Es ist nicht egal, wie wir gebären!

Als Nina mich fragte, ob ich über meine Geburt schreiben würde, die ich als selbstbestimmt erlebt habe, dachte ich: Na klar schreibe ich über die Geburt. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam die Erkenntnis: Die Geburt war selbstbestimmt, aber es gab auch einen Weg dorthin, der mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger war. 

Schon 2010 hatte ich über die immer kritischer werdende Situation der Hebammen gelesen und wusste – sechs Jahre später – dass ich schnell sein musste, sollte ich schwanger werden.
Ich hatte viele Geburtsberichte gelesen, davon sehr viele positive über außerklinische Geburten mit 1 zu 1 Betreuung und eine aufsuchende Wochenbett-Betreuung. Da war also das diffuse Wissen, dass Hebammen wichtig für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettbetreuung waren, aber wie bedeutsam sie für mein persönliches Erleben derjenigen sein würden, ahnte ich noch nicht im Geringsten.

Als digital native bin ich mit dem Internet aufgewachsen und ohne es wäre ich nicht in der Lage gewesen, mir die Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Geburt zu schaffen. Deshalb möchte ich meine Erfahrung mit Interessierten teilen, auch wenn der Text so viel länger geworden ist, als ursprünglich geplant. 🙂


Schwangerschaft und Vorsorge

Mit Sensiplan (eine spezielle Form der Zyklusbeobachtung) konnte ich den Eisprung sicher auswerten und als ich den 15. Tag der 2. Zyklusphase erreichte, wusste ich schon, dass ich schwanger war. Erstens war meine Gelbkörperphase in 10 Jahren nie länger als 14 Tage gewesen und zweitens waren meine ersten Schwangerschaftssymptome gute Laune und Zuversicht. Etwas das mir als nebenberufliche Bedenkenträgerin völlig neu war.
In mir war eine tiefe Sicherheit, dass diese Schwangerschaft halten und ich am Ende ein gesundes Wunschkind in den Armen halten würde. Zum ersten Mal lernte ich also meine Intuition kennen.

Der Schwangerschaftstest fiel positiv aus und ich rief sofort im Geburtshaus an. Ich sollte zum Informationsabend kommen und konnte mich zwei Wochen später für die Schwangerschaftsvorsorge und Geburt dort anmelden. Und ja ich gebe zu: meinen Partner und Vater des Kindes habe ich erst am Abend des positiven Tests informiert. Zu groß war die Furcht, schon in Schwangerschaftswoche (SSW) 4+1 zu spät für die Hebammensuche zu sein.
Beim Informationsabend stellte sich dann tatsächlich heraus, dass einige Schwangere auf die Warteliste kommen würden oder zu spät dran waren.

Bei meiner Frauenärztin stellte ich mich in der 8. SSW vor und sagte absichtlich ein korrigiertes Datum für die letzte Regel, da der Eisprung fünf Tage später statt gefunden hatte und nicht wie im Lehrbuch an Zyklustag 14. Schon meine Mutter hatte dies bei ihrer zweiten Schwangerschaft so gehandhabt, da ich als erstes Kind 11 Tage „zu spät“ auf die Welt kam – einfach weil unsere Zyklen länger als der Durchschnitt sind. Im Ultraschall konnte man sehen, dass sich die Fruchthöhle in der Gebärmutter und nicht im Eileiter befand. Ich informierte meine Frauenärztin fast schon entschuldigend, dass ich die Vorsorge abwechselnd mit den Hebammen durchführe und sollte nichts dagegen sprechen, eine außerklinische Geburt plane.
Sie kommentierte dies nicht, aber ich konnte schon an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, was sie darüber wohl denken mochte.

Es werden ja nun allerhand Tests gemacht und ebenso als IgEL (individuelle Gesundheitsleistung, privat zu zahlen) angeboten. „Zur Sicherheit“ ließ ich Toxoplasmose, Ringel-Röteln und CMV (Cytomegalie-Virus) bestimmen – letzteres da man sich nur durch vorbeugende Hygiene-Maßnahmen schützen kann und eine Infektion in der Frühschwangerschaft schwere Behinderungen des Kindes nach sich ziehen kann. Zudem ist eine Antikörper-Therapie ein off-lable Einsatz – die Medikamente kosten mehrere Tausend Euro und man ist auf eine freiwillige Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse angewiesen.
Nun stellte sich heraus, dass meine von mir vermutete Mononukleose zwei Monate vor der Schwangerschaft tatsächlich eine CMV Infektion gewesen war. Zumindest deuteten die Antikörper auf eine Infektion mindestens acht Wochen vor der Empfängnis darauf hin.

Auf einmal war ich eine Risikoschwangere und wurde zu zusätzlichen Ultraschalls an eine DEGUM 2 Gynäkologin überwiesen. Diese datierte den Entbindungstermin in SSW 13 auf Grund der Größe des Fetus fünf Tage vor – obwohl ab der 11. SSW die Größenbestimmung per Ultraschall sehr unsicher ist und laut Leitlinien auch nicht empfohlen wird. Meine Gynäkologin übernahm diesen ET und ließ sich nicht auf Diskussionen ein. Wie eine Eireifung noch während der Menstruation zu einem Eisprung an Zyklustag neun führen soll, bleibt mir bis heute ein Rätsel.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir allmählich klar, dass man einer Schwangeren jegliches Verfügungsrecht über ihren Körper abspricht und sie quasi entmündigt, indem ihr Angst gemacht wird: „Wir wollen doch nicht, dass Ihrem Kind etwas passiert!“ Da ging ich nun nach dem Termin aus der Praxis, fast 30 Jahre alt, mit abgeschlossenem naturwissenschaftlichen Studium und Note 1 vor dem Komma und fühlte mich bevormundet wie ein Kind. Der Irrsinn ging weiter: in der 34. SSW wurde beim DEGUM 2 Schall das Gewicht unter der 3. Perzentile gemessen – kein Wunder, denn das Kind war aus ärztlicher Sicht älter. Die Diagnose: small for gestational age (Wachstumsretardierung).
Zu diesem Zeitpunkt erlebte ich meine Arbeitssituation zunehmend als sehr belastend, insbesondere, dass ich viel Stehen und Gehen musste.

Anstatt meinen mütterlichen Organismus von diesem vielen Stehen/Gehen und dem Lärm und Stress zu entlasten und mich aus einer Arbeitssituation zu nehmen, in der die Mutterschutzrichtlinien nur minimal umgesetzt wurden, schürten die Ärzte latente Sorgen. Anstatt die Ursache des leichten Kindes in der Minderdurchblutung der Gebärmutter unter Adrenalin-Dauerbeschuss zu suchen (der Körper reduziert unter Stress die Durchblutung weniger überlebenswichtiger Organe wie Niere und Gebärmutter), versteiften sich die Ärzte auf eine mögliche Krankheit des Kindes. In der Anmeldung zur Geburt in meinem Wunschkrankenhaus, falls das Geburtshaus keine Option mehr sein würde, ging es keineswegs um meine Wünsche im Geburtsplan, sondern nur darum, dass eine außerklinische Geburt nicht empfohlen wird.
Bei der gynäkologischen Pflichtuntersuchung für außerklinische Geburten an Entbindungstermin plus ein, zwei oder drei Tage waren Fruchtwassermenge und Plazentaverkalkung normgerecht, alle Parameter unauffällig, nur das CTG gefiel meiner Frauenärztin nicht: die Frequenz war bei 170 Schlägen pro Minute. Das CTG wurde nach einer Stunde wiederholt und war auf 120 Schläge pro Minute gesunken. Das war ihr nun wiederum zu niedrig und sie wollte mich am gleichen Abend in die Klinik schicken.

Zu dem Zeitpunkt war ich mental aber schon soweit und dachte mir: „Ihr könnt mir alle mal die Füße kraulen!“ Im Wartezimmer lief ein enorm lauter Lüfter, weil es ein sehr schwüler Tag war – kein Wunder dass mein Baby dadurch Stress bekam, weil es ihm eine Dreiviertelstunde zuhören musste. Mein Baby bewegte sich, seit ich die Kindsbewegungen spüren konnte, derartig viel, dass ich dachte, es käme durch die Bauchdecke geturnt. Eine solche Muskelaktivität kann keine Sauerstoff- oder sonstige Unterversorgung bedeuten.
Ich hatte genug und ging ab dieser Vorsorge nur noch zu meinen Hebammen. Die Ultraschalluntersuchungen hatten keinen Hinweis auf Organschädigungen ergeben, nach meinem Resturlaub und Mutterschutz hatte das Baby in einem Monat mehr als ein Kilogramm an Gewicht wieder aufgeholt und befand sich auf der 33. Gewichtsperzentile. Ich hatte alle Untersuchungen, die mir sinnvoll erschienen, durchgeführt und hatte genug Sicherheit, um mit gutem Gewissen eine außerklinische Geburt zu beginnen. Alle Parameter wie Blutdruck, Urin, Gewicht und Blutzucker waren absolut unauffällig.
Trotzdem schienen die Ärzte auf Teufel komm raus etwas krankhaftes als Ursache finden zu wollen.

Wie anders fühlte ich mich nach den Hebammenvorsorgen: statt 10 Minuten Gespräch hatte ich mindestens 45 Minuten. Die Räumlichkeiten waren einladend, gemütlich und das Geburtszimmer wie eine warme und vertraute Höhle. Da ich fast keine Beschwerden in der Schwangerschaft hatte, traute ich mich zuerst nicht, diese zu genießen und befürchtete ein „dickes Ende“. Die Hebamme M. ermutigte mich, die Schwangerschaft mehr zu genießen. Bei der Risikoaufklärung konnte die Hebamme P. mir helfen, einen realistischen Blick auf die Risiken unter der Geburt zu bekommen – ich vertraute mehr und mehr meiner Intuition, dass die außerklinische Geburt die bessere Option für mich, mein Baby und meinen Partner war. Mir wurde zu jeder Zeit die Option offen gelassen, doch ins Krankenhaus zu gehen, falls ich das möchte.
Als die Diagnose small for gestational age (Wachstumsretardierung) gestellt wurde, durfte ich vor Hebamme O. meine Gedanken in Ruhe ausformulieren, dass Ultraschall-Untersuchungen durchaus ungenau sein können, ich selbst auch ein sehr leichtes Kind war und dass die Infektion höchstwahrscheinlich ausreichend lange vor der Empfängnis abgeklungen war. In der 37. SSW erfasste mich eine emotionale Krise und ich weinte sehr oft. Ich hatte auf einmal Angst vor der emotionalen Herausforderung, Mutter zu werden und mich selbst noch als Kind meiner Eltern zu fühlen. Hebamme L. sprach mich darauf an und hielt meine Tränen aus.

