbeit gefühlt von alleine wuppt. Diese Phase gibt mir oft viel Kraft und ist ein Ausgleich zu PMS (das ich nun zeitlich besser abschätzen und einordnen kann).

Ich bin wacher in meinen Empfindungen.
Viele berichten von einem Gefühl wie unter einer Käseglocke unter Einfluss der Pille oder eine „Scheiß-Egal-Haltung“, wie es manche Frauen in der Rückschau nennen. Ich erkenne nun besser, was mir entspricht und stehe dafür ein. Damals bedeutete das die Trennung von meinem Freund und ich begann, mich mehr und mehr auf eine bewusste, gesunde, natürliche Lebensweise auszurichten.

Die größte Umstellung ist aber wahrhaftig: Ich erlebe meinen Zyklus …
… in all seinen Facetten, von denen es einige neue zu entdecken gab. Zum Glück hatte ich ein tolles Forum, in dem ich mich über die Begleiterscheinungen der Umstellung mitteilen konnte und lesen, dass ich damit nicht alleine war.
Ich erlebte fast so etwas wie eine zweite Pubertät: Was ist denn da los? Den Männern hinterhergucken, Sex wollen, mehr Sex als der Mann wollen (hä? ich dachte, das wär genau andersrum! Zu Hülf!) Die potentiellen Verwicklungen kann man sich vielleicht vorstellen. Und auch: ohne Sex auskommen müssen; dass Lust so viel Frustpotenzial birgt … Puh!
Und es gab auch Erkenntnisse wie, dass am anderen Ende des Zyklus dieser Weltschmerz, Überempfindlichkeit, Aggressionen leider viel zu oft an meinem Partner abgeblitzt sind. Oder dass auch er in der Zeit der Umstellung zeitweise überfordert war.
Ich weiß nicht, ob alle Veränderungen mit der Pille zusammenhängen … sicherlich hängt auch einiges mit meinem Alter zusammen und der verstärkten Auseinandersetzung mit mir selbst (liebevoll begleitet durch Petra Sood in ihren Seminaren).
Doch die Abkehr von der Pille war für mich eine Umkehr und ein erster Schritt zu mir selbst und einem erfüllterem, aktiverem Leben.
Seither kam ich nicht einmal in Versuchung, wieder Hormone zu nehmen. Ich genieße mein neues Lebensgefühl.

Empört über die mangelnde Aufklärung
Ich hatte dann auch eine Phase mit viel Wut auf unbedachte Ärzte, profitorientierte Hersteller, falsch verstandene Fürsorge von Müttern und darüber, dass die Zusammenhänge so langsam ans Licht kommen oder absichtlich einseitige Informationen verbreitet werden. Immer noch gibt es Menschen, die den weiblichen Zyklus als unnötig und folglich unerwünscht propagieren oder anderweitig Angst vor dem Körper und seinen Vorgängen schüren.
Ich dagegen erlebe den Zyklus als eine inspirierende Kraft und eine Möglichkeit mit mir in Kontakt zu treten. Und ich bin froh, wenn ich meine Geschichte darüber teilen kann, in der Hoffnung, dass wir gemeinsam zu einem neuen Bewusstsein, einer angemessenen Kultur zu diesem wundervollen Vorgang finden. Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung, die die Erfahrungen von Anwenderinnen ernst nimmt, und dass sich Menschen auf einer fundierten Grundlage für oder gegen künstliche Hormone entscheiden können.


Mein Weg zur natürlichen Verhütung

klm_pillenfrei_3.jpg

klm_pillenfrei_3.jpg

Und schon kommt der dritte Teil der Reihe Pillenfrei!
Seit ich 14 war, saugte ich alle Informationen auf, die es zu Verhütungsmitteln gab. Nicht weil ich dafür Bedarf hatte, sondern weil mich das Thema faszinierte. Die Materialien, die ich las, bekam ich über die Schule und waren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und es war das Unterrichtsmaterial aus dem Biologieunterricht. Aber egal was ich las, eine Anmerkung meiner Mutter, die ich als Kind gehört hatte, begleitete mich dabei.

