Es ist nicht egal, wie wir gebären!

Als Nina mich fragte, ob ich über meine Geburt schreiben würde, die ich als selbstbestimmt erlebt habe, dachte ich: Na klar schreibe ich über die Geburt. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam die Erkenntnis: Die Geburt war selbstbestimmt, aber es gab auch einen Weg dorthin, der mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger war. 

Schon 2010 hatte ich über die immer kritischer werdende Situation der Hebammen gelesen und wusste – sechs Jahre später – dass ich schnell sein musste, sollte ich schwanger werden.
Ich hatte viele Geburtsberichte gelesen, davon sehr viele positive über außerklinische Geburten mit 1 zu 1 Betreuung und eine aufsuchende Wochenbett-Betreuung. Da war also das diffuse Wissen, dass Hebammen wichtig für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettbetreuung waren, aber wie bedeutsam sie für mein persönliches Erleben derjenigen sein würden, ahnte ich noch nicht im Geringsten.

Als digital native bin ich mit dem Internet aufgewachsen und ohne es wäre ich nicht in der Lage gewesen, mir die Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Geburt zu schaffen. Deshalb möchte ich meine Erfahrung mit Interessierten teilen, auch wenn der Text so viel länger geworden ist, als ursprünglich geplant. 🙂


Schwangerschaft und Vorsorge

Mit Sensiplan (eine spezielle Form der Zyklusbeobachtung) konnte ich den Eisprung sicher auswerten und als ich den 15. Tag der 2. Zyklusphase erreichte, wusste ich schon, dass ich schwanger war. Erstens war meine Gelbkörperphase in 10 Jahren nie länger als 14 Tage gewesen und zweitens waren meine ersten Schwangerschaftssymptome gute Laune und Zuversicht. Etwas das mir als nebenberufliche Bedenkenträgerin völlig neu war.
In mir war eine tiefe Sicherheit, dass diese Schwangerschaft halten und ich am Ende ein gesundes Wunschkind in den Armen halten würde. Zum ersten Mal lernte ich also meine Intuition kennen.

Der Schwangerschaftstest fiel positiv aus und ich rief sofort im Geburtshaus an. Ich sollte zum Informationsabend kommen und konnte mich zwei Wochen später für die Schwangerschaftsvorsorge und Geburt dort anmelden. Und ja ich gebe zu: meinen Partner und Vater des Kindes habe ich erst am Abend des positiven Tests informiert. Zu groß war die Furcht, schon in Schwangerschaftswoche (SSW) 4+1 zu spät für die Hebammensuche zu sein.
Beim Informationsabend stellte sich dann tatsächlich heraus, dass einige Schwangere auf die Warteliste kommen würden oder zu spät dran waren.

Bei meiner Frauenärztin stellte ich mich in der 8. SSW vor und sagte absichtlich ein korrigiertes Datum für die letzte Regel, da der Eisprung fünf Tage später statt gefunden hatte und nicht wie im Lehrbuch an Zyklustag 14. Schon meine Mutter hatte dies bei ihrer zweiten Schwangerschaft so gehandhabt, da ich als erstes Kind 11 Tage „zu spät“ auf die Welt kam – einfach weil unsere Zyklen länger als der Durchschnitt sind. Im Ultraschall konnte man sehen, dass sich die Fruchthöhle in der Gebärmutter und nicht im Eileiter befand. Ich informierte meine Frauenärztin fast schon entschuldigend, dass ich die Vorsorge abwechselnd mit den Hebammen durchführe und sollte nichts dagegen sprechen, eine außerklinische Geburt plane.
Sie kommentierte dies nicht, aber ich konnte schon an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, was sie darüber wohl denken mochte.

Es werden ja nun allerhand Tests gemacht und ebenso als IgEL (individuelle Gesundheitsleistung, privat zu zahlen) angeboten. „Zur Sicherheit“ ließ ich Toxoplasmose, Ringel-Röteln und CMV (Cytomegalie-Virus) bestimmen – letzteres da man sich nur durch vorbeugende Hygiene-Maßnahmen schützen kann und eine Infektion in der Frühschwangerschaft schwere Behinderungen des Kindes nach sich ziehen kann. Zudem ist eine Antikörper-Therapie ein off-lable Einsatz – die Medikamente kosten mehrere Tausend Euro und man ist auf eine freiwillige Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse angewiesen.
Nun stellte sich heraus, dass meine von mir vermutete Mononukleose zwei Monate vor der Schwangerschaft tatsächlich eine CMV Infektion gewesen war. Zumindest deuteten die Antikörper auf eine Infektion mindestens acht Wochen vor der Empfängnis darauf hin.

Auf einmal war ich eine Risikoschwangere und wurde zu zusätzlichen Ultraschalls an eine DEGUM 2 Gynäkologin überwiesen. Diese datierte den Entbindungstermin in SSW 13 auf Grund der Größe des Fetus fünf Tage vor – obwohl ab der 11. SSW die Größenbestimmung per Ultraschall sehr unsicher ist und laut Leitlinien auch nicht empfohlen wird. Meine Gynäkologin übernahm diesen ET und ließ sich nicht auf Diskussionen ein. Wie eine Eireifung noch während der Menstruation zu einem Eisprung an Zyklustag neun führen soll, bleibt mir bis heute ein Rätsel.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir allmählich klar, dass man einer Schwangeren jegliches Verfügungsrecht über ihren Körper abspricht und sie quasi entmündigt, indem ihr Angst gemacht wird: „Wir wollen doch nicht, dass Ihrem Kind etwas passiert!“ Da ging ich nun nach dem Termin aus der Praxis, fast 30 Jahre alt, mit abgeschlossenem naturwissenschaftlichen Studium und Note 1 vor dem Komma und fühlte mich bevormundet wie ein Kind. Der Irrsinn ging weiter: in der 34. SSW wurde beim DEGUM 2 Schall das Gewicht unter der 3. Perzentile gemessen – kein Wunder, denn das Kind war aus ärztlicher Sicht älter. Die Diagnose: small for gestational age (Wachstumsretardierung).
Zu diesem Zeitpunkt erlebte ich meine Arbeitssituation zunehmend als sehr belastend, insbesondere, dass ich viel Stehen und Gehen musste.

Anstatt meinen mütterlichen Organismus von diesem vielen Stehen/Gehen und dem Lärm und Stress zu entlasten und mich aus einer Arbeitssituation zu nehmen, in der die Mutterschutzrichtlinien nur minimal umgesetzt wurden, schürten die Ärzte latente Sorgen. Anstatt die Ursache des leichten Kindes in der Minderdurchblutung der Gebärmutter unter Adrenalin-Dauerbeschuss zu suchen (der Körper reduziert unter Stress die Durchblutung weniger überlebenswichtiger Organe wie Niere und Gebärmutter), versteiften sich die Ärzte auf eine mögliche Krankheit des Kindes. In der Anmeldung zur Geburt in meinem Wunschkrankenhaus, falls das Geburtshaus keine Option mehr sein würde, ging es keineswegs um meine Wünsche im Geburtsplan, sondern nur darum, dass eine außerklinische Geburt nicht empfohlen wird.
Bei der gynäkologischen Pflichtuntersuchung für außerklinische Geburten an Entbindungstermin plus ein, zwei oder drei Tage waren Fruchtwassermenge und Plazentaverkalkung normgerecht, alle Parameter unauffällig, nur das CTG gefiel meiner Frauenärztin nicht: die Frequenz war bei 170 Schlägen pro Minute. Das CTG wurde nach einer Stunde wiederholt und war auf 120 Schläge pro Minute gesunken. Das war ihr nun wiederum zu niedrig und sie wollte mich am gleichen Abend in die Klinik schicken.

Zu dem Zeitpunkt war ich mental aber schon soweit und dachte mir: „Ihr könnt mir alle mal die Füße kraulen!“ Im Wartezimmer lief ein enorm lauter Lüfter, weil es ein sehr schwüler Tag war – kein Wunder dass mein Baby dadurch Stress bekam, weil es ihm eine Dreiviertelstunde zuhören musste. Mein Baby bewegte sich, seit ich die Kindsbewegungen spüren konnte, derartig viel, dass ich dachte, es käme durch die Bauchdecke geturnt. Eine solche Muskelaktivität kann keine Sauerstoff- oder sonstige Unterversorgung bedeuten.
Ich hatte genug und ging ab dieser Vorsorge nur noch zu meinen Hebammen. Die Ultraschalluntersuchungen hatten keinen Hinweis auf Organschädigungen ergeben, nach meinem Resturlaub und Mutterschutz hatte das Baby in einem Monat mehr als ein Kilogramm an Gewicht wieder aufgeholt und befand sich auf der 33. Gewichtsperzentile. Ich hatte alle Untersuchungen, die mir sinnvoll erschienen, durchgeführt und hatte genug Sicherheit, um mit gutem Gewissen eine außerklinische Geburt zu beginnen. Alle Parameter wie Blutdruck, Urin, Gewicht und Blutzucker waren absolut unauffällig.
Trotzdem schienen die Ärzte auf Teufel komm raus etwas krankhaftes als Ursache finden zu wollen.