„Ein Kind braucht am Anfang nur genug zu essen, will es warm und kuscheln.“ Nach jeder Vorsorge war ich gut gelaunt, glücklich, in engem Dialog mit meinem Kind, vertraute meinem Körper und seiner Fähigkeit zu gebären. Ich fühlte mich respektiert, mit meinen Sorgen Ernst genommen, durfte vaginale Untersuchungen ablehnen, damit ich mich nicht selbst unter Druck setzte, ob der Muttermund nun schon verstrichen oder ein Finger einlegbar war. So fiel es mir noch leichter, in Ruhe abzuwarten, dass sich mein Baby von selbst auf den Weg macht.
Im Krankenhaus leitet man ja gerne schon ab ET+7 bzw. ET + 10 ein und bei ET + 14 wäre ich vermutlich sehr hohem Druck ausgesetzt gewesen. Wohl bemerkt ärztlich verursachtem Druck durch Vordatierung!


Die Geburt

11 Tage nach dem korrigierten Entbindungstermin und sech Tage nach dem Entbindungstermin, den ich basierend auf Regeln von Sensiplan erreichnet hatte, ging ich morgens auf Toilette und bemerkte auf dem Weg, dass Flüssigkeit aus mir rann. Ich war sofort hellwach und aufgeregt: Das konnte nur bedeuten, dass die Fruchtblase geplatzt und die Geburt nun definitiv in Gang gesetzt war. Ich fing etwas Flüssigkeit auf und testete den pH Wert, Aussehen sowie den Geruch. Das Stäbchen wurde tiefblau und der Geruch der Flüssigkeit erinnerte mich an Sperma. Dank Google erfuhr ich, dass das normal war.
Nachdem ich geduscht und mir Pelzys in die Unterhose geklemmt hatte, rief ich meine Hebamme M. auf dem Rufbereitschaftstelefon an.
Sie klang sehr müde und ich erfuhr später, dass sie in der Nacht gleich zwei Geburten gehabt hatte. Trotzdem war sie immer noch sehr freundlich, hat sich einfühlsam mit mir gefreut, dass es nun endlich los gehe und wir besprachen, dass ich nicht sofort ins Geburtshaus kommen muss, da ich um 9 Uhr sowieso noch eine geplante Vorsorge haben würde.

Diese war bei Hebamme K. vom anderen Team, die ich bisher noch nicht kennen gelernt hatte, aber bei der ich mich auch sofort wohl fühlte. CTG, Urin und Blutdruck waren unauffällig und der Muttermund verstrichen. Da sich „richtige“ Eröffnungswehen noch nicht blicken ließen, besprachen wir, dass ich um 16 Uhr noch mal anrufen sollte und wir dann besprechen, ob ich eine halbe Dosis Rizinusöl einnehmen soll, um die Wehen in Gang zu bringen.
Auf Grund des vorzeitigen Blasensprungs mussten wir die 24 Stunden Grenze etwas im Auge behalten. Innerhalb dieses Fensters sollte das Kind auf der Welt sein. Ich sollte über den Tag eigenverantwortlich meine Temperatur messen, um eine aufsteigende Infektion rechtzeitig zu erkennen.

Zuhause angekommen, machte ich der Mutter meines Freundes klar, dass ich den Kopf nicht für die Geburt frei haben würde, solange sie noch in unserer Wohnung sei. Sie hatte uns ins Geburtshaus zur Vorsorge gefahren, da mein Freund am vorigen Tag eine kleinere Operation mit Vollnarkose gehabt hatte und noch nicht wieder ein Fahrzeug führen durfte. Der Onkel meines Freundes fuhr ihn noch einmal ins Krankenhaus für die Röntgenkontrolle.
Ich backte derweil einen Geburtstagskuchen und putzte die Küche ein letztes Mal so richtig gründlich. Als mein Freund wieder da war, verabschiedeten wir seine Mutter. Nun hatte ich endlich den Kopf frei und war bereit, die Wehen kommen zu lassen. Ich tigerte durch das Haus, räumte hier und dort noch auf, aß eine große Portion Nudeln und stieg vor allem viele Treppen.
Die Wehen waren nun als schmerzhaftes Ziehen zu spüren und kamen etwa alle 10 – 20 Minuten.

Wie es im Geburtsvorbereitungskurs gezeigt worden war, stützte ich mich auf Tisch oder Tresen um die Körpermitte zu entspannen und atmete in den Bauch in den leichten Schmerz hinein – dann mit geöffnetem Mund wieder aus. Um 16 Uhr telefonierte ich mit K. und wir vereinbarten, dass ich mir um 18 Uhr ein Spiegelei mit Rizinusöl brate. Bis dahin machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Es war ein kühler und bewölkter Augusttag mit ein wenig Nieselregen und ich war froh, dass es nicht hieß und schwül war.
Nach dem Rizinusöl-Spiegelei ließ ich ein warmes Bad ein und wir sahen eine seichte Komödie auf dem Computer, während wir die Wehenabstände stoppten. Sie kamen nun schon alle acht Minuten und forderten meine volle Konzentration beim Veratmen.
Nach einer Stunde wollte ich aus der Wanne heraus – die abführende Wirkung hatte eingesetzt. Wir machten uns mit dem Auto auf den Weg ins Geburtshaus – die Wehen kamen alle sieben Minuten und die letzte Wehe nach 30 Minuten Fahrt im Auto war bereits richtig gemein. Mein Freund suchte einen Parkplatz und ich klingelte an der Tür des Geburtshauses.

Es ist 21:06 Uhr und K. öffnet mir mit L., die gerade als neue Kollegin eingearbeitet wird, die Tür. Sie begrüßen mich strahlend und ich weiß: alles wird gut. Jegliche Nervosität fällt von mir ab. Wir gehen ins Geburtszimmer und ich werde noch einmal eine halbe Stunde ans CTG angeschlossen – es zeigt wieder keine Auffälligkeiten. Ich liege auf dem Bett und die Hebammen knien auf dem Boden. Was mir zuerst merkwürdig erscheint, weicht der Erkenntnis: heute geht es einmal nur um mich, meine Bedürfnisse und mein Geburtserlebnis. Die Stimmung ist gut und wir plaudern etwas.
Die vaginale Untersuchung ergibt, dass der Muttermund erst wenige Zentimeter geöffnet ist und uns wird empfohlen, noch einmal nach Hause zu fahren – interessanterweise weiß ich davon gar nichts mehr. Meinen Freund macht die Aussicht auf die längere Fahrt nach Hause etwas nervös. Ich bleibe wohl einfach sitzen. Dann werden wir gefragt, ob wir noch einmal spazieren gehen möchten und die Hebammen ziehen sich zurück.
Doch bereits im Flur merke ich, dass das nichts wird. Ich habe keine Lust mehr, viel zu sprechen und werde in mich gekehrt. Ich setze mich wieder auf das Bett und die nächste Wehe überrollt mich derart schmerzhaft, dass ich laut töne – es ist ein merkwürdig vertrautes Gefühl. Als ob der Ton meinen Körper in der perfekten Frequenz trifft und ihn in Schwingung versetzt. Vielleicht ein Ton so alt wie die Menschheit selbst. Ab diesem Zeitpunkt verschwimmt meine Wahrnehmung.

Die Hebammen kommen zurück, wahrscheinlich haben sie das Vertönen sofort richtig eingeordnet. Mir wird ein Positionswechsel vorgeschlagen. Ich knie vor dem Bett und lehne den Oberkörper aufs Bett. Ich atme in den Bauch, in den Schmerz hinein und töne mit einem „aaaah“ wieder aus. An meinem Ohr höre ich L., wie sie mir hilft und ich folge ihrem aaaaaaaaoooooooh. Es ist wie ein Leuchtturm zur Orientierung, während ich ein Spielball der Wehen werde. Wie ein kleines Boot auf einem riesigen Ozean. Instinktiv kreise ich mein Becken.
Mir wird schlecht, ich verlange das Nierenschälchen. Die Übelkeit vergeht jedoch, ohne dass ich mich übergeben muss. Ich friere und schwitze gleichzeitig; ziehe Jogginghose und T-Shirt aus. Die Wehen kommen erbarmungslos, kurz verhaspele ich mich in meinem Atmen und die Hebamme weist mich an, wie ich in den Bauch atmen muss damit mein Baby Sauerstoff bekommt. Ich schaue auf das CTG und sehe eine Frequenz von 80 Schlägen pro Minute. K. dreht meinen Kopf sanft zurück. 

Aber ich habe keine Angst. Das Baby hat einen großen Vorrat an sauerstoffreichem Blut in den Lebersinusoiden, da seine Leber noch nicht mit vollen Kapazitäten arbeiten muss. Warum denke ich denn jetzt über so etwas nach? Ich glaube, zwischen den Wehen döse ich weg – nun bin ich froh dass ich ein paar Menstruationen ohne Schmerzmittel ausgehalten habe, denn die Verarbeitung der schmerzhaften Krämpfe durch in den Bauch atmen und bewusstes locker lassen, ähnelt den Wehen in der Übergangsphase sehr.
Die Wehen kommen alle zwei Minuten und mein Körper besteht nur noch aus Schmerzwellen. Ich quetsche die Hand meines Freundes und sehe kurz auf. Er versichert mir wie die Hebammen auch, dass ich es so toll mache. Später wird er mir sagen, dass ich wie auf Drogen gewirkt habe. Ich denke: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr!“. Aber ich sage es nicht laut, aus Angst dass eine Muttermund-Untersuchung nur eine geringe Öffnung bescheinigt. 