Ich hatte damals bei einem Besuch einer befreundeten Familie gefragt, was „das“ wäre. „Das“ war ein Pillenblister und meine Mutter erklärte, wofür man die Tabletten nahm. Auf meine Frage, ob sie das auch nähme, sagte sie, dass sie starke Nebenwirkungen davon hatte und sie deswegen nicht mehr nahm.
Jahre später würde ich Tabellen mit aufgelisteten Verhütungsmitteln lesen und ernst zu der Spalte mit den Nebenwirkungen gucken. Die hatte eine ganze Reihe von Sachen, die ich nicht wollte. Damals hatte ich noch keinen Namen dafür, aber ich hatte und habe eine hypochondrische Ader in mir und mir wurde schon beim Durchlesen der Nebenwirkungen anders. Wie wäre es erst, wenn ich damit verhüten würde? Dazu kam, dass ich wusste, dass ich eine chronisch schlecht organisierte und hoch vergessliche Person war. (Diesmal nur war, denn es ist zum Glück etwas besser geworden über die Jahre!) Ich traute mir nicht zu, jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit die Pille zu nehmen.

Ich tröstete mich damit, dass am Anfang ja sowieso Kondome wichtig wären und verschob Gedanken an die Pille auf einen anderen Tag. Es half, dass in meiner Freundinnengruppe fast keine die Pille nahm. Es war auf eine Weise auch einfach nicht Thema und weil ich nur einmal wegen konkreter Beschwerden zu einer Frauenärztin ging, gab es auch niemanden, der/die mir die Pille empfehlen konnte.

Der Weg zu „meiner“ Verhütungsmethode zeigte sich am Ende über Umwege. Denn in meiner Suche zu Informationen zum Mooncup stolperte ich mit 18 über das Nfp-Forum. Aber ich war ja nur da, um über Menstässchen zu lesen, NIEMALS würde ich mit so einer unsicheren (sic!) Methode wie Temperaturmessen und Körperbeobachtung verhüten! Da war ich mir so sicher. Und doch … las und las ich und saugte alle Informationen auf, die ich finden konnte. Endlich mehr über die Zusammenhänge erfahren und verstehen, endlich Wissen verknüpfen!
Irgendwann war ich so neugierig, dass ich beschloss, meinen Zyklus einfach so zu beobachten. Denn schon eine ganze Weile ging mir auf die Nerven, dass ich regelmäßig wieder Angst hatte, schwanger zu sein. Ich verhütete immer sorgfältig mit Kondomen und doch begleitete mich ein Gefühl von Unsicherheit. Im Nachhinein denke ich, dass das auch damit zu tun hatte, dass Kondome eher als Verhütung für Krankheiten angesehen werden und selten als ernsthafte Verhütung.
Jedenfalls erhoffte ich mir von der Beobachtung (unter anderem) ein paar Tage weniger Sorgen darum. Das sagte ich mir, aber eigentlich war ich schon unaufhaltsam auf dem Weg zur überzeugten Nfplerin.

Als meine Mutter die Tabelle und das Thermometer fand, war sie tief entsetzt und sagte, dass sie damit schwanger geworden wäre. Doch diesmal hinterließ ihre Anmerkung nicht den gleichen Eindruck wie damals, als es um die Pille ging. Denn eines war mir durch die vielen Gespräche im Forum und dem Studieren von dem Buch zur Methode schon klar geworden: Mit Nfp halte ich die Sicherheit selbst in der Hand.