Wie anders fühlte ich mich nach den Hebammenvorsorgen: statt 10 Minuten Gespräch hatte ich mindestens 45 Minuten. Die Räumlichkeiten waren einladend, gemütlich und das Geburtszimmer wie eine warme und vertraute Höhle. Da ich fast keine Beschwerden in der Schwangerschaft hatte, traute ich mich zuerst nicht, diese zu genießen und befürchtete ein „dickes Ende“. Die Hebamme M. ermutigte mich, die Schwangerschaft mehr zu genießen. Bei der Risikoaufklärung konnte die Hebamme P. mir helfen, einen realistischen Blick auf die Risiken unter der Geburt zu bekommen – ich vertraute mehr und mehr meiner Intuition, dass die außerklinische Geburt die bessere Option für mich, mein Baby und meinen Partner war. Mir wurde zu jeder Zeit die Option offen gelassen, doch ins Krankenhaus zu gehen, falls ich das möchte.
Als die Diagnose small for gestational age (Wachstumsretardierung) gestellt wurde, durfte ich vor Hebamme O. meine Gedanken in Ruhe ausformulieren, dass Ultraschall-Untersuchungen durchaus ungenau sein können, ich selbst auch ein sehr leichtes Kind war und dass die Infektion höchstwahrscheinlich ausreichend lange vor der Empfängnis abgeklungen war. In der 37. SSW erfasste mich eine emotionale Krise und ich weinte sehr oft. Ich hatte auf einmal Angst vor der emotionalen Herausforderung, Mutter zu werden und mich selbst noch als Kind meiner Eltern zu fühlen. Hebamme L. sprach mich darauf an und hielt meine Tränen aus.

„Ein Kind braucht am Anfang nur genug zu essen, will es warm und kuscheln.“ Nach jeder Vorsorge war ich gut gelaunt, glücklich, in engem Dialog mit meinem Kind, vertraute meinem Körper und seiner Fähigkeit zu gebären. Ich fühlte mich respektiert, mit meinen Sorgen Ernst genommen, durfte vaginale Untersuchungen ablehnen, damit ich mich nicht selbst unter Druck setzte, ob der Muttermund nun schon verstrichen oder ein Finger einlegbar war. So fiel es mir noch leichter, in Ruhe abzuwarten, dass sich mein Baby von selbst auf den Weg macht.
Im Krankenhaus leitet man ja gerne schon ab ET+7 bzw. ET + 10 ein und bei ET + 14 wäre ich vermutlich sehr hohem Druck ausgesetzt gewesen. Wohl bemerkt ärztlich verursachtem Druck durch Vordatierung!


Die Geburt

11 Tage nach dem korrigierten Entbindungstermin und sech Tage nach dem Entbindungstermin, den ich basierend auf Regeln von Sensiplan erreichnet hatte, ging ich morgens auf Toilette und bemerkte auf dem Weg, dass Flüssigkeit aus mir rann. Ich war sofort hellwach und aufgeregt: Das konnte nur bedeuten, dass die Fruchtblase geplatzt und die Geburt nun definitiv in Gang gesetzt war. Ich fing etwas Flüssigkeit auf und testete den pH Wert, Aussehen sowie den Geruch. Das Stäbchen wurde tiefblau und der Geruch der Flüssigkeit erinnerte mich an Sperma. Dank Google erfuhr ich, dass das normal war.
Nachdem ich geduscht und mir Pelzys in die Unterhose geklemmt hatte, rief ich meine Hebamme M. auf dem Rufbereitschaftstelefon an.
Sie klang sehr müde und ich erfuhr später, dass sie in der Nacht gleich zwei Geburten gehabt hatte. Trotzdem war sie immer noch sehr freundlich, hat sich einfühlsam mit mir gefreut, dass es nun endlich los gehe und wir besprachen, dass ich nicht sofort ins Geburtshaus kommen muss, da ich um 9 Uhr sowieso noch eine geplante Vorsorge haben würde.

Diese war bei Hebamme K. vom anderen Team, die ich bisher noch nicht kennen gelernt hatte, aber bei der ich mich auch sofort wohl fühlte. CTG, Urin und Blutdruck waren unauffällig und der Muttermund verstrichen. Da sich „richtige“ Eröffnungswehen noch nicht blicken ließen, besprachen wir, dass ich um 16 Uhr noch mal anrufen sollte und wir dann besprechen, ob ich eine halbe Dosis Rizinusöl einnehmen soll, um die Wehen in Gang zu bringen.
Auf Grund des vorzeitigen Blasensprungs mussten wir die 24 Stunden Grenze etwas im Auge behalten. Innerhalb dieses Fensters sollte das Kind auf der Welt sein. Ich sollte über den Tag eigenverantwortlich meine Temperatur messen, um eine aufsteigende Infektion rechtzeitig zu erkennen.

Zuhause angekommen, machte ich der Mutter meines Freundes klar, dass ich den Kopf nicht für die Geburt frei haben würde, solange sie noch in unserer Wohnung sei. Sie hatte uns ins Geburtshaus zur Vorsorge gefahren, da mein Freund am vorigen Tag eine kleinere Operation mit Vollnarkose gehabt hatte und noch nicht wieder ein Fahrzeug führen durfte. Der Onkel meines Freundes fuhr ihn noch einmal ins Krankenhaus für die Röntgenkontrolle.
Ich backte derweil einen Geburtstagskuchen und putzte die Küche ein letztes Mal so richtig gründlich. Als mein Freund wieder da war, verabschiedeten wir seine Mutter. Nun hatte ich endlich den Kopf frei und war bereit, die Wehen kommen zu lassen. Ich tigerte durch das Haus, räumte hier und dort noch auf, aß eine große Portion Nudeln und stieg vor allem viele Treppen.
Die Wehen waren nun als schmerzhaftes Ziehen zu spüren und kamen etwa alle 10 – 20 Minuten.

Wie es im Geburtsvorbereitungskurs gezeigt worden war, stützte ich mich auf Tisch oder Tresen um die Körpermitte zu entspannen und atmete in den Bauch in den leichten Schmerz hinein – dann mit geöffnetem Mund wieder aus. Um 16 Uhr telefonierte ich mit K. und wir vereinbarten, dass ich mir um 18 Uhr ein Spiegelei mit Rizinusöl brate. Bis dahin machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Es war ein kühler und bewölkter Augusttag mit ein wenig Nieselregen und ich war froh, dass es nicht hieß und schwül war.
Nach dem Rizinusöl-Spiegelei ließ ich ein warmes Bad ein und wir sahen eine seichte Komödie auf dem Computer, während wir die Wehenabstände stoppten. Sie kamen nun schon alle acht Minuten und forderten meine volle Konzentration beim Veratmen.
Nach einer Stunde wollte ich aus der Wanne heraus – die abführende Wirkung hatte eingesetzt. Wir machten uns mit dem Auto auf den Weg ins Geburtshaus – die Wehen kamen alle sieben Minuten und die letzte Wehe nach 30 Minuten Fahrt im Auto war bereits richtig gemein. Mein Freund suchte einen Parkplatz und ich klingelte an der Tür des Geburtshauses.

Es ist 21:06 Uhr und K. öffnet mir mit L., die gerade als neue Kollegin eingearbeitet wird, die Tür. Sie begrüßen mich strahlend und ich weiß: alles wird gut. Jegliche Nervosität fällt von mir ab. Wir gehen ins Geburtszimmer und ich werde noch einmal eine halbe Stunde ans CTG angeschlossen – es zeigt wieder keine Auffälligkeiten. Ich liege auf dem Bett und die Hebammen knien auf dem Boden. Was mir zuerst merkwürdig erscheint, weicht der Erkenntnis: heute geht es einmal nur um mich, meine Bedürfnisse und mein Geburtserlebnis. Die Stimmung ist gut und wir plaudern etwas.
Die vaginale Untersuchung ergibt, dass der Muttermund erst wenige Zentimeter geöffnet ist und uns wird empfohlen, noch einmal nach Hause zu fahren – interessanterweise weiß ich davon gar nichts mehr. Meinen Freund macht die Aussicht auf die längere Fahrt nach Hause etwas nervös. Ich bleibe wohl einfach sitzen. Dann werden wir gefragt, ob wir noch einmal spazieren gehen möchten und die Hebammen ziehen sich zurück.
Doch bereits im Flur merke ich, dass das nichts wird. Ich habe keine Lust mehr, viel zu sprechen und werde in mich gekehrt. Ich setze mich wieder auf das Bett und die nächste Wehe überrollt mich derart schmerzhaft, dass ich laut töne – es ist ein merkwürdig vertrautes Gefühl. Als ob der Ton meinen Körper in der perfekten Frequenz trifft und ihn in Schwingung versetzt. Vielleicht ein Ton so alt wie die Menschheit selbst. Ab diesem Zeitpunkt verschwimmt meine Wahrnehmung.