L. fragt, ob sie mich vaginal untersuchen darf. Ich willige ein und sie teilt mir freudig mit, dass der Muttermund quasi nicht mehr da ist und ich mit schieben darf, falls ich möchte. Innerhalb von zwei Stunden ist der Muttermund vollständig aufgegangen und ich werde wieder etwas klarer im Kopf. Die Austreibungsphase erweist sich als zäh. Die Qualität der Wehen verändert sich: nun überkommt die Wehe den Körper wie Durchfall oder der Drang zu Erbrechen nur eben als Drang zu pressen. Von der Intensität des Schmerzes sind die Wehen sehr viel besser auszuhalten.
Ich halte mich am Seil fest und gehe im Höhepunkt der Wehe in die Hocke, um den Beckenausgang möglichst weit zu öffnen. Ich schwitze dermaßen, dass mir die „Soße runterläuft“. Immer wieder darf ich etwas trinken oder bekomme ein Stückchen Traubenzucker.
Das Köpfchen füllt das Becken aus: ein wahnsinniges Gefühl. Ich wende bei den Wehen die Bauchpresse zur Unterstützung an und schiebe auch über die Wehe hinaus mit. Ich habe das Gefühl, es geht nicht voran, doch K. feuert mich an, ermutigt mich unermüdlich und verliert nie die Geduld mit mir (während ich heimlich an Kaiserschnitt denke). L. massiert meinen Bauch mit würzig-duftendem Uterusöl. 

K. hält mir Kügelchen hin und ich lache: „Aber ich glaube doch nicht an Globuli!“ Sie lacht auch und sagt: „Ach komm, ist doch egal!“ Und ja, es ist tatsächlich egal. Ich nehme die Globuli und habe es im nächsten Moment schon wieder vergessen. Mittlerweile ist auch J. gekommen, die zweite Hebamme, die zu einer Geburt gerufen wird. Sie hält mir nach jeder Wehe den CTG-Schallkopf an den Bauch, ansonsten bin ich nicht eingeschränkt in meinen Bewegungen. Die Wehen kommen nun seltener. Auch ein Positionswechsel und einige Presswehen veratmen, um Kraft zu schöpfen, helfen nicht.
L. fragt mich, ob sie sanft mitschieben darf. Ich bin einverstanden. Später wird mir klar, dass dies der Kristeller Handgriff war, aber nicht so brutal angewendet, wie in traumatischen Geburtsberichten häufig zu lesen ist, sondern im Sinne des Erfinders: bei Erschöpfung der Gebärenden, bei fehlenden Bauchmuskeln Vielgebärender und ausschließlich mit den Händen. K. rät mir, die Wehen nicht herauszubrüllen, sondern die Energie stumm nach unten zu schicken. Ich darf das Köpfchen tasten: es ist ganz weich und steht am Ausgang. Es fehlt nur noch das letzte Stück. Ich schöpfe neuen Mut. L. umarmt mich von hinten, fixiert sanft den Po des Babies und ich drücke in der Hocke, traue mich über diese Klippe zu springen. Plötzlich merke ich einen heftigen und brennenden Schmerz: das Köpfchen ist halb draußen.

Ich reiße die Augen auf und sehe, wie J. und K. „Kerzen auspusten“. Ich tue es ihnen gleich.
K. sagt mir mitfühlend: „Ich weiß, dass das nun wahnsinnig brennt, aber du musst auf die nächste Wehe warten, sonst schießt das Köpfchen wie ein Sektkorken hinaus.“ Ich nicke und starre sie wie hypnotisiert an. Sie hat ganz blaue und freundlich-blitzende Augen. Die nächste Wehe kommt und das Köpfchen ist draußen. Das Baby maunzt und mein Freund berichtet mir später, dass er etwas geweint habe. Der Körper folgt noch in dieser Wehe und meine Tochter liegt vor mir. Nach fast drei Stunden Austreibungsphase.
Nie werde ich diesen Anblick vergessen, wie sie nackig, glitschig und empört schreiend vor mir liegt, die Fäuste geballt. Mir entfährt etwas völlig banales: „Ich habe einen Conehead!“ Und immer wieder: „Ich fasse es nicht!“. Schnell hilft man mir, das Bustier auszuziehen und ich darf meine Tochter selbst auf meine Brust heben. Die Nabelschnur ist sehr kurz und ich muss sie daran hindern, hoch zu robben. Wir dürfen uns eine halbe Stunde lang ungestört in unser Kind verlieben, welches ganz hellwach zu mir aufschaut.
Die Nabelschnur pulsiert aus und ich schneide sie durch, trenne unsere Verbindung vorerst. Dann lege ich sie zum ersten Mal an meine Brust an – sie saugt wie ein Profi und sehr gierig.
Leider will die Plazenta einfach nicht kommen und nach zwei Stunden und ziemlichem Blutverlust entscheiden die Hebammen, dass die Plazenta unter ärztlicher Aufsicht kommen muss.

Ich war angespannt, aber hatte keine Angst – alle Maßnahmen und das Risikomanagement waren absolut transparent im Geburtshaus. Mit dem Rettungswagen wurde ich ohne Eile mit meinem Baby in die nahegelegene Klinik gebracht. Die Hebammen kamen mit und standen mir mental bei, bis die Plazenta mit dem Credé Handgriff geboren war. Dann gratulierten sie mir und sagen mir im Grunde richtig mütterlich, wie gut ich das gemacht habe und wie tapfer ich war.
Auch im Krankenhaus habe ich mich respektvoll behandelt gefühlt: die Entscheidung für das Geburtshaus wurde nicht negativ kommentiert, die Hebammenstudierende lenkte mich ab und plauderte mit mir, die leitende Hebamme entschuldigte sich für die unangenehme Prozedur und die Ärztin hielt sich im Hintergrund bis es ans Nähen des Dammrisses 2. Grades ging und sie mir riet, auf Grund des Blutverlustes noch ein paar Tage in der Klinik zu bleiben. Diesen Rat konnte ich somit gut annehmen, auch wenn ich ursprünglich eine ambulante Geburt haben wollte.
Die Vorderwandplazenta war sehr klein und diese Art Plazenten macht wohl häufig Schwierigkeiten bei der Lösung – die Frage bleibt, ob die Plazenta so klein geblieben wäre, wenn meine Arbeitssituation nicht so stressig gewesen wäre.

Im Übrigen ist mein Baby kerngesund mit einem Apgar-Score von 9/10/10 und 3600 g zur Welt gekommen und sowohl Nabelschnurblut als auch Urin waren ohne CMV-Befund.

Das Wochenbett und ein Ausblick

Im Wochenbett wurde ich von einer mütterlich-strengen Hebamme betreut, die darauf achtete, dass ich genug trank und jeden Tag eine warme Mahlzeit von meinem Freund bekam. So intuitiv ich in der Schwangerschaft war, so hilflos war ich mit meiner neugeborenen Tochter.
Die Hebamme half mir über diese Unsicherheit hinweg. Sie diagnostizierte auch meine wahnsinnigen Schmerzen beim Liegen und Gehen als Steißbeinbruch, mindestens jedoch eine Steißbeinprellung. Mit ca. einem Liter Blutverlust, Schwitzattacken und generell dem Gefühl, von einem Laster überfahren worden zu sein, frage ich mich: wie um alles in der Welt kommen Politiker und andere Akteure im Gesundheitswesen auf die Idee, die aufsuchende Wochenbett-Betreuung vor die Hunde gehen zu lassen?
Schon die Autofahrt von 10 Minuten zum Kinderarzt an Lebenstag fünf wegen eines verklebten Auges und der Furcht, es könnte bakteriell bedingt sein, war eine Qual. Insgesamt konnte ich vier Wochen nicht richtig sitzen, sondern musste immer in der Seitenlage schlafen, stillen und essen.

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Es ist nicht egal, wie wir geboren werden und es ist nicht egal, wie wir gebären!
Wie könnte es das sein, wenn ein positives Geburtserlebnis das Potenzial hat, Frauen psychisch derart zu ermächtigen?
Meine Geburt ist vier Monate her und jeden Tag denke ich, wie großartig dieses Erlebnis für mich war, wie dankbar ich diesen großartigen Hebammen – Frauen – bin. Dass ich nun alles schaffen kann. Wie eng die Bindung an meine Tochter ist, wie wir die Geburt gemeistert haben, hat uns über eine sehr schwierige Schreizeit am Anfang geholfen. Von Freunden und Bekannten wurde ich gefragt, wie ich die Geburt ohne Schmerzmittel ausgehalten habe. Meine Antwort ist so simpel wie wahr: „Mit meinen Hebammen habe ich das geschafft!“

Mein Rat: Informiert euch ausreichend. Lest Geburtsberichte, stellt kritische Fragen bei Klinik-Informationsveranstaltungen, lest Bücher, die sich kritisch mit der Geburtsmedizin auseinandersetzen denn die Geburtsmedizin wird auch durch wirtschaftliche Aspekte gelenkt – nicht immer in gute Bahnen. Informiert euch, unter welchen Voraussetzungen Geburten natürlich ablaufen und welcher Geburtsort für eure Situation der beste wäre unter Berücksichtigung von Grunderkrankungen. Lasst die Geburt nicht einfach auf euch zukommen im Glauben „Das wird schon irgendwie!“ Kümmert euch rechtzeitig darum, eine Hebammenversorgung zu bekommen und meldet Missstände, falls ihr keine bekommt. Macht euch klar, dass viele medizinische Untersuchungen mehr Unsicherheit als Sicherheit geben. Und hört immer auf euer Bauchgefühl!

Fordert diese Voraussetzungen bei der Politik ein, auch wenn ihr vielleicht erst in einigen Jahren Kinder möchtet. Engagiert euch bei gemeinnützigen Vereinen wie Motherhood e.V. oder ähnlichen – und wenn es aus Zeitmangel eine Fördermitgliedschaft ist. Familien brauchen Hebammen und Hebammen brauchen eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen für die unverzichtbare Arbeit, die sie leisten.
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Widmung

  • Für meine Tochter, die ich mehr liebe, als ich es mir je hätte vorstellen können.
  • Für meinen Freund und Vater meiner Tochter, der seine Ängste und Bedürfnisse für mich zurück gestellt hat, obwohl in seiner Familie niemand eine außerklinische Geburt hatte.
    Du hast mich in der Schwangerschaft und bei der Geburt bedingungslos unterstützt und alles gesehen, was man Männern im Allgemeinen nicht zutraut.
    Ich liebe dich und unsere kleine Familie!
  • Für meinem Vater, der mich immer in meinem Bauchgefühl bestärkt hat und dass mein Körper weiß was er tut – wenn man ihn lässt und ihm vertraut. Danke für deine kritisch-realistische Sicht auf die Medizin.
  • Und für meine Mutter, die mir jedes Jahr an meinem Geburtstag voller Stolz und Liebe sagt: „Heute vor soundsoviel Jahren habe ich dich raus gedrückt!“

Lese-Tipps
Alfred Rockenschaub: Gebären ohne Aberglauben
Carola Hauck: Die sichere Geburt – wozu Hebammen
Sarah Schmid: Alleingeburt
Quarks & Co.: Projekt Schwangerschaft – alles unter Kontrolle?