Kurze Zeit später machte mein damaliger Freund eine kleine Bemerkung zu Kondomen. Und obwohl ich mir sicher bin, dass er weiter ausschließlich Kondome benutzt hätte, wenn das mein Wunsch gewesen wäre … wusste ich, das ich in dem Moment unfruchtbar war und dass das Kondom nicht nötig war. Im Forum hatte ich ein paar Tage vorher mit mehreren erfahrenen Anwenderinnen die Auswertung durchgesprochen und sie hatten bestätigt, dass mein Eisprung sicher vorbei war.
An dem Tag hatte ich das erste Mal Sex ohne Kondom. Und danach hatte ich schreckliche Angst, dass ich mich getäuscht hatte. Dass die Methode doch nicht so sicher war, wie gedacht und … ich fand im Forum wieder Unterstützung. Noch in der Nacht schrieb ich eine persönliche Nachricht an eine Nutzerin, die sich die Kurve noch einmal anschaute und die Auswertung bestätigte und mich beruhigte.
Ich gebe zu, so richtig geglaubt habe ich es trotzdem erst, als meine Mens einige Tage später einsetzte.

Gleichzeitig war diese Erfahrung unglaublich prägend für mich. Über die nächste Zeit ließ ich immer öfter das Kondom an den richtigen Zeiten im Zyklus weg und gleichzeitig ließ endlich meine tiefe Angst vor einer plötzlichen Schwangerschaft nach. Ich fieberte nicht mehr auf jede Menstruation hin und ich hatte beim Sex nicht mehr das Bedürfnis ständig meine Hände zu waschen und meinen Freund zum Händewaschen zu schicken. (Falls sich an den Händen ein verirrtes Spermium befand und das dann irgendwie den Weg in mich finden würde.)

Das Wissen, das ich durch Nfp erwarb, spielte dabei eine sehr große Rolle: 

  • ​Das Ei in mir ist nur 13 Stunden befruchtbar.
  • Spermien überleben nur unter guten Bedingungen und dann höchstens 5 Tage.
  • Es braucht Millionen von Spermien um die Hülle um dem Ei zu knacken, nicht ein einzelnes verwirrtes Spermium, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

Schwangerschaft wurde so zu etwas, bei dem es eigentlich ein Wunder ist, wenn es klappt. Nicht zu etwas, das jeden Moment wie aus dem Nichts einfach so geschehen kann wie ein Schnupfen.
Für mich gab es nie einen Grund die Pille zu nehmen, ich war zufrieden, wie es war. Mich erwischte höchstens mal meine Neugier, dass ich zu gerne wüsste, wie das mit der Pille wäre. Die Angst vor Nebenwirkungen ist aber nicht kleiner geworden und so ist es bis heute so, dass ich noch nie hormonell verhütet habe und es mir auch nicht vorstellen kann. Nur wenn es einen medizinischen über die Verhütung hinausgehenden Grund gäbe, würde ich eine der etablierten Pillen nehmen.

Ich bin froh, so früh eine Alternative gefunden zu haben, denn ich weiß nicht, ob ich weiterhin durchgehend nur mit Kondomen verhütet hätte.
Mit Nfp brauche ich nur ca. die Hälfte des Zyklus Kondome und ich mir auch ein Diaphragma anpassen lassen. So habe ich eigentlich eine ganze Sammlung von Verhütungsmethoden aus denen ich die jeweils passende auswähle.

Der Moment, in dem ich das Nfp-Forum entdeckte, ist für mich im Nachhinein zu einem der wichtigsten meines Lebens geworden. Denn dort fand ich nicht nur meine Verhütungsmethode, sondern entdeckte noch für so viele andere Bereiche wertvolle Informationen auch aus dem gesundheitlichen Bereich. Und ich entdeckte Menschen, die heute in meinem Leben wichtig sind. Petra und Mela waren auch in dem Forum und wir haben uns dort gelesen, bevor wir das erste Mal Kontakt hatten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Und was für eine tolle!


Meine Entscheidung

klm_pillenfrei_2.jpg

klm_pillenfrei_2.jpg

Der zweite Teil der Reihe Pillenfrei beginnt mit der Frage: „Weswegen habe ich mich damals überhaupt für eine hormonelle Verhütungsmethode entschieden?“ und macht dann erst einmal eine kleine Zeitreise.