Die Hebammen kommen zurück, wahrscheinlich haben sie das Vertönen sofort richtig eingeordnet. Mir wird ein Positionswechsel vorgeschlagen. Ich knie vor dem Bett und lehne den Oberkörper aufs Bett. Ich atme in den Bauch, in den Schmerz hinein und töne mit einem „aaaah“ wieder aus. An meinem Ohr höre ich L., wie sie mir hilft und ich folge ihrem aaaaaaaaoooooooh. Es ist wie ein Leuchtturm zur Orientierung, während ich ein Spielball der Wehen werde. Wie ein kleines Boot auf einem riesigen Ozean. Instinktiv kreise ich mein Becken.
Mir wird schlecht, ich verlange das Nierenschälchen. Die Übelkeit vergeht jedoch, ohne dass ich mich übergeben muss. Ich friere und schwitze gleichzeitig; ziehe Jogginghose und T-Shirt aus. Die Wehen kommen erbarmungslos, kurz verhaspele ich mich in meinem Atmen und die Hebamme weist mich an, wie ich in den Bauch atmen muss damit mein Baby Sauerstoff bekommt. Ich schaue auf das CTG und sehe eine Frequenz von 80 Schlägen pro Minute. K. dreht meinen Kopf sanft zurück. 

Aber ich habe keine Angst. Das Baby hat einen großen Vorrat an sauerstoffreichem Blut in den Lebersinusoiden, da seine Leber noch nicht mit vollen Kapazitäten arbeiten muss. Warum denke ich denn jetzt über so etwas nach? Ich glaube, zwischen den Wehen döse ich weg – nun bin ich froh dass ich ein paar Menstruationen ohne Schmerzmittel ausgehalten habe, denn die Verarbeitung der schmerzhaften Krämpfe durch in den Bauch atmen und bewusstes locker lassen, ähnelt den Wehen in der Übergangsphase sehr.
Die Wehen kommen alle zwei Minuten und mein Körper besteht nur noch aus Schmerzwellen. Ich quetsche die Hand meines Freundes und sehe kurz auf. Er versichert mir wie die Hebammen auch, dass ich es so toll mache. Später wird er mir sagen, dass ich wie auf Drogen gewirkt habe. Ich denke: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr!“. Aber ich sage es nicht laut, aus Angst dass eine Muttermund-Untersuchung nur eine geringe Öffnung bescheinigt. 

L. fragt, ob sie mich vaginal untersuchen darf. Ich willige ein und sie teilt mir freudig mit, dass der Muttermund quasi nicht mehr da ist und ich mit schieben darf, falls ich möchte. Innerhalb von zwei Stunden ist der Muttermund vollständig aufgegangen und ich werde wieder etwas klarer im Kopf. Die Austreibungsphase erweist sich als zäh. Die Qualität der Wehen verändert sich: nun überkommt die Wehe den Körper wie Durchfall oder der Drang zu Erbrechen nur eben als Drang zu pressen. Von der Intensität des Schmerzes sind die Wehen sehr viel besser auszuhalten.
Ich halte mich am Seil fest und gehe im Höhepunkt der Wehe in die Hocke, um den Beckenausgang möglichst weit zu öffnen. Ich schwitze dermaßen, dass mir die „Soße runterläuft“. Immer wieder darf ich etwas trinken oder bekomme ein Stückchen Traubenzucker.
Das Köpfchen füllt das Becken aus: ein wahnsinniges Gefühl. Ich wende bei den Wehen die Bauchpresse zur Unterstützung an und schiebe auch über die Wehe hinaus mit. Ich habe das Gefühl, es geht nicht voran, doch K. feuert mich an, ermutigt mich unermüdlich und verliert nie die Geduld mit mir (während ich heimlich an Kaiserschnitt denke). L. massiert meinen Bauch mit würzig-duftendem Uterusöl. 

K. hält mir Kügelchen hin und ich lache: „Aber ich glaube doch nicht an Globuli!“ Sie lacht auch und sagt: „Ach komm, ist doch egal!“ Und ja, es ist tatsächlich egal. Ich nehme die Globuli und habe es im nächsten Moment schon wieder vergessen. Mittlerweile ist auch J. gekommen, die zweite Hebamme, die zu einer Geburt gerufen wird. Sie hält mir nach jeder Wehe den CTG-Schallkopf an den Bauch, ansonsten bin ich nicht eingeschränkt in meinen Bewegungen. Die Wehen kommen nun seltener. Auch ein Positionswechsel und einige Presswehen veratmen, um Kraft zu schöpfen, helfen nicht.
L. fragt mich, ob sie sanft mitschieben darf. Ich bin einverstanden. Später wird mir klar, dass dies der Kristeller Handgriff war, aber nicht so brutal angewendet, wie in traumatischen Geburtsberichten häufig zu lesen ist, sondern im Sinne des Erfinders: bei Erschöpfung der Gebärenden, bei fehlenden Bauchmuskeln Vielgebärender und ausschließlich mit den Händen. K. rät mir, die Wehen nicht herauszubrüllen, sondern die Energie stumm nach unten zu schicken. Ich darf das Köpfchen tasten: es ist ganz weich und steht am Ausgang. Es fehlt nur noch das letzte Stück. Ich schöpfe neuen Mut. L. umarmt mich von hinten, fixiert sanft den Po des Babies und ich drücke in der Hocke, traue mich über diese Klippe zu springen. Plötzlich merke ich einen heftigen und brennenden Schmerz: das Köpfchen ist halb draußen.

Ich reiße die Augen auf und sehe, wie J. und K. „Kerzen auspusten“. Ich tue es ihnen gleich.
K. sagt mir mitfühlend: „Ich weiß, dass das nun wahnsinnig brennt, aber du musst auf die nächste Wehe warten, sonst schießt das Köpfchen wie ein Sektkorken hinaus.“ Ich nicke und starre sie wie hypnotisiert an. Sie hat ganz blaue und freundlich-blitzende Augen. Die nächste Wehe kommt und das Köpfchen ist draußen. Das Baby maunzt und mein Freund berichtet mir später, dass er etwas geweint habe. Der Körper folgt noch in dieser Wehe und meine Tochter liegt vor mir. Nach fast drei Stunden Austreibungsphase.
Nie werde ich diesen Anblick vergessen, wie sie nackig, glitschig und empört schreiend vor mir liegt, die Fäuste geballt. Mir entfährt etwas völlig banales: „Ich habe einen Conehead!“ Und immer wieder: „Ich fasse es nicht!“. Schnell hilft man mir, das Bustier auszuziehen und ich darf meine Tochter selbst auf meine Brust heben. Die Nabelschnur ist sehr kurz und ich muss sie daran hindern, hoch zu robben. Wir dürfen uns eine halbe Stunde lang ungestört in unser Kind verlieben, welches ganz hellwach zu mir aufschaut.
Die Nabelschnur pulsiert aus und ich schneide sie durch, trenne unsere Verbindung vorerst. Dann lege ich sie zum ersten Mal an meine Brust an – sie saugt wie ein Profi und sehr gierig.
Leider will die Plazenta einfach nicht kommen und nach zwei Stunden und ziemlichem Blutverlust entscheiden die Hebammen, dass die Plazenta unter ärztlicher Aufsicht kommen muss.

Ich war angespannt, aber hatte keine Angst – alle Maßnahmen und das Risikomanagement waren absolut transparent im Geburtshaus. Mit dem Rettungswagen wurde ich ohne Eile mit meinem Baby in die nahegelegene Klinik gebracht. Die Hebammen kamen mit und standen mir mental bei, bis die Plazenta mit dem Credé Handgriff geboren war. Dann gratulierten sie mir und sagen mir im Grunde richtig mütterlich, wie gut ich das gemacht habe und wie tapfer ich war.
Auch im Krankenhaus habe ich mich respektvoll behandelt gefühlt: die Entscheidung für das Geburtshaus wurde nicht negativ kommentiert, die Hebammenstudierende lenkte mich ab und plauderte mit mir, die leitende Hebamme entschuldigte sich für die unangenehme Prozedur und die Ärztin hielt sich im Hintergrund bis es ans Nähen des Dammrisses 2. Grades ging und sie mir riet, auf Grund des Blutverlustes noch ein paar Tage in der Klinik zu bleiben. Diesen Rat konnte ich somit gut annehmen, auch wenn ich ursprünglich eine ambulante Geburt haben wollte.
Die Vorderwandplazenta war sehr klein und diese Art Plazenten macht wohl häufig Schwierigkeiten bei der Lösung – die Frage bleibt, ob die Plazenta so klein geblieben wäre, wenn meine Arbeitssituation nicht so stressig gewesen wäre.

Im Übrigen ist mein Baby kerngesund mit einem Apgar-Score von 9/10/10 und 3600 g zur Welt gekommen und sowohl Nabelschnurblut als auch Urin waren ohne CMV-Befund.