Zwei Töchter und zwei verschiedene Geburtsorte

Wir freuen uns auch weiterhin über Einsendungen zu Geburtserfahrungen! Warum wir über Geburten schreiben, kannst du in diesem Beitrag von Petra nachlesen.
Die Verfasserin des folgenden Beitrages hat zwei Töchter geboren, die eine schon vor einigen Jahren, die andere vor ein paar Monaten.
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In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich viele Ängste. Viele davon resultierten aus schlimmen Geburtsgeschichten, die ich bis dato kannte. Es waren einerseits Ängste vor unerträglichen Schmerzen während der Geburt, vor Komplikationen, vor Geburtsstillständen, schlechten Herztönen, sich zu früh lösenden Plazenten usw. Auf der anderen Seite fürchtete ich mich vor gefühllosen GeburtshelferInnen, mir aufgedrängten medizinischen Eingriffen und dem Kontrollverlust in einer Krankenhausroutine.
Ich fühlte mich in einer Zwickmühle: Einerseits „musste“ ich für mein Sicherheitsbedürfnis in ein Krankenhaus gehen, andererseits war es für mich unvorstellbar, dort auf mir völlig unvertraute Menschen zu treffen, ganz zu schweigen von allen Schreckensszenarien des Verlustes meiner Selbstbestimmung, die ich mir ausmalte.


Die Lösung

Meine Lösung lautete: Ich wollte mit einer Beleghebamme gebären, die ich bereits während der Schwangerschaftsvorsorge kennenlernen konnte und die mich dann unter der Geburt begleitete. Außerdem entschied ich mich für ein Krankenhaus, das mit niedriger Interventionsrate bei Geburten warb – auch wenn dies bedeutete, dass ich ans andere Ende der Stadt fahren musste.
Gegen Ende der Schwangerschaft schrieb ich einen ausführlichen Geburtsplan, den ich mit meiner Hebamme besprach. Auch mit meinem Mann sprach ich ausführlich und immer wieder und ich wusste, dass er sich für mich einsetzen würde, falls ich es nicht mehr selbst könnte.
 

Die erste Geburt

Die Geburt begann mit einem Blasensprung zuhause, die ersten Wehen folgten nach wenigen Minuten. Etwa zwei Stunden nach Wehenbeginn trafen wir uns mit meiner Hebamme im Krankenhaus. Nach Untersuchungen, CTG-Schreiben und einer gut auszuhaltenden Zeit im warmen Badewasser folgte eine schnelle, komplikationsfreie Geburt im Kreissaal. Keines meiner Schreckensszenarien war eingetreten und ich erlebte die Geburt als etwas Großes, Inspirierendes und tief Prägendes. Ich war unglaublich glücklich und auch sofort sicher, dass ich dieses Wunder noch einmal erleben möchte.

Und dennoch gab es Dinge in diesem erlebten Klinikalltag, die ich nicht gut fand, die mich im Geburtslauf irritierten oder die ich der Tatsache, dass ich gerade unter einer riesigen Anstrengung und mit großen Schmerzen ein Menschlein geboren hatte, nicht angemessen fand: dass ich während des CTGs liegen musste, was unter den Wehen unerträglich war; dass ich nicht im Wasser gebären konnte, weil alle Wannen im Kreissaal belegt waren und ich nicht im Vorwehenzimmer bleiben durfte; dass ich mich unter Druck gesetzt fühlte, als die Austreibungsphase recht lang dauerte und meine Hebamme schon mal „Werkzeug“ (vermutlich für die Nabelschnur, vielleicht aber auch für einen Dammschnitt?) bereitlegte; dass mich nach der Geburt eine mir fremde Frauenärztin nähte und dabei unempathisch und grob war; dass wir sehr lange auf den Kinderarzt warten mussten, um das OK für die Heimfahrt zu erhalten.

In meine zweite Schwangerschaft ging ich mit ganz anderen Gefühlen. Ich freute mich auf die Geburt. Zunächst plante ich wieder eine Beleggeburt – dies scheiterte an den Krankenhäusern an meinem neuen Lebensort, die nicht mit freiberuflichen Hebammen zusammenarbeiten (worüber im Nachhinein zwar froh bin – an sich finde ich das für eine Großstadt unfassbar). Mit dieser Tatsache und den Erfahrungen aus der ersten Geburt stand sofort fest, dass damit ein Krankenhaus als Geburtsort für mich ausscheidet. Ich informierte mich zunächst über das Geburtshaus vor Ort, konnte aber zu der Hebamme dort kein rechtes Vertrauensverhältnis aufbauen.

Über die Beschäftigung mit der außerklinischen Geburt rückte dann sehr schnell das Thema Hausgeburt in meinen Fokus. Die Vorstellung, im Geburtsprozess nicht meine heimelige Umgebung verlassen zu müssen, während der Geburt nur von einer mir bis dahin gut vertrauten Person betreut zu werden und mein Baby in dieser friedlichen, schönen und gemütlichen Umgebung begrüßen zu können, entsprach sehr meinen Bedürfnissen. Zudem war ich durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema der außerklinischen Geburt überzeugt davon, dass der Geburtsverlauf entscheidend von äußeren Faktoren wie Ruhe, Vertrauen und Geborgenheit abhängt.

Ich fand eine Hebamme, die mir nicht nur persönlich sehr sympathisch war. Mit über 30 Jahren Berufserfahrung sowohl in der klinischen als auch der außerklinischen Geburtshilfe sowie einem breiten Wissensstand in vielen alternativen Medizinen vertraute ich ihr völlig und war ich mir sicher, dass sie auf jeden (Not)Fall adäquat und rechtzeitig reagieren würde.
Sie vermittelte mir in den Schwangerschaftswochen ein großes Vertrauen in mich, meinen Körper und mein Baby. Ich fühlte mich sehr angenommen und genoss es, dass in den Terminen der Vorsorge neben körperlichen Themen auch immer die emotionalen Wellen der Schwangerschaft ihren Raum hatten.

Die zweite Geburt

Meine zweite Geburt begann wieder mit einem Blasensprung, auf den schnell heftige und häufige Wehen folgten. Mein Mann zündete Kerzen an und bereitete mir eine Badewanne vor. Ich legte Musik auf, schlüpfte in mein schönstes, noch passendes Kleid und legte Schmuck an. Ich bewegte mich noch ein wenig durch die Wohnung, bis die Wehen ganz schnell so stark wurden, dass ich ins warme Wasser wollte. Mein Mann informierte schon mal die Hebamme. Sie wollte wissen, ob ich mir schon wünsche, dass sie kommt. Zunächst verneinte ich das. Da im Wasser die Wehen nochmal an Fahrt aufnahmen, bat mein Mann sie dann doch, sich auf den Weg zu machen. Als sie ankam, wehte ich schon in kurzen Abständen und verspürte bereits den Drang, mitzupressen. Sie setzte sich neben die Wanne, hörte einige Male kurz unter Wasser die Herztöne des Babies und begleitete mich durch die letzten Wehen. Sie lies mich das Köpfchen fühlen, als es bereits in der Scheide war und bekräftigte immer wieder, wie gut ich mit den Wehen arbeitete. Als ich meine Tochter schließlich gebar, erlebte ich das natürlich wie schon das erste Mal als schmerzhaftes und alles überrollendes Erlebnis – und gleichzeitig war es so unglaublich friedlich, ruhig, kraftvoll, unbeschreibbar zauberhaft und schön. Meine Hebamme legte sie mir in den Arm und träufelte immer wieder warmes Wasser über uns, damit wir nicht auskühlen. Nach einigen Minuten des Durchatmens stand ich mit der Hilfe meines Mannes und meiner Hebamme mit meiner Tochter im Arm auf und ging in Handtücher eingehüllt ins Nachbarzimmer in unser großes Bett. Dort wurde nach einiger Zeit des Ankommens und Bewunderns die Kleine untersucht und gewogen und ich genäht. Meine Hebamme verabschiedete sich und wir kuschelten und schliefen irgendwann ein.

Ich bin mit beiden Geburten sehr glücklich. Ich konnte jeweils so gebären, wie ich es zum jeweiligen Zeitpunkt brauchte und wollte.

Dies war möglich, weil ich die Wahlfreiheit hatte und meine Entscheidungen mit viel Information und Wissen und nach meinen jeweiligen Bedürfnissen getroffen habe. Dies bedeutete oft auch einen gewissen Aufwand, wie z.B. eine sehr ausführliche Suche und Entscheidung für eine bestimmte Hebamme, ein längerer Anfahrtsweg und die Übernahme der Rufbereitschaftskosten. Dafür konnte ich mit dem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in die Geburten gehen und erinnere mich an beide als kraftvolle, selbstbestimmte und naturgewaltige Erlebnisse.


Ein Geburtsbericht aus Dänemark

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Wie jede Nacht in den letzten Wochen und Monaten werde ich nachts mehrmals wach. „Normalerweise“ wegen Krämpfen oder dringendem Pinkelbedarf. Wie können so ein paar Tropfen nur jedes Mal so dringend sein? Schwangerschaft macht’s möglich.
Seit ein paar Wochen wecken mich auch manchmal leichte Wehen, die ich dann als Aufforderung für den Toilettengang ansehe.
Als mich diesmal eine leichte Wehe weckt, ist es anders. Blick auf die Uhr sagt 5:21. Ich merke direkt, dass ich gleich auslaufen werde – NFP und Zervixschleimbeobachtung sei Dank.
Also *husch husch* ins Bad und auf Toilette. 
Zwei kleine Schwalle kommen mit der Wehe. Und es ist auch Blut zu sehen.
„Oh, ob das wohl heißt, dass es bald los geht?“, denke ich mir noch.
Bis mir einfällt, dass es bei einer Freundin ja auch mit Blasensprung losging und bei ihr dann eingeleitet wurde. Davon abgeleitet wird mir plötzlich klar, dass ich in spätestens zwei Tagen meine Kleine in den Armen halten werde. Ich freue mich, kann mir aber trotzdem irgendwie nicht vorstellen, dass es bald so weit sein soll. Also entschließe ich mich, im Hier und Jetzt zu bleiben.
Einfach mal abwarten, was weiter passiert.