Zeitreise in das Jahr 2001. Damals war ich 21 Jahre alt und schaute auf mehrere Jahre zurück, in denen mein natürlicher Menstruationszyklus mehr eine Belastung als ein Segen war. Unregelmäßige Zyklen, die teilweise acht Wochen dauerten, starke Schmerzen, eine überstarke Regelblutung, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall während der Periode prägten meinen Alltag und daher schien die Pille mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Die Verhütungsfrage war geklärt, der Zyklus war „gebändigt“ und ich hatte wesentlich weniger Probleme mit meiner Menstruation. Für mein 21jähriges Ich eine scheinbar perfekte Lösung.

Sieben Jahre lang nahm ich die Pille, ohne nennenswerte Nebenwirkungen und ohne in Frage zu stellen, ob diese Verhütungsmethode für mich nicht auch Nachteile böte.
Weg von der Pille wollte ich, weil ich generell Kinderwunsch hatte und mir Sorgen machte, eine langjährige Einnahme von Fremdhormonen könnte meinem Kinderwunsch langfristig im Wege stehen.
Das Absetzen der Pille gestaltete sich für mich überraschender Weise sehr positiv: Direkt im ersten Zyklus nach der Pille hatte ich mutmaßlich einen Eisprung (guter Zervixschleim und Mittelschmerz ließen es zumindest vermuten), meine Zyklen waren so regelmäßig wie nie zuvor und zu guter Letzt konnte ich mich als Frau und insbesondere in meiner Sexualität ganz neu kennen lernen. Dies führte zur Trennung von meinem langjährigen Partner, ein Schritt, den ich erst Jahre später kognitiv komplett durchdringen konnte – ohne Pille war ich näher an meiner Intuition, fühlte mich lebendiger und femininer.
Die darauf folgenden Jahre verhütete ich mit der Kupferkette GyneFix, um dann im Jahr 2014 zur symptothermalen Methode (Sensiplan, eine Methode der natürlichen Familienplanung) zu finden. 

Diese Geschichte zeigt, dass eine Frau noch nicht mal schlimme Nebenwirkungen der hormonellen Verhütung erleben muss, um den Verzicht auf synthetische Fremdhormone als einen großen Gewinn zu erleben. Ich bereue es nicht, Erfahrung mit der Pille gemacht zu haben, da es Teil meiner Lebensgeschichte ist – aber freue mich um so mehr darüber, nun meinen natürlichen Zyklus zu erleben.


Ausgeglichener als je zuvor!

klm_pillenfrei_1.jpg

klm_pillenfrei_1.jpg

Der Auftakt der neuen Reihe Pillenfrei. Unter diesem Begriff sammeln wir Berichte rund um die Erfahrungen zu hormonellen Verhütungsmitteln. Hier kommt der erste Teil einer Mitarbeiterin von Kulmine. Sie hatte über die Jahre hinweg zwei ganz verschiedene Wahrnehmungen zu Einnahme der Pille und kam dadurch zu der Entscheidung, die Pille abzusetzen.