Das Wochenbett und ein Ausblick

Im Wochenbett wurde ich von einer mütterlich-strengen Hebamme betreut, die darauf achtete, dass ich genug trank und jeden Tag eine warme Mahlzeit von meinem Freund bekam. So intuitiv ich in der Schwangerschaft war, so hilflos war ich mit meiner neugeborenen Tochter.
Die Hebamme half mir über diese Unsicherheit hinweg. Sie diagnostizierte auch meine wahnsinnigen Schmerzen beim Liegen und Gehen als Steißbeinbruch, mindestens jedoch eine Steißbeinprellung. Mit ca. einem Liter Blutverlust, Schwitzattacken und generell dem Gefühl, von einem Laster überfahren worden zu sein, frage ich mich: wie um alles in der Welt kommen Politiker und andere Akteure im Gesundheitswesen auf die Idee, die aufsuchende Wochenbett-Betreuung vor die Hunde gehen zu lassen?
Schon die Autofahrt von 10 Minuten zum Kinderarzt an Lebenstag fünf wegen eines verklebten Auges und der Furcht, es könnte bakteriell bedingt sein, war eine Qual. Insgesamt konnte ich vier Wochen nicht richtig sitzen, sondern musste immer in der Seitenlage schlafen, stillen und essen.

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Es ist nicht egal, wie wir geboren werden und es ist nicht egal, wie wir gebären!
Wie könnte es das sein, wenn ein positives Geburtserlebnis das Potenzial hat, Frauen psychisch derart zu ermächtigen?
Meine Geburt ist vier Monate her und jeden Tag denke ich, wie großartig dieses Erlebnis für mich war, wie dankbar ich diesen großartigen Hebammen – Frauen – bin. Dass ich nun alles schaffen kann. Wie eng die Bindung an meine Tochter ist, wie wir die Geburt gemeistert haben, hat uns über eine sehr schwierige Schreizeit am Anfang geholfen. Von Freunden und Bekannten wurde ich gefragt, wie ich die Geburt ohne Schmerzmittel ausgehalten habe. Meine Antwort ist so simpel wie wahr: „Mit meinen Hebammen habe ich das geschafft!“

Mein Rat: Informiert euch ausreichend. Lest Geburtsberichte, stellt kritische Fragen bei Klinik-Informationsveranstaltungen, lest Bücher, die sich kritisch mit der Geburtsmedizin auseinandersetzen denn die Geburtsmedizin wird auch durch wirtschaftliche Aspekte gelenkt – nicht immer in gute Bahnen. Informiert euch, unter welchen Voraussetzungen Geburten natürlich ablaufen und welcher Geburtsort für eure Situation der beste wäre unter Berücksichtigung von Grunderkrankungen. Lasst die Geburt nicht einfach auf euch zukommen im Glauben „Das wird schon irgendwie!“ Kümmert euch rechtzeitig darum, eine Hebammenversorgung zu bekommen und meldet Missstände, falls ihr keine bekommt. Macht euch klar, dass viele medizinische Untersuchungen mehr Unsicherheit als Sicherheit geben. Und hört immer auf euer Bauchgefühl!

Fordert diese Voraussetzungen bei der Politik ein, auch wenn ihr vielleicht erst in einigen Jahren Kinder möchtet. Engagiert euch bei gemeinnützigen Vereinen wie Motherhood e.V. oder ähnlichen – und wenn es aus Zeitmangel eine Fördermitgliedschaft ist. Familien brauchen Hebammen und Hebammen brauchen eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen für die unverzichtbare Arbeit, die sie leisten.
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Widmung

  • Für meine Tochter, die ich mehr liebe, als ich es mir je hätte vorstellen können.
  • Für meinen Freund und Vater meiner Tochter, der seine Ängste und Bedürfnisse für mich zurück gestellt hat, obwohl in seiner Familie niemand eine außerklinische Geburt hatte.
    Du hast mich in der Schwangerschaft und bei der Geburt bedingungslos unterstützt und alles gesehen, was man Männern im Allgemeinen nicht zutraut.
    Ich liebe dich und unsere kleine Familie!
  • Für meinem Vater, der mich immer in meinem Bauchgefühl bestärkt hat und dass mein Körper weiß was er tut – wenn man ihn lässt und ihm vertraut. Danke für deine kritisch-realistische Sicht auf die Medizin.
  • Und für meine Mutter, die mir jedes Jahr an meinem Geburtstag voller Stolz und Liebe sagt: „Heute vor soundsoviel Jahren habe ich dich raus gedrückt!“

Lese-Tipps
Alfred Rockenschaub: Gebären ohne Aberglauben
Carola Hauck: Die sichere Geburt – wozu Hebammen
Sarah Schmid: Alleingeburt
Quarks & Co.: Projekt Schwangerschaft – alles unter Kontrolle?

Die Pille – warum denn nicht?

Wir schließen die Reihe rund ums pillenfreie Verhüten (erstmal) mit diesem Bericht ab, bei dem erstmalig die Kupferspirale einen kleinen Auftritt hat!

Mit 15 ging es mir wie vielen jungen Mädchen:

Ich hatte meinen ersten richtigen Freund und fühlte mich bereit für mein erstes Mal. Es war klar, dass wir verhüten müssen und daher machte ich mich auf den Weg zu meiner Frauenärztin. Ich wollte das allersicherste Verhütungsmittel haben, denn schwanger mit 15, das ging für mich gar nicht.
Direkt schlug mir die Frauenärztin die Pille vor – und ich stiefelte mit einem Rezept in der Hand in die nächste Apotheke. Aufgeklärt wurde ich nicht, es wurde nicht gefragt, ob ich in der Familie jemanden kenne, der eine Thrombose oder andere Herzkreislauferkrankung hat, es wurde nicht gefragt, ob ich rauche und auch der Zusammenhang einer erhöhten Brustkrebsgefahr wurde mir nicht erklärt.
So fuhr ich also mit der Pillenpackung in der Hand nach Hause und machte sie auf. Drei Blister und ein Beipackzettel fielen heraus. Ich musste schlucken – dieser Beipackzettel war mindestens dreimal so lang wie die, die ich bis jetzt von anderen Medikamenten gewohnt war. Ich fing also an zu lesen, und mich traf ein kleiner Schock – Unmengen an Nebenwirkungen purzelten mir entgegen.


Schon an diesem Abend nahm ich die erste Tablette

Dennoch nahm ich noch am selben Abend meine erste Tablette, immerhin gab es ja keine Alternativen, oder? So dachte ich auch noch nach einem Pillenwechsel, da ich die Erste nicht vertragen habe und schluckte dadurch fast vier Jahre täglich diesen kleinen „Wunder“-Cocktail an Hormonen herunter. So langsam aber sicher erlebte ich mit der Pille aber wirklich mein blaues Wunder – ich hatte depressive Verstimmungen und war unglaublich unausgeglichen. Darüber hinaus hatte ich Schmerzen beim Sex, die mir keiner so Recht erklären konnte.
Ich habe lange überlegt, wie ich weiter vorgehen will – und zum ersten Mal auf eigene Faust wirklich recherchiert. Ich war nicht die einzige Frau, die durch die Pille mehr Nachteile als Vorteile erlebte. Mit diesem Wissen gewappnet ging ich zu meiner Frauenärztin. Es war nicht dieselbe wie die, die mir mit 15 die Pille zuerst verschrieben hatte – und fragte sie. Sie gab zu, dass Schmerzen beim Sex auch durch die Pille zustande kommen könnten – wieso sie mir das nicht schon früher erzählt hatte, wunderte ich mich in dem Moment. Daraufhin entschloss ich mich, die Pille abzusetzen.
Aber ja, was waren denn nun die Alternativen? Ich sprach mit meiner Mutter darüber, Kondome verwenden zu wollen, und sie meinte es wäre gut, wenn ich keine Hormone mehr nehmen würde, aber Kondome allein wären viel zu unsicher – ich solle auf jeden Fall mit einem Spermizid ergänzen. Ich sprach erneut mit meiner Frauenärztin und die schlug mir stattdessen die Temperaturmessmethode vor, als Ergänzung zu Kondomen.

Dieser Tipp führte mich ins Nfp-Forum

Dieser Hinweis führte mich zum ersten Mal aufs Nfp-Forum, und ich begann zuerst einmal zu lesen und Wissen in mich aufzusaugen. Bald bestellte ich mir ein Geratherm basal, ein „Natürlich und Sicher“ und ein „Natürlich und Sicher – Arbeitsbuch“. Beide Bücher arbeitete ich gründlich durch und als ich damit fertig war, nahm ich die letzte Pille aus dem Blister.
Das war gutes Timing! Durch das Nfp-Forum lernte ich auch, dass Kondome keine „one size“-Produkte sind, so wie man es in der Drogerie vermuten könnte. Mein Freund bestellte sich ein Testpaket von mysize und wir probierten aus, welche am besten passten. Davon bestellten wir dann eine größere Menge. In den nächsten drei Zyklen verhüteten wir durchgängig mit Kondomen, damit ich die Chance hatte, die Nfp-Methode zu erlernen. Meine Schmerzen hatte ich leider noch immer und es stellte sich später als ein psychisch hervorgerufenes Problem durch meine damalige Beziehung heraus. Aber mir ging es um so vieles besser dadurch, dass ich die Pille abgesetzt hatte.