Die ersten paar Wehen kommen mit etwa 15-20 Minuten Abständen. Ich lade eine Wehen-App runter und gehe erst mal duschen. Die Freundin hatte ja gesagt, dass sie so froh war, dass sie ihre Haare vorher gewaschen hatte.
Das Duschen tut total gut. Ich dusche bis das warme Wasser ausgeht. Die Wehenabstände werden kürzer. Aber Intensivität und Abstände sind sehr unregelmäßig. Irgendwas zwischen 5 und 10 Minuten. Bei manchen Wehen habe ich aber schon Respekt und frage mich „Wie soll ich die denn bitteschön stundenlang aushalten?“ Aber wieder mal denke ich an meine Freundin: Immer bei dieser einen Wehe bleiben. 

Ich habe unglaublichen Hunger auf Milchreis und setze einen auf. Zwischendrin räume ich Stück für Stück den Flur frei. Der stand noch voll mit den Esszimmerstühlen, weil wir gerade tags zuvor das Schlaf- mit dem Esszimmer getauscht hatten. Ich brauche Platz um „mit den Wehen zu gehen“.
Also koche ich meinen Milchreis, föhne meine Haare und „vergehe“ ein paar Wehen in der Wohnung.
Gegen halb 9 mache ich Kaffee und beschließe, dass ich nun auch meinen Mann wecke. Ich brauche langsam jemanden zum Reden.
„Guten Morgen. Ich glaube, heute möchte jemand Geburtstag feiern.“, flüstere ich ihm zu.
Diesen verwirrten, verschlafenen Blick, der wenige Sekunden anhält, werde ich wohl nie vergessen. Dann schlägt es ein und der Herr ist hellwach.
Es gibt Kaffee und Milchreis zum Frühstück.

Ich rufe dann auch mal die Hebammen an und gebe Bescheid, dass ich um 5:30 Blasensprung hatte. Ich solle mich um 13:00 wieder melden. Dann würden wir weiter sehen. Wenn bis dahin die Wehen nicht regelmäßig sind (mindestens zwei Minuten Länge mit drei Minuten Abständen) würden wir einen „Delivery Plan“ abstimmen. Ich mache mir keine Sorgen. Es wird kommen, wie es kommt.
Die nächsten Stunden vergehen wie im Flug. Manche Wehen vergehe ich, manche vertöne ich, was immer wieder mal in einen Singsang übergeht, einmal sogar in den Star Wars Theme Song.
Die Wohnzimmerdurchgangstür wird mein Lieblingsanlaufpunkt um dort die Wehen mit dem Becken zu vertanzen, während ich mich am Türrahmen abstütze. Aber ganz ganz oft, ist mein Männe bei mir, stützt mich und tanzt mit mir.
Zwischendrin baut er (ein wenig kurzfristig) das Kinderbett auf und packt unsere Krankenhaustasche.
Gegen 13:00 Uhr gebe ich meiner diensthabenden Hebamme C. ein Update. 2-4 Minuten Länge, 3-6 Minuten Abstände und noch sehr unterschiedliche Intensität. Sie meint, das höre sich gut an. Ich solle mich melden, wenn die Wehen für 2-3 Stunden regelmäßig kommen, dann könnten wir uns im Krankenhaus treffen. (Hier in Dänemark haben sie echt die Ruhe weg…)

Gegen 14:00 Uhr rufe ich sie nochmal an. Ich kann und mag mich mittlerweile zwischen den Wehen nicht mehr setzen. Ich glaube, der Kopf ist schon recht tief und Setzen fühlt sich unangenehm an. Ich mag nun ins Krankenhaus. C. sagt mir, sie würde sich nun fertig machen und könnte in einer Stunde im Krankenhaus sein. Mmmh, na gut. Die Stunde bekomme ich auch noch rum. Beziehungsweise die halbe Stunde. Denn es sind ja doch gut 600 m bis zur Entbindungsstation wie Männe heraus gefunden hat. (Nicht dass wir irgendwie dutzende Gelegenheiten gehabt hätten, diese mal im Voraus anzuschauen… Eigentlich wollte ich ja mit einer Freundin hin, aber diese muss ja leider seit einigen Wochen im Bett liegen. So kannten wir nur das Video aus dem Internet. Und Männe fuhr dann mittags schnell mal mit dem Auto los und schaute nach, wo wir genau hin müssen – natürlich ans andere Ende vom Krankenhaus.)
Er versucht noch, mich zum Autofahren zu überreden. Aber ich mag ihn nicht von meiner Seite lassen, schon parken wäre zu viel des Guten. Zudem will ich nicht sitzen und er will mich nicht liegend auf der Rückbank transportieren. Also laufen wir rüber. Und das geht ganz gut und dauert auch nur 20 Minuten.

Um Punkt 15:01 betreten wir die Entbindungsstation. Männe beladen wie ein Muli. (Sind solche kurzfristig gepackten Panik-Krankenhaus-Taschen immer so groß und schwer?) Unsere Hebamme C. nimmt uns in Empfang und führt uns in unser Geburtszimmer. Mit neuer Entbindungsbadewanne. Juchhei! „Da will ich rein!“ ist mein erster Gedanke und meine erste Äußerung zu Männe. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich da schnell genug wieder heraus komme, wenn es mir zu viel wird.
C. tastet mich erst mal ab, schreibt meine und unsere Daten auf das Whiteboard an der Wand. Kind etwa 3200 g. Muttermund bei 4-5 cm. Nach ein paar Wehen fragt sie mich, ob ich nicht in die Wanne möchte, sie denkt, das könnte das Richtige für mich sein, weil ich so gerne mit den Wehen arbeite. Ich könne mich auch gut reinknien und seitlich abstützen. Das überzeugt mich sofort. Auf Reinlegen habe ich keine Lust.
Sie empfiehlt mir auch einen Einlauf. Erklärt mir den Ablauf und die Vorteile und fragt mich dann, ob ich das machen möchte.
Bei allem, was sie an diesem Tag macht, schlägt sie es mir erst mal vor, erklärt mir, was sie genau machen würde und warum und fragt mich, ob ich es möchte. Und sagt bei jedem Schritt, was sie gerade tut. Wann sie mich anfasst usw. Das war so unglaublich toll.
Vor allem weil sie eine ganz schön Resolute ist. Das brauch ich ja. Sehr resolut und sehr richtungsweisend. Aber immer mit der klaren Ansage, dass es meine Entscheidung ist.
Also Einlauf. Dann alles raus auf der Toilette… und ab in die Badewanne.
Dort bin ich dann die nächsten fünf Stunden. War das toll. Die Wehen waren gleich deutlich erträglicher. Und Männe hat mir immer so schön das warme Wasser über den Rücken gegossen.
Überhaupt war er mir so eine große Hilfe. Immer das Trinken mit Strohhalm angereicht in jeder Wehenpause. Traubenzucker gefüttert. Mich beim Toilettengang gestützt. Mich ans richtige Atmen erinnert. Mit mir gelacht.

Die zweite Untersuchung sagt 7-8 cm und C. fragt mich, ob sie mir bei einer Wehe helfen darf, um den Muttermund noch ein wenig mehr zu öffnen. Alles was hilft, ist willkommen. Danach ist der Muttermund bei 8 cm.
Gegen 20 Uhr zeigt uns C. ihre Statistik, dass ich ganz gut dabei bin als Erstgebärende und wenn es so weiter geht, das Kind in 30 Minuten da ist. Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass man Ingenieuren sowas besser nicht zeigt. Zahlen vertraue ich.
So ganz kann ich das allerdings nicht glauben. Ich denke nicht, dass das Kind weiter nach unten rutscht. Ich merke nichts davon. Irgendwie muss ich immer wieder an meine Theorie des in die Nabelschnur eingerollten Dinosaurier-Mädchens denken.
Es wird 20:30 Uhr, 21:00 Uhr. Irgendwie merke ich nicht, dass es vorwärts geht.

C. schlägt mir einen weiteren Toilettengang vor. Um Platz für den Kopf zu schaffen, aber auch damit ich mal nachfühlen kann, wie sich so Presswehen anfühlen sollten. Auf dem Klo presse ich also mal ordentlich Probe. Merke auch, dass es hier draußen aus der Wanne raus, die Wehen besser funktionieren und ich auch eher einen Druck nach unten spüre. Also frage ich nach einem Gebärstuhl. C. besorgt direkt einen. Allerdings ist das auch nicht so recht das Wahre. Ich merke allerdings, dass sich die Kleine ein wenig bewegt hat und nun ein wenig tiefer sitzt.
Die Herztöne sind die ganzen Wehen über gleichbleibend stabil und C. sieht keinerlei Handlungsbedarf. Auch wenn die Presswehen sich nun doch schon ein ganzes Weilchen ziehen. Allerdings sagt sie mir, dass sie mir um 23 Uhr die erste Antibiotika-Dosis geben wird, da der Blasensprung dann 18 Stunden her ist. Und dass sie mir dann auch Wehenmittel empfehlen würde, um die Pausen zwischen den Presswehen zu verkürzen. Diese sind auch echt lang. Zumindest lang genug für mich, um in den Entspannungspausen immer wieder einzuschlafen – Energie muss gespart werden wo möglich! Es nervt aber auch, weil ich merke, dass es kontraproduktiv ist. Ich will langsam echt, dass es vorbei ist.

C. möchte mich nochmal untersuchen, um zu sehen, wo wir stehen, auch wegen dem Wehenmittel. Der ist Muttermund vollständig geöffnet! Sie fragt mich, ob ich das Pressen mal auf der Liege probieren möchte. Sie würde mir dann gerne mit dem Finger zeigen, wohin ich drücken muss, um mir zu helfen. Ach ja, warum nicht?!
Und tatsächlich funktioniert das ganz gut. Ich merke nur, dass sich die Kleine nicht richtig bewegt. Die ganze Zeit geht mir das kleine eingewickelte Dinosaurier-Mädchen im Kopf herum. Der Kopf ist auch mehrmals auf dem Weg nach draußen, aber flutscht immer wieder zurück. Dass ich das so genau spüre, macht es irgendwie nur frustrierender. Immer wieder feuert mich C. an „noch ein wenig länger zu pressen“. „Noch länger.“ „Noch mehr.“
Boah, bin ich angenervt. Ich mach ja. Irgendwann steigt mein Mann noch mit ein. Innerlich rolle ich mit den Augen. Ich komme immer wieder an die Grenze, wo ich genau merke, darüber muss der Kopf. Es brennt und tut weh und automatisch vertöne ich. Darf ich aber nicht, ich soll pressen. Mund geschlossen halten. Was ist das schwer so gegen den Instinkt. Aber der Frust ist nun so groß, dass ich echt alles gebe. Und Jaaaaa! Endlich rutscht der Kopf nicht mehr zurück. Nun geht es gaaanz langsam nach Vorgabe der Hebamme vorwärts. Später erzählt mir mein Männe, dass sie sogar ordentlich gegen den Kopf gedrückt hat, damit er nicht zu schnell kommt.
Als der Kopf endlich geboren ist, wird erst mal das Kind von der Nabelschnur befreit. Die lag doch tatsächlich zweimal um den Hals. Dann soll ich „schnell“ machen, um den Körper zu gebären. Wie gut, dass ich so angenervt bin, das gibt mir Kraft – und nahezu ohne Presswehen wird der kleine Körper geboren, mit Hilfe von C., die ordentlich mitarbeitet. Und dann wird das kleine Wunder auf meine Brust gelegt.

