Die Pille? Nein danke, ohne geht es mir besser.

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 Die Kulmine-Frauen leben pille-frei. Das witzige und auch schöne dabei ist, dass sich das jede für sich, schon vor der Zeit bei Kulmine, selbst so entschieden hat. Aus verschiedensten und gleichzeitig ähnlichen Gründen. Der folgende Text ist von einer unserer Mitarbeiterinnen.

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Auch ich habe mich Ende letzten Jahres von der stetigen Begleiterin, der Pille, getrennt.
Meine geschätzte Kollegin und Freundin hat mir den Denkanstoß dazu gegeben, indem sie mich in ihre Sorgen zur Pille eingeweiht hat. So bin auch ich darauf gekommen, dass es vielleicht nicht sein muss, dass ich ein bis zwei Tage im Monat Trübsal blasend in meinem Bett liege und überhaupt nicht weiß, woher diese große Leere in mir kommt. Dass ich mich vielleicht auch nicht mit einer ungesteuerten Wut, die wie aus dem nichts entsteht, herumschlagen muss. Und damit meine ich nicht PMS, denn diese Stimmungen waren zeitlich so gar nicht einzuordnen. 

Ich hatte mit 17 angefangen, die Pille zu nehmen, um einige Unregelmäßigkeiten* im Hormonhaushalt auszugleichen, die mir Probleme bereitet hatten.
Das hat auch wunderbar funktioniert, weshalb ich von der Pille begeistert war. Letztes Jahr habe ich dann nach vier Jahren tatsächlich zum ersten Mal (ich weiß, das war längst überfällig) den Beipackzettel meiner Pille gründlich durchgelesen und entdeckt, das eine von zehn Frauen mit Niedergeschlagenheit und Depression als Nebenwirkung zu kämpfen hat. Daraufhin habe ich ein wenig weiter recherchiert, was die Pille mit meinem Körper sonst noch macht und unter Umständen machen kann und beschlossen: Das will ich nicht mehr. Also habe ich sie abgesetzt.
Besonders große Veränderungen habe ich an mir selbst nicht festgestellt, außer dass ich ein wenig ausgeglichener bin. Aber das schönste Gefühl ist, zu wissen, dass das tatsächlich ich selbst bin, wenn ich wütend oder aufgebracht bin und mich kein Hormoncocktail dazu treibt.

Ich sage überhaupt nicht, dass man die Pille verteufeln soll (es gibt nichts Einfacheres in Sachen Verhütung meiner Meinung nach). Ich bin nur der Meinung, dass sich jede Frau die Zeit nehmen sollte, zu recherchieren, was mit dem eigenen Körper und der Psyche passiert. Aber vor allem sollte jede Frauenärztin sich die Zeit nehmen, dieses Thema ausgiebig aber gleichzeitig neutral und wertfrei zu besprechen. Denn sind wir ehrlich. Ich habe auch einen Flyer meiner Ärztin bekommen zu den Nebenwirkungen. Habe ich ihn durchgelesen? Nein, leider nicht.
Möchte man als Frau das Risiko der Nebenwirkungen und hormonellen Veränderung dennoch eingehen, möchte ich niemanden dafür verurteilen. Ich habe ja auch nichts gegen Raucher, solange sie wissen, was sie ihrem Körper damit langfristig zumuten.
Leider habe ich noch keine passende Verhütungsmethode für mich gefunden, mit der ich zu hundert Prozent zufrieden bin. Ein Kondom allein ist mir zu unsicher und die Gefahr, dass ich bei einem Zwischenfall die Pille danach nehmen müsste (was meinen hormonfreien Ansatz zunichte macht) zu groß. Das Diaphragma kommt mir umständlich vor und alles andere habe ich bis jetzt noch nicht ausprobiert.

*Anmerkung von Nina: Die Pille wird gerne und schnell bei „Unregelmäßigkeiten“ verschrieben, die aber oft ist noch ganz im normalen Rahmen sind, vor allem in der Pubertät. Die Pille kann hier auch nicht heilen, sie überdeckt die Unregelmäßigkeiten nur. Nach dem Absetzen ist dann entweder alles wie gehabt, oder es wäre sowieso von alleine weg gegangen wären. Deswegen lohnt es sich, mit fähigen Ärztinnen/Ärzten wirklich auf den Grund der Probleme zu gehen, oder auch einfach ein bisschen abzuwarten, bis sich die wilden Wellen der Pubertät ein bisschen gelegt haben und der Zyklus die Chance hatte, sich einzupendeln.