Nach einem weiteren halben Jahr ging diese Beziehung in die Brüche und ich war wieder Single. Dadurch hörte ich auch auf konsequent zu messen, da es ja nur noch der Beobachtung diente und mein Körper ganz von allein regelmäßige Zyklen produziert. Wirklich konsequent wieder mit nfp angefangen habe ich nicht, meine zweite Beziehung war so kurz, dass ein Verzicht auf Kondome für die Verhütung von Krankheiten nicht in Frage kam. Aber auch dort habe ich darauf geachtet, dass mein Freund die richtige Größe verwendet. Mit meinem aktuellen Partner verhüten wir mit einer Kupferspirale, die fünf Jahre zuverlässig wirkt.

Hormone habe ich nie wieder genommen.


Keine Nebenwirkungen und trotzdem pillenfrei!

Vor kurzem bekam Petra eine Mail mit dem nächsten Bericht zum Thema Pillenfrei:

Hey Petra,
wie besprochen, nachfolgend meine Verhütungsgeschichte ohne Nebenwirkungen durch die Pille.
Liebe Grüße!


Ich habe relativ spät mit der Pille begonnen, ich war bereits 19.

Entgegen anderer Berichte hatte ich niemals Probleme oder Nebenwirkungen, sondern habe sie gut vertragen. Vielleicht habe ich einfach Glück gehabt, ich denke aber eher, dass es eine Rolle spielt, dass mein Körper (anders als z.B. mit 15) bereits „fertig“ mit der Pubertät war und mein Zyklus inkl. Hormongefüge sich bereits gut eingespielt hatte.
Viele Freundinnen setzten ihre Pillen ab und berichteten von einem komplett neuen Körpergefühl mit Gewichtsabnahme, wieder erwachter Libido und besserem Wohlbefinden. Für mich sah ich keine Veranlassung zum Absetzen, denn mir ging es ja sehr gut und ich litt auch nicht unter mangelnder Libido oder unter Scheidentrockenheit. Außerdem fand ich es überaus bequem, meine Abbruchblutung nach Bedarf steuern zu können.
Die Trennung von meinem Mann nach gut 10 Jahren Pille machte die Verhütung vorerst überflüssig, so dass ich sie aus Kostengründen dann doch absetzte. 


Gespanntes Warten

So wartete ich also gespannt auf all die tollen Ereignisse, die ein pillenfreies Leben nach Meinung meiner Freundinnen mit sich bringt. Nur – bei mir passierte NICHTS! Meine Mens setzte vier Wochen nach der Abbruchblutung wieder ein (ob ich einen Eisprung hatte, weiß ich nicht, ich habe zu der Zeit noch kein Nfp betrieben) und blieb, wie sie vor der Pilleneinnahme war: regelmäßig ca. alle vier Wochen, schmerz- und beschwerdefrei und mit starker Blutung.

Mit einem neuen Partner zwei Jahre später ergab sich das Verhütungsproblem wieder und so wurde ich bei meiner Gyn vorstellig und bat um ein neues Pillenrezept. Dieses wollte sie mir nicht geben, weil ich inzwischen Anfang 30 und Raucherin war. Sie riet mir zur Mirena, ich willigte ein, denn die Kosten kamen aufgrund der langen Liegezeit denen der Pille gleich.

Das Einsetzen war die schlimmste Prozedur, die ich jemals bei einem Arzt (einschließlich Zahnarzt) erlebt habe!
Bereits beim Verlassen der Praxis wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht habe…
Das bewahrheitete sich im Laufe der nächsten Wochen auch, denn ich litt unter diffusen Blutungen und starken Schmerzen im Unterleib, offenbar wollte mein Körper diesen Fremdkörper dringend wieder loswerden.

Nach zwei Jahren Quälerei ließ ich die Mirena vorzeitig ziehen und stand erneut vor dem Verhütungsproblem. Ziemlich schnell stellte sich mein unverwüstlicher Zyklus wieder auf sein normales Level ein und meine Mens kam wie eh und je mehr oder weniger regelmäßig. Insofern schließe ich die Probleme durch die Mirena-Hormone aus und schiebe es einzig und allein auf den Fremdkörper.

Bei der Recherche zum Diaphragma stieß ich auf Nfp und beschloss, dieses zusammen mit dem Dia in der fruchtbaren Zeit zu nutzen..

Es war die beste Entscheidung überhaupt!

Mit meinen super regelmäßigen Zyklen und zuverlässigen Eisprüngen war die Auswertung ein Kinderspiel. Blöderweise lebe ich aber in einer Wochenend-Beziehung, so dass die freie Zeit nicht wirklich genutzt werden konnte und wir definitiv mehr verhütet, als nicht verhütet haben.

So entschloss ich mich mit 37 zur Sterilisation.
Und auch hier hat mein Körper vorbildlich mitgespielt und sich von der OP nicht beeindrucken lassen.

Inzwischen bin ich 48, betreibe nach wie vor Nfp zur Beobachtung, weil es einfach super spannend ist, zu sehen, wie die Beobachtungen zum Körpergefühl passen. Ich kann vieles in Sachen Psyche und Beschwerden einordnen und finde es interessant, was die körpereigenen Hormone so anstellen.

Langsam nahen die Wechseljahre, die Zyklen verändern sich. Und auch hierbei ist Nfp ein toller Begleiter!


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Der Zyklus in all seinen Facetten

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Hier kommt der vierte Beitrag für die Reihe zum Thema Pillenfrei! 

Die Schreiberin des Beitrags ist seit zwei Jahren ohne „Pille“. Seit sie diese abgesetzt hat, hat sie begonnen, sich das erste Mal wirklich mit alternativen Verhütungsmethoden, der Menstruation, ihrer Weiblichkeit und Sexualität auseinanderzusetzen.


Die Pille nahm ich von ungefähr 16 bis 32. Warum?

Na „man nimmt die halt“. Da wird man 16, hat einen festen Freund und dann ist das ganz normal, dass man mit Mutter zum Frauenarzt geht und die Pille verschrieben bekommt. Wer keinen Freund hat, der bekommt sie oft trotzdem: gegen Regelschmerzen oder Pickel (und es heißt, manch eine nimmt sie sogar einfach für größere Brüste). Die Nebenwirkungen liest man sich (vielleicht) durch, aber ernst nimmt man sie meist nicht – es nehmen ja alle die Pille und kaum eine erzählt etwas von Nebenwirkungen. Und selbst wenn welche auftauchen sollten, dann probiert man eben eine andere aus, irgendeine wird schon passen. 


Beipackzettel-Prosa „meiner“ Pille:

Häufig taucht auf: Brustspannen (nette Umschreibung für schmerzende, berührungsempfindliche Brüste), Gewichtszunahme, Verstimmungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen (auch migräneartig).
Gelegentlich: Depressionen, Veränderungen der Libido, Gesichtshautflecken (die durch Sonne verstärkt werden), Pigmentierungsstörungen.
Selten: Kontaktlinsenprobleme (schlechte Verträglichkeit), Scheidenentzündungen, Pilzinfektionen der Scheide, Zwischenblutungen, Lebertumore (gutartig), Bluthochdruck, Veränderungen des Fettstoffwechsels.
Sehr selten: Gefäßverschlüsse (Thrombosen, in Leber und Darm), Milchfluss, Brustvergößerung, Bildung von Zysten an den Eierstöcken, Lebertumoren (bösartig).
Andere Pillen haben aber auch schöne Dinge in petto wie: chronische Blasenentzündung, dauernde Schmierblutungen, Akne, Wassereinlagerungen, Haarausfall, Nesselsucht, Nervosität, Ausbleiben der Mens, knotenartige Entzündungen des Unterhautfettgewebes, Schwerhörigkeit, …

Dazu kommen die vielen kleinen Nebenwirkungen, die es gar nicht erst auf die Packungsbeilage schaffen und die man erst hinterher im Kreis von Gleichgesinnten feststellt. Da wird unter anderem vermutet, dass auch Folgendes mit der Einnahme von Hormonen zusammenhängen kann: Schilddrüsenstörungen, dauerhafter Beeinträchtigung der Libido, chronische Pilzinfektionen, Verstärkung von Allergien, zusätzliche Leberbelastung bis hin zu einem erhöhten Verbrauch bestimmter Vitamine und Mineralien.

Eindeutige Nebenwirkungen blieben unerkannt

Ich wurde bei jedem Termin bei der Gynäkologin danach gefragt, ob ich Probleme mit der Pille habe. Ich habe dies stets verneint, denn ich kam nie auf die Idee, die Ursache von manchen meiner Probleme damit zu verknüpfen. Das hatte verschiedene Gründe, zum Beispiel:
Wer kann mit 16 schon sagen, woher die spinnerte oder miese Laune kommt? „Da schießen doch sowie die Hormone noch quer“ dachte ich mir. Die andauernde Melancholie und das „nah am Wasser gebaut sein“ hatte ich schnell als Schicksal und Wesenszug akzeptiert und mich darüber zu identifizieren begonnen.
Mit wiederkehrenden Pilzinfektionen lernte ich, dass ich schmutzig wäre und im Anschluss lernte ich übertriebene Hygiene, was die ganze Sache nur noch verschlimmerte (von problematischen Inhaltsstoffen, denen ich dadurch häufig ausgesetzt war, ganz zu schweigen).
Die Gewichtszunahme käme wohl einfach mit dem Alter.
Die Kopfschmerzen mit Erbrechen und Lärm- und Lichtempfindlichkeit führte man allein auf die Computerarbeit und Verspannungen zurück. Dass diese immer mit der Hormon-Entzugsblutung oder einer vergessenen Einnahme zusammenhing, das hatte jahrelang niemand erkannt, bis mein letzter Partner das mal bemerkte.
Lust am Sex? Kannte ich schlicht nicht, denn mein Körper war zu jung gewesen, als das ich das hätte kennenlernen dürfen – vor dem ersten Sex wurde ich ja schon vorsorglich mit Hormonen vollgestopft. Immer diese Aufregung um Sex, das hatte ich also nie verstanden. Das Aufregende am Sex war für mich folglich immer nur die besondere Intimität gewesen.