Als ich mit 15 anfing, die Pille zu nehmen, fühlte ich mich gut und erwachsen. Ich dachte, dass jetzt ein neuer und toller Lebensabschnitt in meinem Leben als Frau beginnt. Und ja, so war es auch. In meinem jungen Alter spürte ich keine großen (negativen) Folgen, die durch die Pille veranlasst wurden. Im Gegenteil, ich nahm gegen alle Erwartungen ein kleines bisschen ab und verlor meinen noch vorhandenen Babyspeck. Ich hatte kaum noch Menstruationsbeschwerden und endlich war ich die schrecklichen Bauchschmerzen während der Regel los. Ich fühlte mich toll und war der Meinung, die Pille könne mir nichts anhaben und ich vertrage sie wunderbar. Im Gegensatz zu mir hatte ich viele Freundinnen, die schon damals über große Beschwerden durch die Pille klagten: von Wassereinlagerungen und großer Gewichtszunahme, bis hin zu Stimmungsschwankungen und fiesen Infektionen. Was mir damals nicht wirklich auffiel, waren die ständigen Blasenentzündungen, mit denen ich zu kämpfen hatte. Alle die schonmal eine Blasenentzündung hatten, wissen, wie schmerzhaft so etwas sein kann … Erst heute, wo ich mehr über die Auswirkungen der Pille und vor allem den negativen Auswirkungen weiß, kann ich die Blasenentzündungen und teilweise auch andere bakterielle Infektionen mit der Einnahme der Pille in Verbindung bringen. 

Die Erfahrungen mit der Pille als 15-Jährige sind kaum vergleichbar mit den Erfahrungen, die ich als mittlerweile 20-Jährige gemacht habe. Als ich nach einer Unterbrechung von ca. 2 Jahren wieder anfing, die Pille (auf Empfehlung meines Frauenarztes!) täglich zu schlucken, ging es los mit den Problemen, und zwar fast auf den Tag genau. Ich ging positiv an die Sache heran und war der Meinung, dass ich dem Präparat trotz der vielen negativen Nebenwirkungen, von denen ich ja auch früher vergleichsweise wenig gespürt hatte, eine zweite Chance geben sollte. Das tat ich, und merkte nach sehr kurzer Zeit, dass dies definitiv die falsche Entscheidung für mich, meinen Körper und meine Gefühle war. 

Immer happy, immer gut drauf und meistens sehr ausgeglichen, so ein Mensch war ich immer. Doch während der Zeit mit der Pille waren diese Charaktereigenschaften meilenweit von mir entfernt. Ich fühlte mich sehr oft böse angegriffen und war schnell gereizt, worunter nicht nur ich sondern auch meine lieben Mitmenschen litten. Ich wechselte von absolut wunderbarer Laune zu einem Verhalten, das ich selbst nicht von mir kannte und fühlte mich schlecht, wenn ich mich so zickig und unfair verhielt. Diese charakterlichen Veränderungen nahmen mich schon sehr mit und gaben mir zu denken. Ich überlegte, die Pille, die offensichtlich dafür verantwortlich war, wieder abzusetzen. Doch der Hauptgrund für das Absetzen der Pille nach nur sieben Monaten war ein anderer. Immer wiederkehrende bakterielle Infektionen, ständige Termine beim Frauenarzt und Medikamente, die nicht halfen, belasteten mich unglaublich. Vom Zeitpunkt der Einnahme bis zum Zeitpunkt des Absetzens der Pille hatte ich ganze sieben Infektionen, das heißt jeden Monat (!) eine Infektion. Mein Frauenarzt blockte bei meinen Versuchen, ihn auf diesen „Zufall“ aufmerksam zu machen, komplett ab und machte keine Anstalten, mir wirklich zu helfen. Also entschloss ich mich, nach sieben viel zu langen Monaten dazu, die Pille abzusetzen und sie definitiv nie wieder einzunehmen, weil die Hormone meine Gesundheit und auch meine Psyche derart beansprucht haben, dass ich es für besser halte, meinen Körper nicht länger damit zu belasten. 

Zwei Wochen pillenfrei und schwupps, ich war schon fast wieder die Alte. Einen Monat pillenfrei und siehe da, keine einzige Infektion und ein ausgeglichenes Verhalten machten sich bemerkbar. Jetzt, nach zwei Monaten ohne die Pille, fühle ich mich toll, kann meine Launen kontrollieren und bin ausgeglichener als je zuvor. Die Pille kommt für mich nicht mehr infrage und ich bin froh darüber, erkannt zu haben, dass mein Körper nicht von irgendwelchen Hormonen fremdbestimmt werden sollte und dass ich nur ohne eine hormonelle Einwirkung wirklich ich selbst bin.