Der Zyklus in all seinen Facetten

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Hier kommt der vierte Beitrag für die Reihe zum Thema Pillenfrei! 

Die Schreiberin des Beitrags ist seit zwei Jahren ohne „Pille“. Seit sie diese abgesetzt hat, hat sie begonnen, sich das erste Mal wirklich mit alternativen Verhütungsmethoden, der Menstruation, ihrer Weiblichkeit und Sexualität auseinanderzusetzen.


Die Pille nahm ich von ungefähr 16 bis 32. Warum?

Na „man nimmt die halt“. Da wird man 16, hat einen festen Freund und dann ist das ganz normal, dass man mit Mutter zum Frauenarzt geht und die Pille verschrieben bekommt. Wer keinen Freund hat, der bekommt sie oft trotzdem: gegen Regelschmerzen oder Pickel (und es heißt, manch eine nimmt sie sogar einfach für größere Brüste). Die Nebenwirkungen liest man sich (vielleicht) durch, aber ernst nimmt man sie meist nicht – es nehmen ja alle die Pille und kaum eine erzählt etwas von Nebenwirkungen. Und selbst wenn welche auftauchen sollten, dann probiert man eben eine andere aus, irgendeine wird schon passen. 


Beipackzettel-Prosa „meiner“ Pille:

Häufig taucht auf: Brustspannen (nette Umschreibung für schmerzende, berührungsempfindliche Brüste), Gewichtszunahme, Verstimmungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen (auch migräneartig).
Gelegentlich: Depressionen, Veränderungen der Libido, Gesichtshautflecken (die durch Sonne verstärkt werden), Pigmentierungsstörungen.
Selten: Kontaktlinsenprobleme (schlechte Verträglichkeit), Scheidenentzündungen, Pilzinfektionen der Scheide, Zwischenblutungen, Lebertumore (gutartig), Bluthochdruck, Veränderungen des Fettstoffwechsels.
Sehr selten: Gefäßverschlüsse (Thrombosen, in Leber und Darm), Milchfluss, Brustvergößerung, Bildung von Zysten an den Eierstöcken, Lebertumoren (bösartig).
Andere Pillen haben aber auch schöne Dinge in petto wie: chronische Blasenentzündung, dauernde Schmierblutungen, Akne, Wassereinlagerungen, Haarausfall, Nesselsucht, Nervosität, Ausbleiben der Mens, knotenartige Entzündungen des Unterhautfettgewebes, Schwerhörigkeit, …

Dazu kommen die vielen kleinen Nebenwirkungen, die es gar nicht erst auf die Packungsbeilage schaffen und die man erst hinterher im Kreis von Gleichgesinnten feststellt. Da wird unter anderem vermutet, dass auch Folgendes mit der Einnahme von Hormonen zusammenhängen kann: Schilddrüsenstörungen, dauerhafter Beeinträchtigung der Libido, chronische Pilzinfektionen, Verstärkung von Allergien, zusätzliche Leberbelastung bis hin zu einem erhöhten Verbrauch bestimmter Vitamine und Mineralien.

Eindeutige Nebenwirkungen blieben unerkannt

Ich wurde bei jedem Termin bei der Gynäkologin danach gefragt, ob ich Probleme mit der Pille habe. Ich habe dies stets verneint, denn ich kam nie auf die Idee, die Ursache von manchen meiner Probleme damit zu verknüpfen. Das hatte verschiedene Gründe, zum Beispiel:
Wer kann mit 16 schon sagen, woher die spinnerte oder miese Laune kommt? „Da schießen doch sowie die Hormone noch quer“ dachte ich mir. Die andauernde Melancholie und das „nah am Wasser gebaut sein“ hatte ich schnell als Schicksal und Wesenszug akzeptiert und mich darüber zu identifizieren begonnen.
Mit wiederkehrenden Pilzinfektionen lernte ich, dass ich schmutzig wäre und im Anschluss lernte ich übertriebene Hygiene, was die ganze Sache nur noch verschlimmerte (von problematischen Inhaltsstoffen, denen ich dadurch häufig ausgesetzt war, ganz zu schweigen).
Die Gewichtszunahme käme wohl einfach mit dem Alter.
Die Kopfschmerzen mit Erbrechen und Lärm- und Lichtempfindlichkeit führte man allein auf die Computerarbeit und Verspannungen zurück. Dass diese immer mit der Hormon-Entzugsblutung oder einer vergessenen Einnahme zusammenhing, das hatte jahrelang niemand erkannt, bis mein letzter Partner das mal bemerkte.
Lust am Sex? Kannte ich schlicht nicht, denn mein Körper war zu jung gewesen, als das ich das hätte kennenlernen dürfen – vor dem ersten Sex wurde ich ja schon vorsorglich mit Hormonen vollgestopft. Immer diese Aufregung um Sex, das hatte ich also nie verstanden. Das Aufregende am Sex war für mich folglich immer nur die besondere Intimität gewesen.