Selbst offensichtliche Nebenwirkungen werden laut Erzählungen anderer Frauen schnell vom Tisch gewischt, sucht man als Betroffene das Gespräch mit dem/der Gyn. „Geringe Libido? Wie lange sind sie denn schon mit ihrem Partner zusammen? Ach, was erwarten Sie denn.“ „Pilzinfektionen… kann man sich ja überall holen.“ „Trockene Schleimhaut und Schmerzen beim Sex? Gibt sich Ihr Partner genug Mühe? Nehmen Sie Gleitgel und experimentieren Sie mehr im Liebesleben“. Pillen-gemachte Probleme werden so ins Private und die Partnerschaft verlagert und bei der Ursachenforschung werden die künstlichen Hormone nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Dass der Leidensweg vieler Frauen auf diese Weise unnötig verlängert und die eigene Intuition zudem oft untergraben wird, empfinde ich als skandalös.
Ein Diplomabbruch mit Nervenzusammenbruch und anschließender Therapie säte ernsthafte Zweifel an meiner Lebensführung. Ich begann auch nach erfolgreichem Abschluss und beendeter Therapie immer wieder nach dem Thema Depression zu recherchieren. Bis ich dann auf die Pille stieß und auf Berichte von Betroffenen – ein fehlendes Puzzelteil war gefunden.

Nach dem Absetzen lernte ich mich neu kennen
Ich erlebe meinen Körper nun anders als zu Pillenzeiten: Ich freue mich über ihn. Meine Brüste kommen mir nicht mehr klein vor, obwohl sie sicher nicht größer, sondern eher weicher geworden sind. Ich habe ohne Zutun 10 kg abgenommen. Ich finde meine Mens nun weder nervig noch eklig (zu meinem Glück habe ich nur schwache Schmerzen). Meine Haare und Nägel sind gesünder. Mein Heuschnupfen ist fast ganz verschwunden. Meine Kopfschmerzen sind einfach weg.
Meine Depression war natürlich nicht nur in der Pille begründet, aber sie hat vermutlich dazu beigetragen. Ich kannte zum Beispiel nicht die als unbeschwerter erlebten Tage der Zyklusphase vor der Ovulation, in denen ich voller Elan und Zuversicht bin und sich alle Arbeit gefühlt von alleine wuppt. Diese Phase gibt mir oft viel Kraft und ist ein Ausgleich zu PMS (das ich nun zeitlich besser abschätzen und einordnen kann).

Ich bin wacher in meinen Empfindungen.
Viele berichten von einem Gefühl wie unter einer Käseglocke unter Einfluss der Pille oder eine „Scheiß-Egal-Haltung“, wie es manche Frauen in der Rückschau nennen. Ich erkenne nun besser, was mir entspricht und stehe dafür ein. Damals bedeutete das die Trennung von meinem Freund und ich begann, mich mehr und mehr auf eine bewusste, gesunde, natürliche Lebensweise auszurichten.

Die größte Umstellung ist aber wahrhaftig: Ich erlebe meinen Zyklus …
… in all seinen Facetten, von denen es einige neue zu entdecken gab. Zum Glück hatte ich ein tolles Forum, in dem ich mich über die Begleiterscheinungen der Umstellung mitteilen konnte und lesen, dass ich damit nicht alleine war.
Ich erlebte fast so etwas wie eine zweite Pubertät: Was ist denn da los? Den Männern hinterhergucken, Sex wollen, mehr Sex als der Mann wollen (hä? ich dachte, das wär genau andersrum! Zu Hülf!) Die potentiellen Verwicklungen kann man sich vielleicht vorstellen. Und auch: ohne Sex auskommen müssen; dass Lust so viel Frustpotenzial birgt … Puh!
Und es gab auch Erkenntnisse wie, dass am anderen Ende des Zyklus dieser Weltschmerz, Überempfindlichkeit, Aggressionen leider viel zu oft an meinem Partner abgeblitzt sind. Oder dass auch er in der Zeit der Umstellung zeitweise überfordert war.
Ich weiß nicht, ob alle Veränderungen mit der Pille zusammenhängen … sicherlich hängt auch einiges mit meinem Alter zusammen und der verstärkten Auseinandersetzung mit mir selbst (liebevoll begleitet durch Petra Sood in ihren Seminaren).
Doch die Abkehr von der Pille war für mich eine Umkehr und ein erster Schritt zu mir selbst und einem erfüllterem, aktiverem Leben.
Seither kam ich nicht einmal in Versuchung, wieder Hormone zu nehmen. Ich genieße mein neues Lebensgefühl.

Empört über die mangelnde Aufklärung
Ich hatte dann auch eine Phase mit viel Wut auf unbedachte Ärzte, profitorientierte Hersteller, falsch verstandene Fürsorge von Müttern und darüber, dass die Zusammenhänge so langsam ans Licht kommen oder absichtlich einseitige Informationen verbreitet werden. Immer noch gibt es Menschen, die den weiblichen Zyklus als unnötig und folglich unerwünscht propagieren oder anderweitig Angst vor dem Körper und seinen Vorgängen schüren.
Ich dagegen erlebe den Zyklus als eine inspirierende Kraft und eine Möglichkeit mit mir in Kontakt zu treten. Und ich bin froh, wenn ich meine Geschichte darüber teilen kann, in der Hoffnung, dass wir gemeinsam zu einem neuen Bewusstsein, einer angemessenen Kultur zu diesem wundervollen Vorgang finden. Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung, die die Erfahrungen von Anwenderinnen ernst nimmt, und dass sich Menschen auf einer fundierten Grundlage für oder gegen künstliche Hormone entscheiden können.


Mein Weg zur natürlichen Verhütung

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Und schon kommt der dritte Teil der Reihe Pillenfrei!
Seit ich 14 war, saugte ich alle Informationen auf, die es zu Verhütungsmitteln gab. Nicht weil ich dafür Bedarf hatte, sondern weil mich das Thema faszinierte. Die Materialien, die ich las, bekam ich über die Schule und waren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und es war das Unterrichtsmaterial aus dem Biologieunterricht. Aber egal was ich las, eine Anmerkung meiner Mutter, die ich als Kind gehört hatte, begleitete mich dabei.

Ich hatte damals bei einem Besuch einer befreundeten Familie gefragt, was „das“ wäre. „Das“ war ein Pillenblister und meine Mutter erklärte, wofür man die Tabletten nahm. Auf meine Frage, ob sie das auch nähme, sagte sie, dass sie starke Nebenwirkungen davon hatte und sie deswegen nicht mehr nahm.
Jahre später würde ich Tabellen mit aufgelisteten Verhütungsmitteln lesen und ernst zu der Spalte mit den Nebenwirkungen gucken. Die hatte eine ganze Reihe von Sachen, die ich nicht wollte. Damals hatte ich noch keinen Namen dafür, aber ich hatte und habe eine hypochondrische Ader in mir und mir wurde schon beim Durchlesen der Nebenwirkungen anders. Wie wäre es erst, wenn ich damit verhüten würde? Dazu kam, dass ich wusste, dass ich eine chronisch schlecht organisierte und hoch vergessliche Person war. (Diesmal nur war, denn es ist zum Glück etwas besser geworden über die Jahre!) Ich traute mir nicht zu, jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit die Pille zu nehmen.

Ich tröstete mich damit, dass am Anfang ja sowieso Kondome wichtig wären und verschob Gedanken an die Pille auf einen anderen Tag. Es half, dass in meiner Freundinnengruppe fast keine die Pille nahm. Es war auf eine Weise auch einfach nicht Thema und weil ich nur einmal wegen konkreter Beschwerden zu einer Frauenärztin ging, gab es auch niemanden, der/die mir die Pille empfehlen konnte.