Erfahrungen mit hormoneller Verhütung

klm_pillenfrei_0.jpg

klm_pillenfrei_0.jpg

„Pillenfrei“: Kulmine Mitarbeiterinnen und Kundinnen berichten über ihre Erfahrungen mit hormoneller Verhütung und ihren gewählten Alternativen.
Bei  Kulmine arbeiten viele Frauen und sie alle verbindet etwas, das nicht sichtbar und doch ganz schön stark ist: Es stellte sich bisher immer heraus, dass zufällig alle ohne künstliche Hormone verhüten! Warum schreiben wir darüber?

Erstmal sind wir ja sowieso Fans von Alternativen zum Mainstream, wie an unserer gesamten Arbeit unschwer zu erkennen ist. Das zeigt nicht nur das Sortiment an bunten Kulmines. Auch im Blog haben wir schon mehrmals über Verhütungsmethoden und Zyklusbeobachtung berichtet, in denen die Wertschätzung des natürlichen weiblichen Zyklus zum Ausdruck kommt.

Der körpereigene Rhythmus, der sich in der Monatsblutung so deutlich zeigt, kann Hinweise verschiedenster Art geben. Zunächst gibt der Zyklus darüber Aufschluss, ob der weibliche Körper „im Lot“ ist oder ob hormonelle Störungen, Stress oder andere Einflüsse zu Unregelmäßigkeiten führen. Speziell für Frauen, die über lange Jahre mit hormonellen Methoden verhütet haben, ist die Veränderung der Stimmung und des Wohlbefindens im Laufe des natürlichen Zyklus eine besondere Erfahrung. So berichten viele Frauen, die nicht hormonell verhüten, dass die Libido je nach Zyklusstand stärker oder schwächer ist und insgesamt die Sexualität facettenreicher erlebt wird. Oder sie erfahren Symptome wie PMS vor der Periode bewusster oder erleben eine besonders tatkräftige Energie in der Zeit nach der Menstruation. Diese Schwankungen können sowohl ein Segen als auch eine Belastung sein; hier ist es hilfreich, auf den eigenen Körper zu hören und anzunehmen, dass die erlebten Phänomene Teil der Fruchtbarkeit sind.

Für viele Frauen ist die wegfallende „Planbarkeit“ der Menstruation, wie sie insbesondere bei der Pille auftritt, zunächst ein Verlust und eine Herausforderung – gleichzeitig eine Chance, den Menstruationszyklus als archaische und unverfälschte Körpererfahrung neu kennen zu lernen. Der Verzicht auf hormonelle Verhütung stellt sich für viele Frauen als stärkend dar, als Selbsterfahrung und Selbstbestimmung. Die Auseinandersetzung mit dem Zyklus kann mit all ihren Aspekten bis in die Partnerschaft hineinwirken und zu einem besseren Verständnis für den weiblichen Körper und seine Wandelbarkeit führen.

Die Produkte von Kulmine unterstützen genau diesen Prozess, weil sie ermöglichen, die Menstruation als besondere Zeit im Leben einer Frau liebevoll und bewusst zu gestalten – mit Menstruationsartikel, die dem Körper und der Seele gut tun.Es ist daher wenig erstaunlich, dass nicht nur die Mitarbeiterinnen sondern auch viele der Kulmine-Kundinnen entweder noch nie hormonell verhütet haben oder sich nach einigen Jahren wieder für natürliche oder Barrieremethoden entschieden haben.

Wir freuen uns über Zusendungen von Frauen, die ihre Erfahrung (mit der Pille oder ein Leben ganz ohne Pille) teilen möchten.
Welche Erlebnisse haben Kulmine-Verwenderinnen mit dem Verzicht auf hormonelle Verhütungsmethoden? Wir stellen in den nächsten Beiträgen einige Erfahrungsberichte vor.