Es ist 22:50 Uhr.
Sie quäkt kurz und leise. Gurgelt ganz schön (vom Fruchtwasser?) beim Atmen. Und schreit dann nochmal lauter. Danach ist sie aber ganz ruhig und kommt staunend in dieser Welt an. Gleich von Anfang an ist sie total fixiert auf Männes Stimme, sucht immer nach ihm.
Ich werde nochmal kurz untersucht. Zwei kleine Risse in der Schamlippe werden von C. genäht. Aua. Das tut weh. Irgendwie zwickt das Nähen viel unangenehmer als die Wehen vorher, dabei ist es nur jeweils ein kleiner Stich. Oder vielleicht lassen die körpereigenen Drogen auch viel zu stark nach, als mir das lieb ist. Bei den Wehen konnte ich so schön mitgehen. Aber das Nähen und das Bauchabtasten nach der Geburt „autschen“ ganz schön arg.
Nun sind wir erst mal 2,5 Stunden allein. Nackt kuscheln. Zuerst mit mir, inklusive erster Stillversuche, dann mit ihrem Papa.

Nur kurz kommt C. nochmal zurück und bringt uns ein volles Tablett mit Brot, Marmelade, Käse und heißem Kaffee. Die obligatorische dänische Flagge darf auch nicht fehlen. Schließlich feiert jemand Geburtstag. Ich schlage voll zu, während die anderen kuscheln. Was bin ich hungrig. Später besorgt Männe sogar noch Nachschub.Nach 2,5 Stunden futtern und kuscheln kommt C. nochmal und wiegt und vermisst die Kleine und fragt uns, ob wir auf der Familienstation übernachten möchten. Bis zu zwei Tage können wir bleiben. Wir sagen zu und sie geht wieder, mit dem Versprechen uns anzumelden und gleich rüber zu bringen. Während wir warten, schlafen wir alle ein. Die Kleine auf dem Papa.

Gegen 3:00 Uhr werden wir von C. auf die Familienstation gebracht. Die Sozial- und Gesundheitskrankenschwester nimmt uns dort in Empfang. Sie zeigt uns kurz das Zimmer und fragt uns, ob wir noch Hunger haben. Nein, danke.
Auf das Babybett wird auch kurz hingewiesen, allerdings mit dem recht deutlichen Hinweis, dass das eigentlich nur für die Geschenke oder fürs kurze Ablegen gedacht ist, denn die Kleine möchte doch sicherlich viel lieber auf unserer nackten Haut liegen.
Und so liegt die Kleine die nächsten Stunden auf ihrem Papa und in den Morgenstunden ist dann Schichtwechsel inklusive Stillen, das mir kurz von der Krankenschwester gezeigt wird. Als der Papa wach ist, geht die Kleine wieder zu ihm und ich krieche langsam in die Küche, um Frühstück zu besorgen. Huuunger!
Bereits mittags verlassen wir das Krankenhaus. Wir vermissen einfach unser großes, gemütliches Bett.

Jetzt Zuhause vermisse ich die grenzenlose Verfügbarkeit des Essens und das absolute Nichtstun. Hier ist es aufgrund des kurzfristigen Zimmertauschens noch recht chaotisch. Trotz allem ist es Zuhause halt doch am Schönsten. 


Neumond Post mit Kulmine Novemberaktion

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Liebe:r Kund:in,
den Neumond am 18.11. haben wir verpasst, aber hier sind wir wieder. Dieses Mal wieder mit einer Rabattaktion, neu zusammengestellten Sets, um 30% günstigeren Stoffslipeinlagen und Stoffbinden mit Fehlern.

Schwangerschaft, Geburt und Verhütung sind die aktuellen Schwerpunkte im Kulmine Blog und diese Themen liegen uns allen bei Kulmine besonders am Herzen. 

Auch du bist herzlich eingeladen zu schreiben oder zu lesen und zu kommentieren.

Petra Sood: „Alle Menschen, die wissen, wie es ist, selbstbestimmt und frei zu gebären, können andere inspirieren und ihnen ermöglichen, an sich zu glauben! Es könnte verhindern, dass immer mehr Menschen glauben, sie müssten ihre Verantwortung und freien Willen beim Thema Geburt  an Krankenhäuser und Ärzt:innen abgeben. Anstatt dass einige wenige selbstbewusste Frauen mit ihrem Wissen unter sich bleiben, sollte es weithin bekannt sein, dass eine selbstbestimmte Geburt, in Geborgenheit und in liebevoller Begleitung, möglich und natürlich ist.“

Aktion: 25% Rabatt

Du kannst dich jetzt noch mehr auf die Kulmine Post zu jedem Neumond freuen. Mit dem Newsletter werden wir immer einen Artikel aus dem Sortiment, mit allen Farb- und Größenvariationen, für fünf Tage mit 25 % Rabatt anbieten. Den Rabatt Code erhältst du nur in der Kulmine Neumond Post.

[Hier könnte dein Rabattcode stehen]
Wenn du von unseren Rabattaktionen profitieren willst, melde dich bitte für den Newsletter an.

Wir beginnen heute mit zwei Sets, weil wir diese gerade neu zusammengestellt haben. Das Wochenbett Set und das Baby & Mama Set. Beide Sets können auch schöne Geschenke sein!

54,11 €

UVP 72,15 €
Kulmine Baby & Mama Set

  • 2 Waschhandschuhe
  • je 1 Paar große + kleine Stilleinlagen
  • 1 großes Handtuch
  • 1 Stofftaschentuch MINI
  • 1 Stoffserviette

121,57 €

UVP 162,10 €
Kulmine Wochenbett Set klein

  • 4 Wochenbettbinden
  • 3 Faltbinden MAXI
  • 2 Paar große Stilleinlagen
  • 1 Stofftaschentuch MIDI

220,27 €

UVP 293,70 €
Kulmine Wochenbett Set groß

  • 4 Wochenbettbinden
  • 3 Faltbinden MAXI
  • 1 Hela-Binde zum Falten mit Steg MIDI
  • 2 Binden klassisch MINI
  • 5 Slipeinlagen mit Flügeln MIDI
  • 2 Paar große Stilleinlagen
  • 1 Stofftaschentuch MIDI

Englisch

Wir möchten dich noch auf das neue Kulmine Faltblatt in Englisch hinweisen, das alle wichtigen Informationen zu unserem Angebot enthält. Es liegt zum Download bereit unter English Flyer.

Petra Sood und das Kulmine-Team wünschen dir eine gute Zeit!

Jederzeit wieder ins Geburtshaus!

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Schon früh in der Schwangerschaft zeichnete sich ab, dass der Vater meines Kindes in unserem weiteren Leben keine große Rolle spielen würde. Deshalb waren meine Ängste und Gedanken in Bezug auf die bevorstehende Geburt vielleicht ein wenig anders gelagert als bei vielen anderen Frauen:
Würde ich allein sein, wenn die Geburt losging? Wie würde ich zum Geburtsort kommen? Wen würde ich anrufen? Würde ich allein in die Geburt gehen, oder jemanden mitnehmen? Wenn ja, wen?

Zum Glück wusste ich um die prekäre Lage der Geburtshilfe!

Um mir alle Optionen offen zu halten, bemühte ich mich frühzeitig um einen Platz im nächstgelegenen Geburtshaus. Ich könnte es mir ja später immer noch anders überlegen, dachte ich bei mir.
Schon beim Info-Abend hatte ich ein gutes Gefühl, obwohl ich die einzige war, die allein dort saß unter knapp 30 Pärchen und einigen Frauen, die ihre Mütter oder Freundinnen mitgebracht hatten.
Die Betreuung in meinem Geburtshaus umfasste die Vorsorge, die Geburt wahlweise im Geburtshaus oder zuhause und das Wochenbett – alles von einem Team von zwei Hebammen, die ich während der Schwangerschaft gut kennenlernte und zu denen ich ein enges Vertrauensverhältnis aufbaute. Je näher die Geburt rückte, umso mehr wuchs meine Erleichterung darüber, diesen Weg gewählt zu haben. Die Vorstellung, mich im nächstgelegenen Krankenhaus in die Hände des zufällig diensthabenden Klinikpersonals zu geben – womöglich noch ohne eine vertraute Person an meiner Seite – hätte mich sehr nervös gemacht. 

Meine Hebamme fragte mich immer mal wieder, ob ich jemanden zur Geburt mitbringen wollte. Ich hatte den Gedanken, allein nur mit der Hebamme zu gebären, schon lange hin und her gewendet, und mit der Zeit wurde ich selbstbewusst genug, ihn nach außen zu tragen. Ich fragte die Hebamme, ob es öfter mal Frauen gäbe, die sich dies wünschten. Sie sagte: „Ja. Aber die meisten trauen sich nicht, es ihrem Mann zu sagen.“ Ich staunte. Auf einmal befand ich mich in einer Luxus-Situation – außer mir selbst gab es niemanden, auf dessen Befindlichkeiten ich bezüglich der Geburt Rücksicht nehmen musste!

Einen Tag nach dem errechneten Termin setzten die Wehen ein. Es ergab sich, dass meine Mutter gerade bei mir war und mich ins Geburtshaus begleitete. Obwohl wir uns vorher einig gewesen waren, dass sie bei der Geburt nicht dabei sein würde, blieb sie dann doch, hielt sich im Hintergrund und es passte für uns beide. Meine wunderbare Hebamme und eine Hebammenschülerin trugen mich durch die Geburt, die viel schmerzhafter war, als ich es mir in meinen pessimistischsten Träumen hätte vorstellen mögen. Doch wenige Stunden, nachdem es überstanden war, durfte ich mit meinem Baby nach Hause, wo ich über die nächsten Wochen von den Hebammen betreut wurde. 