Der Weg zu „meiner“ Verhütungsmethode zeigte sich am Ende über Umwege. Denn in meiner Suche zu Informationen zum Mooncup stolperte ich mit 18 über das Nfp-Forum. Aber ich war ja nur da, um über Menstässchen zu lesen, NIEMALS würde ich mit so einer unsicheren (sic!) Methode wie Temperaturmessen und Körperbeobachtung verhüten! Da war ich mir so sicher. Und doch … las und las ich und saugte alle Informationen auf, die ich finden konnte. Endlich mehr über die Zusammenhänge erfahren und verstehen, endlich Wissen verknüpfen!
Irgendwann war ich so neugierig, dass ich beschloss, meinen Zyklus einfach so zu beobachten. Denn schon eine ganze Weile ging mir auf die Nerven, dass ich regelmäßig wieder Angst hatte, schwanger zu sein. Ich verhütete immer sorgfältig mit Kondomen und doch begleitete mich ein Gefühl von Unsicherheit. Im Nachhinein denke ich, dass das auch damit zu tun hatte, dass Kondome eher als Verhütung für Krankheiten angesehen werden und selten als ernsthafte Verhütung.
Jedenfalls erhoffte ich mir von der Beobachtung (unter anderem) ein paar Tage weniger Sorgen darum. Das sagte ich mir, aber eigentlich war ich schon unaufhaltsam auf dem Weg zur überzeugten Nfplerin.

Als meine Mutter die Tabelle und das Thermometer fand, war sie tief entsetzt und sagte, dass sie damit schwanger geworden wäre. Doch diesmal hinterließ ihre Anmerkung nicht den gleichen Eindruck wie damals, als es um die Pille ging. Denn eines war mir durch die vielen Gespräche im Forum und dem Studieren von dem Buch zur Methode schon klar geworden: Mit Nfp halte ich die Sicherheit selbst in der Hand.

Kurze Zeit später machte mein damaliger Freund eine kleine Bemerkung zu Kondomen. Und obwohl ich mir sicher bin, dass er weiter ausschließlich Kondome benutzt hätte, wenn das mein Wunsch gewesen wäre … wusste ich, das ich in dem Moment unfruchtbar war und dass das Kondom nicht nötig war. Im Forum hatte ich ein paar Tage vorher mit mehreren erfahrenen Anwenderinnen die Auswertung durchgesprochen und sie hatten bestätigt, dass mein Eisprung sicher vorbei war.
An dem Tag hatte ich das erste Mal Sex ohne Kondom. Und danach hatte ich schreckliche Angst, dass ich mich getäuscht hatte. Dass die Methode doch nicht so sicher war, wie gedacht und … ich fand im Forum wieder Unterstützung. Noch in der Nacht schrieb ich eine persönliche Nachricht an eine Nutzerin, die sich die Kurve noch einmal anschaute und die Auswertung bestätigte und mich beruhigte.
Ich gebe zu, so richtig geglaubt habe ich es trotzdem erst, als meine Mens einige Tage später einsetzte.

Gleichzeitig war diese Erfahrung unglaublich prägend für mich. Über die nächste Zeit ließ ich immer öfter das Kondom an den richtigen Zeiten im Zyklus weg und gleichzeitig ließ endlich meine tiefe Angst vor einer plötzlichen Schwangerschaft nach. Ich fieberte nicht mehr auf jede Menstruation hin und ich hatte beim Sex nicht mehr das Bedürfnis ständig meine Hände zu waschen und meinen Freund zum Händewaschen zu schicken. (Falls sich an den Händen ein verirrtes Spermium befand und das dann irgendwie den Weg in mich finden würde.)

Das Wissen, das ich durch Nfp erwarb, spielte dabei eine sehr große Rolle: 

  • ​Das Ei in mir ist nur 13 Stunden befruchtbar.
  • Spermien überleben nur unter guten Bedingungen und dann höchstens 5 Tage.
  • Es braucht Millionen von Spermien um die Hülle um dem Ei zu knacken, nicht ein einzelnes verwirrtes Spermium, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

Schwangerschaft wurde so zu etwas, bei dem es eigentlich ein Wunder ist, wenn es klappt. Nicht zu etwas, das jeden Moment wie aus dem Nichts einfach so geschehen kann wie ein Schnupfen.
Für mich gab es nie einen Grund die Pille zu nehmen, ich war zufrieden, wie es war. Mich erwischte höchstens mal meine Neugier, dass ich zu gerne wüsste, wie das mit der Pille wäre. Die Angst vor Nebenwirkungen ist aber nicht kleiner geworden und so ist es bis heute so, dass ich noch nie hormonell verhütet habe und es mir auch nicht vorstellen kann. Nur wenn es einen medizinischen über die Verhütung hinausgehenden Grund gäbe, würde ich eine der etablierten Pillen nehmen.

Ich bin froh, so früh eine Alternative gefunden zu haben, denn ich weiß nicht, ob ich weiterhin durchgehend nur mit Kondomen verhütet hätte.
Mit Nfp brauche ich nur ca. die Hälfte des Zyklus Kondome und ich mir auch ein Diaphragma anpassen lassen. So habe ich eigentlich eine ganze Sammlung von Verhütungsmethoden aus denen ich die jeweils passende auswähle.

Der Moment, in dem ich das Nfp-Forum entdeckte, ist für mich im Nachhinein zu einem der wichtigsten meines Lebens geworden. Denn dort fand ich nicht nur meine Verhütungsmethode, sondern entdeckte noch für so viele andere Bereiche wertvolle Informationen auch aus dem gesundheitlichen Bereich. Und ich entdeckte Menschen, die heute in meinem Leben wichtig sind. Petra und Mela waren auch in dem Forum und wir haben uns dort gelesen, bevor wir das erste Mal Kontakt hatten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Und was für eine tolle!


Zyklusbeobachtung deluxe – jetzt geht’s ans Verhüten!

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Jetzt gab es hier einige Texte, wo das mit der Zyklusbeobachtung erwähnt und erklärt wurde. Manche Kommentatorinnen haben dabei auch geschrieben, dass sie damit verhüten. Aber mal ehrlich – mit Zyklusbeobachtung sicher verhüten, wie soll das gehen?
Mit einer Methode namens Sensiplan!

NFP steht erstmal für Natürliche Familienplanung und ist ein umfassender und dadurch ungenauer Überbegriff zu verschiedenen Methoden der Zyklusbeobachtung. Um leichter von anderen Methoden unterscheidbar zu sein, suchten die deutschen Vertreter:innen der Methode nach einer eindeutigen Bezeichnung. So kam es zu dem Namen Sensiplan.

Es gibt auch andere Methoden der Zyklusbeobachtung, mit denen man sicher verhüten kann, aber deren Regeln kenne ich nicht so gut wie die von Sensiplan. Denn die Methode wende ich an, seit ich 18 bin. 
Weil mich die so überzeugt hat, habe ich damals ziemlich schnell eine Ausbildung als Beraterin gemacht. In der Ausbildung habe ich gelernt, wie ich anderen Frauen und auch Paaren die Methode beibringen kann.

Aber eigentlich habe ich das (in etwas anderer Form) auch schon vorher gemacht, nämlich im Nfp-Forum. Und noch eigentlicher habe ich da auch eine Ausbildung bekommen. Denn weil diese Art von Verhütung so einen schlechten Ruf hat, geben sich in dem Forum alle besonders viel Mühe, die Methode so richtig und genau wie möglich anzuwenden. Das heißt, alle gucken besonders gründlich und kritisch auf die Zykluskurven der verschiedenen NFPlerinnen. So nennen wir uns, auch wenn wir da fast alle Sensiplan betreiben.

Vorurteile zu NFP

In den 12 Jahren der Anwendung und Vermittlung der Methode bin ich mit vielen Menschen ins Gespräch über die Methode gekommen. Dabei kam es immer wieder zu den gleichen Reaktionen. Vielleicht hattest du beim Lesen der Einleitung auch ähnliche Gedanken und genau deswegen stehen sie hier, noch bevor es um die Methode an sich geht.

Das ist unsicher!

  • Wer den Zyklus mit den Regeln von Sensiplan auswertet, nutzt eine sichere Verhütungsmethode mit einem Pearl Index von 0,4.
  • Das heißt, wenn 100 Frauen die Methode ein Jahr lang richtig anwenden, dann werden 0,4 schwanger.
  • Wenn in der fruchtbaren Zeit Kondome eingesetzt werden, ist die Sicherheit 0,6.
  • Die hohe Sicherheit entsteht durch die Kombination von zwei verschiedenen Körperzeichen.
  • Das alles ist durch unabhängige wissenschaftliche Studien der Universitäten Heidelberg und Düsseldorf abgesichert. 
  • Alle Methoden mit einem Pearl Index unter 1 werden als sehr sicher eingestuft. Damit ist Sensiplan so sicher wie die Pille.

Das ist umständlich!

  • Die Handlungen zur Methode selbst sind einfach: Morgens die Temperatur messen und abends die anderen Körperzeichen eintragen!
  • Die Methode erfordert eher ein Umdenken. Zum Beispiel, dass man in der fruchtbaren Zeit Kondome oder ein Diaphragma benutzt. 

Man muss diszipliniert sein!

  • Viele Menschen denken, dass sie mit NFP jeden Tag die Temperatur um 6 Uhr morgens messen müssen – das stimmt aber nicht. 
  • Die Methode passt sich an deinen Lebensstil an und wenn du mal am Wochenende nicht misst, oder ausschlafen willst, ist das gar kein Problem.
  • Auch wenn du mal vergisst, zu messen, hat das keine Auswirkungen auf die Sicherheit. 

Das geht nur mit super regelmäßigem Zyklus!