Ganz ehrlich, gebären macht keinen Spaß. Aber es war trotzdem so ein wunderbares, magisches Ereignis und rückblickend fühlt es sich an, als wäre ich die ganze Zeit unter Freunden gewesen. Die Atmosphäre war nicht medizinisch oder fremd, sondern heimelig.
Sollte ich nochmal schwanger werden, würde ich jederzeit wieder das Geburtshaus mit seinen tollen Hebammen als Geburtsort wählen!

Ein ganz anderes Thema begegnete ihr dann im Wochenbett: Der Wochenfluss.

Stoffbinden stand ich lange zwiegespalten gegenüber.
An sich fand ich das Prinzip cool. Ein paar Stoff-Slipeinlagen besitze und nutze ich schon länger und gern hätte ich mich auch einmal durch das Bindensortiment von Kulmine getestet – aber als überzeugte Nutzerin von Menstruationstassen bestand einfach keine Notwendigkeit (never change a running system!). Und so habe ich mich immer aus Vernunftgründen selbst davon abgehalten, „einfach nur aus Spaß“ Stoffbinden zum Testen zu bestellen. 

Vor der Entbindung meines Kindes bekam ich von zwei Freundinnen Restbestände aus ihrer Wochenbettzeit geschenkt, unter anderem mehrere angebrochene Packungen Wegwerfbinden. Prima, dachte ich, so muss ich mich um nichts kümmern und kann diese für den Wochenfluss nutzen.
Wegwerfbinden hatte ich zuletzt als Teenie genutzt und konnte mich vage daran erinnern, dass ich dann schnell auf Tampons und dann die Tasse gewechselt war. Für die sehr begrenzte Zeit des Wochenflusses, so dachte ich, würde ich damit prima klarkommen. 

Aber oh Graus! Wie sehr hatte ich die Ekelhaftigkeit dieser Wegwerfbinden unterschätzt. Das schwitzige Plastik-Gefühl hätte ich, mit häufigem Wechseln, vielleicht noch aushalten können. Aber der Gestank war wirklich nicht zum Aushalten. Schlagartig erinnerte ich mich, warum ich damals so schnell bei Tampons gelandet war. Dass es wirklich Leute gibt, die Monat für Monat ihre Mens mit Wegwerfbinden bestreiten, ist mir unerklärlich.
Zum Glück stand ich in regem Kontakt mit Petra, und auf meinen Hilferuf hin schwang sie sich höchstpersönlich aufs Fahrrad und gab eine Ladung Stoffbinden in die Post, die am nächsten Tag schon bei mir war. Ich habe diese Binden sehr schnell schätzen gelernt und heute, über ein Jahr später, sind sie für mich für immer verbunden mit der bittersüßen Erinnerung an diese wahnsinnig anstrengende, wahnsinnig besondere Zeit – das Wochenbett. 

Seit ich wieder einen Zyklus habe, kommt meist die Lunette wieder zum Einsatz. Aber in fast jedem Zyklus benutze ich auch ein- oder zweimal eine Stoffbinde, aus Nostalgie und weil sie einfach so schön sind!
 


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Stoffbinden im Wochenbett – geht das?

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Erst mal dieses Wort: Wochenfluss. So wie auch Wochenbett und Wöchnerin klingt der Begriff in meinen Ohren etwas altbacken. Der Begriff leitet sich ganz einfach davon ab, dass Frauen nach der Geburt ein Wundsekret ausscheiden, welches aus Blut, weißen Blutkörperchen, Plazentagewebe und Vaginalsekret besteht. Zu Anfang noch überregelstark und rot, wird der Ausfluss im Laufe mehrerer Wochen immer schwächer und heller. Nach einem Kaiserschnitt tritt ebenfalls Wochenfluss auf, wenn auch schwächer und kürzer. Meist ist der Wochenfluss mit dem Ende des Wochenbetts nach rund sechs Wochen versiegt.

Um den Wochenfluss kursieren viele Mythen. Lange dachte man, er sei hoch infektiös; Frauen im Wochenbett sollten daher beispielsweise nicht baden. Mittlerweile weiß man, dass der Wochenfluss genau so wenig mit gefährlichen Bakterien versetzt ist wie das normale Periodenblut. Es ist nur nicht empfehlenswert, Tampons oder Menstruationstasse zu verwenden, da dies zu einem Rückstau des Blutes führen kann. Dies wiederum kann eine Infektion begünstigen. Die Herausforderung ist also, die anfangs sehr starke, mit der Zeit immer schwächere Absonderung mit luftdurchlässigen Binden aufzufangen; viele Frauen finden den Gedanken unangenehm, da sie sonst für ihre Periode auf Tampons, Menstruationstasse oder andere alternative Mensprodukte zurückgreifen. Auch mir war der Gedanke unheimlich, über mehrere Wochen Wegwerfbinden zu verwenden, da ich schon seit mehreren Jahren keine Wegwerf-Menstruationsartikel mehr im Gebrauch habe.

Da ich schon länger Faltbinden von Kulmine nutze, lag die Idee nahe, diese auch im Wochenbett zu verwenden. Meinen Bestand an Kulmine-Stoffbinden habe ich noch durch selbst genähte Faltstoffbinden aus Flanell ergänzt. Wichtig ist, dass die Binden so atmungsaktiv wie möglich sind; eine PUL-Schicht, wie sie viele Stoffbinden aufweisen, war für mich daher keine Option.

Die ersten Tage nach der Geburt habe ich die im Krankenhaus angebotenen Vorlagen verwendet (von vielen Frauen liebevoll „Surfbretter“ genannt und als Pelzys im Handel erhältlich). Zuhause bin ich direkt auf die Stoffbinden umgestiegen. Da wir unsere Tochter mit Stoff wickeln, konnte ich die Binden immer mit waschen und hatte keinen extra Aufwand.

Was ist nun der Vorteil von Stoffbinden im Wochenbett?

Erster großer Vorteil: Keine Geruchsbildung. Stoffbinden sind im Gegensatz zu Wegwerfbinden wesentlich angenehmer, was Gerüche betrifft.

Zweiter großer Vorteil: Wie viele Frauen hatte ich leider eine Geburtsverletzung – die empfindliche Naht wurde durch die Stoffbinden nicht gereizt. Erfahrungsgemäß führen bei mir Wegwerfbinden zu Hautrötungen und Irritationen, daher war ich besonders froh um die Stoffbinden.

Dritter Vorteil: Die Faltstoffbinden sind in ihrer Dicke wesentlich dünner als die handelsüblichen Wegwerfbinden ohne Plastikfolie und tragen somit (auch optisch) weniger auf. Ich habe meine Tochter im Spätsommer zur Welt gebracht und war froh, bei der Verwendung der Binden kein „Windelgefühl“ zu empfinden und sogar recht dünne Hosen tragen zu können.
Schlussendlich habe ich durch das Verwenden von Stoffbinden eine ziemliche Menge an Müll vermeiden können.

Die Zeit im Wochenbett ist, neben vielen wundervollen, positiven Dingen, für viele Frauen von Müdigkeit, Hormonschwankungen, Babyblues und etlichen neuen Herausforderungen geprägt. Die Verwendung von Stoffbinden hat mir diese Lebensphase ein Stück weit angenehmer gemacht und ich möchte diese Erfahrung nicht missen!


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Mein Wunsch: kein Rechtfertigungsdruck über die Wunschgeburt

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Zunächst möchte ich klarstellen: bisher bin ich keine Mutter, hoffe aber, einmal eine zu sein.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es aber bereits Paare mit einem Kind. Bei einigen ist auch schon ein Geschwisterchen unterwegs. Während vieler unserer Treffen kommt das Gespräch daher irgendwann auf die Frage, wie das Baby denn zur Welt kommen solle.

Dabei fällt mir häufig auf, dass Geburtsentscheidungen welcher Art auch immer von mindestens einer Seite aus auf teils übergriffige Weise hinterfragt werden. Damit meine ich nicht, nach Gründen des Paares für diese oder jene Entscheidung zur Geburt zu fragen und diese zu akzeptieren, sondern die schwangere Frau in die Situation zu bringen, sich für die Geburtswünsche „rechtfertigen“ oder „verteidigen“ zu müssen, wenn z.B. eine Hausgeburt (mit Hebamme) oder eine Geburtshausgeburt gewünscht sind. Auch der gewünschte Verzicht auf PDA oder Kaiserschnitt – sofern nicht medizinisch notwendig – stößt oft auf Unverständnis: Die Geburt müsse man heute doch nicht mehr ertragen und man solle ruhig das komplette Angebot der Schulmedizin nutzen.

Nicht nur ein Kind wird geboren.
Bisher war ich nicht auf der Schwangerenseite und musste mich nicht dafür verteidigen, wie mein Mann und ich unser Kind willkommen heißen möchten. Ich empfinde den Prozess der Geburt auch als Geburt der Eltern: die Geburt ihrer Rollen als Mutter und Vater. Daher ist es für mich wichtig, dass Wünsche, Gefühle und Empfindungen der Eltern – besonders aber der Frau – in dieser für alle prägenden Ausnahmesituation nach Möglichkeit respektiert werden.

Seit mehr als zehn Jahren nutze ich das Zykluswissen der Natürlichen Familienplanung. Für die meisten sind natürliche Vorgänge wie der weibliche Zyklus aber mit Tabus oder sogar Ekel belegt. Die Pille verhindert die „lästige Blutung“. Mit der modernen Medizin lassen sich „eklige“ Begleiterscheinungen der Geburt wie Wehen (Wellen), Blut, Schleim oder Schweiß vermeiden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man davon, dass durch einen Kaiserschnitt „da unten“ danach alles wie vor der Schwangerschaft bleibt und nicht „unnötig“ gedehnt wird.

Gemeinsam geboren werden – was wünsche ich mir?
Für mich und die Geburt unserer Kinder hoffe ich, dass bereits die Schwangerschaft möglichst unkommentiert verläuft. Ich wünsche mir, dass der Geburtsplan, den ich für unser Kind habe, akzeptiert wird und ich meine Kraft für den Prozess des Gebärens und selbst Geborenwerdens nutzen kann und nicht, um meine Wünsche zu rechtfertigen.
Bei Komplikationen, die ein Abweichen von meinen Wünschen erfordern, hoffe ich, dass mir notwendige Eingriffe – sofern zeitlich möglich – erklärt werden. Ich bete darum, dass nicht einfach irgendetwas mit mir geschieht oder mir Dinge unter der Geburt zustoßen, die ich nicht einordnen kann und die mich in dieser sensiblen Phase ängstigen. Ich hoffe, dass ich nach Möglichkeit Zeit bekomme, mich zu arrangieren. Ich wünsche mir, dass Hebammen – und in einem Krankenhaus – ÄrztInnen meine unter ihren Händen wachsende Familie als individuelle Einheit wahrnehmen und es ihnen personell möglich ist, uns achtsam zu begleiten. 