  • Die Regeln lassen sich mit ganz verschiedenen Zyklen anwenden, egal ob diese kurz oder lang sind. 
  • Auch für Stillphasen oder die Zeit der Wechseljahre gibt es angepasste Regeln.
  • Da sie alle individuellen Situationen berücksichtigen, kann man mit unregelmäßigen Zyklen mit Sensiplan verhüten – auch in der Pubertät oder bei hormonell bedingten Störungen wie Schilddrüsenerkrankungen oder PCO(S).
  • Mit sehr langen Zyklen ist einfach die Zeit, in der Barrieremethoden zur Verhütung oder alternative Praktiken genutzt werden, länger. 

Das geht nur, wenn man ein geregeltes Leben führt!​

  • Die Studien belegen, dass die Kurven auch bei Schichtdienst und in ganz verschiedenen Lebenslagen ausgewertet werden können.
  • Der Umgang mit unterschiedliche Messzeiten und ein unregelmäßiger Tagesablauf sind mit den Regeln abgedeckt.
  • Unter den Anwenderinnen finden sich viele Studentinnen, Mütter und Frauen, die in Schichtdienst arbeiten.

Was ist also dran am schlechten Ruf von NFP?

Wie festgestellt wurde, nichts! Manche der Vorurteile beziehen sich auf die eingangs genannten anderen Methoden der Zyklusbeobachtung, die teilweise mit unsichereren Regeln arbeiten. Wer Sensiplan nutzt kann aber darauf vertrauen: Diese Methode ist … 

  • sicher,
  • einfach,
  • nur mit geringem Aufwand verbunden,
  • auch bei unregelmäßigen Zyklen anwendbar
  • und passt sich an die Lebensumstände an.

Aber das klingt alles viel zu gut, um wahr zu sein!
Wie funktioniert die Methode?

Man nennt diese Methode auch STM – symptothermale Methode. Denn beobachtet werden zwei Dinge: ein Körpersymptom (sympto) und die Temperatur (thermal).

Die Basis der Methode sind die Interpretation von biologischen Gegebenheiten des Zyklus. Das haben wir hier schon beschrieben. Das Wissen aus dem Blogeintrag zur einfachen Zyklusbeobachtung brauchst du, um die nächsten Erklärungen zu verstehen. Also nimm dir noch einen Keks aus der Packung und lies dir das mit dem Zyklus ganz in Ruhe durch.

Der Kern der Methode liegt in der Beobachtung von zwei Körperzeichen, die Ableitungen über deine hormonelle Situation erlauben. Das ist einmal die Körpertemperatur, die den Stand des Progesterons anzeigt und der Zervixschleim, der den Stand des Östrogens anzeigt.
Diese zwei Körperzeichen zeigen an, wann der Eisprung sicher vorbei ist – ab dann kannst du nicht mehr schwanger werden. Jetzt fängt die Zeit an, in der du nicht mehr zusätzlich verhüten (oder auf andere Praktiken ausweichen) musst. Mit Beachtung der Regeln kannst du auch am Anfang des Zyklus einige freie Tage haben. Die meisten Frauen kommen so auf etwa 50% Zeit im Zyklus, in der sie nicht zusätzlich verhüten. Im Forum sagt man salop dazu: „Da haben wir frei!“

Für die Anwendung als Verhütungsmethode braucht man natürlich noch eine Vertiefung des Wissens, das du gerade gelesen hast und vor allem solltest du dich mit den Regeln auseinander setzen, wie dann die Beobachtungen ausgewertet werden.
Das liest du aber am besten in dem Buch Natürlich und Sicher nach – einfach weil man das in so einem kurzen Blogbeitrag gar nicht so ausführlich darstellen kann, wie die das in dem Buch gemacht haben!

Fahrplan für den Start

NFP braucht eine Lernphase und die sollte auch ernst genommen werden. Am erfolgreichsten und einfachsten ist diese Phase, wenn du dir ein bisschen Hilfe und Unterstützung suchst. Das geht durch eine Beraterin, die dich einzeln oder in einer Gruppe anleitet, oder es geht im Internet z.B. im NFP-Forum. Man kann die Methode auch alleine lernen, dann ist es gut zur Einübung der Auswertung auch noch das Arbeitsheft dazu kaufen.
Aber es tut oft dem eigenen Sicherheitsgefühl gut, wenn die ersten drei Zyklen mit jemand anderem angeschaut, besprochen und deine Auswertungen bestätigt werden.

Was es zu tun gibt​

  • Natürlich und Sicher kaufen und lesen
  • Optional: Im Forum anmelden, einen Kurs buchen oder das Arbeitsheft kaufen
  • Thermometer mit zwei Nachkommastellen (digital) oder gespreizter Skala (analog) kaufen
  • Zyklusblatt ausdrucken, oder entscheiden wo/wie die Daten notiert werden
  • Das Thermometer einen Wecker (oder Handy) neben dein Bett oder unter dein Kopfkissen legen
  • Je nachdem auch Zyklusblatt/Stift oder dein Handy bereit legen.


Dann fängst du an einem Morgen einfach an!

Gemessen wird nach dem Aufwachen und vor dem Aufstehen – das alles steht in Natürlich und Sicher und wird dort auch sehr gut erklärt.
Tagsüber beobachtest du deinen Schleim und abends trägst du deine Beobachtungen in das von dir gewählte Medium ein. Achtung: die Sensiplan-Regeln zum Schleim sind ein bisschen anders, als die vereinfachten Regeln, die wir im Beitrag Zyklusbeobachtung erklärt haben.

Und ein paar Wochen später ist es dann soweit – du kannst deine erste Kurve auswerten! 🙂

Gibt es Nachteile oder Nebenwirkungen von Sensiplan?

Wenn ich zu diesem Punkt in meinen Beratungen komme, dann sage ich meistens, dass ein rauchender Kopf am Anfang dazu gehört. Und obwohl ich das lustig meine, ist schon etwas dran. Am Anfang kommt es einem doch ziemlich viel vor, worauf man auf einmal achten soll. Aber bei den meisten wird das dadurch ausgeglichen, dass sie es auch echt spannend finden, welche Beobachtungen und Entdeckungen es zu machen gibt und wie viel man über den weiblichen Zyklus lernen kann – direkt am eigenen Körper! Und nach den ersten drei Zyklen ist oft schon so viel Routine drin, dass man gar nicht mehr aktiv über all diese Sachen nachdenkt.

Was auch oft bei NFP-lerinnen beobachtet wird:
Eine andere „Nebenwirkung“ kann das übergenaues Beobachten des eigenen Körpers und eine damit einhergehende plötzliche Faszination mit allen Schleimdrüsen sein. Auf einmal wird der Schleim genauer unter die Lupe genommen, als du es dir je vorstellen konntest.
Eine andere Begleiterscheinung kann ein gesteigertes Mitteilungsbedürfnis über die Veränderung aller Körperzeichen sein, inklusive des bereits erwähnten Schleims.
Auch plötzliche Missionierungsanwandlungen, wenn Freundinnen über Pillennebenwirkungen erzählen, sind ein häufiges Phänomen, wenn man die Vorzüge von Sensiplan für sich entdeckt.

Vorzüge und Vorteile von NFP

Viele Frauen bemerken, dass sie sich viel verbundener mit ihrem Körper und ihrer Weiblichkeit fühlen. Manche haben nach Jahren wieder Lust auf und Spaß am Sex. Sie spüren den Wunsch, sich und ihrem Körper noch mehr Gutes zu tun und forschen, was es noch für Möglichkeiten gibt.
Für viele NFPlerinnen ist der Start in diese Verhütungsmethode damit auch der Start in eine Zeit, in der sie sich bewusster mit sich beschäftigen und liebevoller zu ihrem Körper werden. Man kann sagen, NFP ist mehr als eine Verhütungsmethode – es ist eine Möglichkeit, sich über die Fruchtbarkeit hinaus neu zu entdecken.


Zyklusberatung mit Nina Hanefeld
Man kann auch direkt bei Nina Hanefeld einen Termin für eine Zyklusberatung buchen.
Entweder über den Kulmine-Shop oder ihre eigene Website. Sie berät nicht nur zu NFP, sondern auch allen anderen Verhütungsmethoden, bei unspezifischen Beschwerden der Vulvina, Alternativen zu Tampons und Wegwerfbinden und allgemein zu Menstruation und Zykluswissen.

Downloads
Schnellkurs Sensiplan – die Basis-Regeln in Kurzfassung. Falls der Link nicht mehr funktioniert, freuen wir uns über eine Nachricht! Bitte beachte, dass der Schnellkurs zwar einen guten Überblich gibt, aber kein Ersatz für eine gründliche Auseinandersetzung ist.
Zyklusblatt – die Tabelle zum beidseitigen Ausdruck hat einen etwas anderen Aufbau als das klassische Blatt. Nina und Mela haben leicht umstrukturiert, mehr Platz zum Eintragen geschaffen, eine kleine Rundungshilfe eingebaut und es gibt viel Platz für Notizen auf der Rückseite. Auf einer zusätzlichen Seite sind die ausfühliche Rundungstabelle und alle Sonderregeln in der Überscht aufgeführt.