Die Entwicklung im Gesundheitssystem beobachte ich mit großer Sorge.
In meiner Umgebung schließen Geburtshäuser und Entbindungsstationen werden zusammengelegt – zu Lasten der werdenden Familien und des medizinischen Personals gleichermaßen.
Im Wochenbett erhoffe ich offene Ohren und die Möglichkeit, eine Hebamme zu finden, die meine Ansichten teilt und die uns darin unterstützt, als Familie zusammenzuwachsen. Auch hier wird die Situation leider eher schlechter als besser.
In jedem Fall werde ich unsere Wünsche und Bedürfnisse in einem Geburts- und Wochenbettplan festhalten, um für uns wichtige Punkte griffbereit und formuliert parat zu haben. In der Hoffnung, dass wir – mein Mann, unser Kind und ich – gut und für uns möglichst stimmig als Familie geboren werden.

— Lara


Die selbstbestimmte Geburt hier, heute und in Zukunft!

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Schwangerschaft und Geburt sind natürliche kraftvolle Vorgänge, die nur in Ausnahmefällen ärztlicher Hilfe bedürfen. Um uns dieser Perspektive zu nähern haben wir eine Reihe an Texten zusammengestellt, die weiter wachsen dürfen – als Inspiration für alle zukünftigen Gebärenden.

Nicht noch jemand, die dir sagt, was du tun sollst – sondern jemand, die dir hilft zu tun, was du möchtest.


Schon seit längerem bin ich zutiefst beunruhigt darüber, dass ich zu der schrecklichen Geburtssituation in Deutschland und vielen anderen Ländern keinen Gegenentwurf parat hatte. Eine sehr gute Zusamenfassung der kathastrophalen Lage kann bei Motherhood nachgelesen werden.

Selbstverständlich ist es wichtig, sich zu empören, zu demonstrieren und Petitionen zu unterzeichnen. Doch ich hatte immer das Gefühl: etwas fehlt.


Die Idee

Anfang April war der Knoten geplatzt, endlich hatte ich eine Idee – und sie passt auch noch gut zu Kulmine! Vor dem Hintergrund eines Berichtes über eine selbstbestimmte Geburt empörte sich eine Frau in einem Kommentar auf der Facebook-Seite von Kulmine über die Aussage eines Arztes.
Später entschuldigte sie sich bei mir für diesen öffentlichen Wutausbruch, bekräftigte gleichzeitig aber noch einmal ihre Kritikpunkte. Noch während ich ihr antwortete, kam mir die Idee.
Aber lest selbst:

Die Mail

„Liebe M.,
ich kann deine Wut gut nachvollziehen! Alle Kulminefrauen sind empört und wütend! Ich suche schon länger nach der positiven Aussicht in dem ganzen Dilemma.
Es darf nicht sein, dass die Geburt immer mehr fremdbestimmt wird und die Frauen verstärkt das Vertrauen in ihre Kraft verlieren.
Eine große Zahl von verfügbaren Berichten zu freien Geburten könnten vielleicht verhindern, dass die Frauen selbst glauben, sie seien unter der Geburt hilflos oder sogar krank. Es könnte verhindern, dass sie glauben, sie müssten ihre Verantwortung und freien Willen beim Thema Geburt generell an Krankenhäuser und Ärzt:innen abgeben.
Alle Frauen, die wissen, wie es ist, selbstbestimmt und lebendig zu gebären, können andere Frauen und Männer inspirieren und ihnen damit ermöglichen, an sich zu glauben!
Das ist ein Gegengewicht, an das ich glauben kann. Sonst bleiben einige wenige selbstbewusste Frauen mit ihrem Wissen abgeschottet und unter sich. Dabei sollte dieses Wissen zumindest allen frei zugänglich sein!“


Deshalb laden wir hier Frauen und Männer dazu ein, von ihren selbstbestimmten Geburten zu berichten.

Für einen Bericht müssen es keine perfekten Geburten unter optimalen Bedingungen gewesen sein. Grundsätzlich geht es darum, ob die Frauen und Paare selbst bestimmen konnten, was mit ihnen geschehen sollte und dass sie ihrem Gefühl und ihrer Intuition folgen konnten.
Egal, ob ihr Zuhause, im Geburtshaus oder im Krankenhaus geboren habt, es eine Alleingeburt, eine Geburt zusammen mit Hebammen oder Ärzt:innen,eine Spontangeburt oder Kaiserschnitt war. All das spielt keine Rolle, solange ihr euch würdevoll und respektiert gefühlt habt.

Aber auch Berichte über Geburten, die nicht so verliefen wie gewünscht sind wichtig und vervollständigen Stück für Stück das Puzzle und unser Bewusstsein darum, was Geburt alles sein kann.


Die Reihe beginnt mit der Geburtserfahrungen von Petra.


Petra hat ihre beiden Kinder vor über 30 Jahren geboren. Damals gab es die Bewegung für eine „Sanfte Geburt“. Nur wenige Krankenhäuser folgten diesem Ansatz und es gab noch wesentlich weniger Geburtshäuser als heute. Ihr war ganz klar, dass sie sich unter der Geburt sicher fühlen wollte. Sie wollte nicht für ihre Würde, ihren freien Willen oder gar Gewaltfreiheit kämpfen müssen und auch nicht für die Unversehrtheit der Neugeborenen.
Petra wünschte sich Unterstützung bei einer möglichst natürlichen Geburt und danach beim Stillen. In ihrer Region gab es einen Arzt, dem sie vertraute. Er beschäftigte sich damals mit den Methoden von Leboyer und Odent und tat sein Möglichstes für den Schutz der Neugeborenen. Auch das Stillen war für ihn enorm wichtig.
Er arbeitete gemeinsam mit einer Hebamme, die seinen Ansatz teilte und schon über 600 Geburten mit ihm betreut hatte. Bei jeder der beiden von Petras Geburten fuhr sie 60 Kilometer, um in Begleitung von Arzt und Hebamme gebären zu können. Noch heute ist sie froh darüber, denn sie wusste, dass sie viele Aspekte der üblichen Geburtshilfe zumindest als verunsichernd oder gar als traumatisierend und gewalttätig empfunden hätte.
Die Geburten liefen ab, wie zuvor besprochen. „Wir durften in Ruhe mit uns sein. Und doch erschien die Hebamme immer, wenn ich nur dachte: ,Jetzt brauche ich sie‘.“
Doch die Wehen dauerten nicht lang: beide Male waren die Kinder nach drei Stunden geboren. Trotzdem hatte Petra das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben: „Ich konnte jederzeit meine Position wechseln, mit Mann einfach da sein oder auch bei der zweiten Geburt mit Mann und einer Freundin. Ich fühlte mich respektiert und unterstützt – völlig wohl und sicher.“ Beide Jungen wurden um Mitternacht geboren, niemand dachte an einen Schichtwechsel der Hebamme. Der Arzt ging nach Hause, aber nicht, weil er nachlässig war. Vielmehr fand er, dass einfache Geburten in die Hände der Eltern und der Hebamme gehörten. Beide Male kam er kurz nach Mitternacht ohne Murren und froh über die leichten Geburten wieder dazu.
In Petras nahem Bekanntenkreis gab es ansonsten nur Frauen, die eine Hausgeburt planten, ins Geburtshaus gingen oder – wenn nötig – mit ihrer Beleghebamme ins Krankenhaus fuhren. 

So ging Petra mit der Zeit der Bezug zum üblichen Geburtsablauf in Krankenhäusern verloren. Allerdings las sie im Laufe der Jahre ausschließlich von tollen Kreißsälen in Krankenhäusern und davon, wie eine Geburt sanfter als die nächste sei. Vor einigen Jahren lernte sie jedoch eine junge Hebamme kennen, die in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet hatte: „Bis dahin glaubte ich wirklich, dass die ,Sanfte Geburt‘ im Krankenhaus inzwischen normal geworden ist und dass davon abweichende Berichte nur Ausnahmen sind.“
Doch die Schilderungen der jungen Hebamme desillusionierten Petra sehr: „Sie meinte, oft sei die ,Sanfte Geburt‘ eine Marketingstrategie. Innerhalb des Krankenhauses ging es aber um Zeit, Geld und Macht.“ Eine ältere Bekannte, die früher als Hebamme im Krankenhaus gearbeitet hatte und nach langer freiberuflicher Tätigkeit aus finanziellen Gründen wieder im Krankenhaus anfing, hielt dort nur ein paar Monate durch. Sie erlebte den Zeitdruck als unmenschlich für die Gebärenden und das Personal gleichermaßen – so kündigte sie wieder.

Durch diese Berichte aufmerksam gemacht, begann sich Petra wieder neu zu informieren:
„Da ich den Start in das Leben so wichtig finde, wuchs mein Interesse für Schwangerschaft und Geburt in der heutigen Zeit und erschrocken musste ich feststellen, wie schlimm die Lage mittlerweile schon geworden ist.“

Schließlich wurde daraus die Idee geboren, eine positives Gegenstück zur sich verschlechternden Geburtssituation zu schaffen und auf dem Blog von Kulmine eine Plattform zu schaffen, in der Raum ist für das, worüber sonst nicht geredet wird.

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Berichte können gerne per Email mit dem Betreff „Geburtsbericht“ geschickt werden.
Sie werden je nach Wunsch anonym oder mit (Vor)Name auf dem Blog erscheinen.

Weiterführende Links zu dem Thema:

Über die Arbeitsbedingungen einer Hebamme im Kreissal: Manchmal betreue ich parallel drei Frauen mit Wehen

Roses Revolution: Über den internationalen Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Ein Podcast des WDR: Weinen hilft dir jetzt auch nicht: Gewalt in der Geburtshilfe (Inhaltswarnung zu detaillierten Beschreibungen von Gewalt während der Geburt.)

Birth Becomes Her: Eine ganz besondere Sammlung von Bildern rund um die Geburt (Facebook)

Ein historischer Blick auf Geburtspositionen im Kontrast zur heute verbreiteten Position.