Selbst offensichtliche Nebenwirkungen werden laut Erzählungen anderer Frauen schnell vom Tisch gewischt, sucht man als Betroffene das Gespräch mit dem/der Gyn. „Geringe Libido? Wie lange sind sie denn schon mit ihrem Partner zusammen? Ach, was erwarten Sie denn.“ „Pilzinfektionen… kann man sich ja überall holen.“ „Trockene Schleimhaut und Schmerzen beim Sex? Gibt sich Ihr Partner genug Mühe? Nehmen Sie Gleitgel und experimentieren Sie mehr im Liebesleben“. Pillen-gemachte Probleme werden so ins Private und die Partnerschaft verlagert und bei der Ursachenforschung werden die künstlichen Hormone nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Dass der Leidensweg vieler Frauen auf diese Weise unnötig verlängert und die eigene Intuition zudem oft untergraben wird, empfinde ich als skandalös.
Ein Diplomabbruch mit Nervenzusammenbruch und anschließender Therapie säte ernsthafte Zweifel an meiner Lebensführung. Ich begann auch nach erfolgreichem Abschluss und beendeter Therapie immer wieder nach dem Thema Depression zu recherchieren. Bis ich dann auf die Pille stieß und auf Berichte von Betroffenen – ein fehlendes Puzzelteil war gefunden.

Nach dem Absetzen lernte ich mich neu kennen
Ich erlebe meinen Körper nun anders als zu Pillenzeiten: Ich freue mich über ihn. Meine Brüste kommen mir nicht mehr klein vor, obwohl sie sicher nicht größer, sondern eher weicher geworden sind. Ich habe ohne Zutun 10 kg abgenommen. Ich finde meine Mens nun weder nervig noch eklig (zu meinem Glück habe ich nur schwache Schmerzen). Meine Haare und Nägel sind gesünder. Mein Heuschnupfen ist fast ganz verschwunden. Meine Kopfschmerzen sind einfach weg.
Meine Depression war natürlich nicht nur in der Pille begründet, aber sie hat vermutlich dazu beigetragen. Ich kannte zum Beispiel nicht die als unbeschwerter erlebten Tage der Zyklusphase vor der Ovulation, in denen ich voller Elan und Zuversicht bin und sich alle Arbeit gefühlt von alleine wuppt. Diese Phase gibt mir oft viel Kraft und ist ein Ausgleich zu PMS (das ich nun zeitlich besser abschätzen und einordnen kann).

Ich bin wacher in meinen Empfindungen.
Viele berichten von einem Gefühl wie unter einer Käseglocke unter Einfluss der Pille oder eine „Scheiß-Egal-Haltung“, wie es manche Frauen in der Rückschau nennen. Ich erkenne nun besser, was mir entspricht und stehe dafür ein. Damals bedeutete das die Trennung von meinem Freund und ich begann, mich mehr und mehr auf eine bewusste, gesunde, natürliche Lebensweise auszurichten.

Die größte Umstellung ist aber wahrhaftig: Ich erlebe meinen Zyklus …
… in all seinen Facetten, von denen es einige neue zu entdecken gab. Zum Glück hatte ich ein tolles Forum, in dem ich mich über die Begleiterscheinungen der Umstellung mitteilen konnte und lesen, dass ich damit nicht alleine war.
Ich erlebte fast so etwas wie eine zweite Pubertät: Was ist denn da los? Den Männern hinterhergucken, Sex wollen, mehr Sex als der Mann wollen (hä? ich dachte, das wär genau andersrum! Zu Hülf!) Die potentiellen Verwicklungen kann man sich vielleicht vorstellen. Und auch: ohne Sex auskommen müssen; dass Lust so viel Frustpotenzial birgt … Puh!
Und es gab auch Erkenntnisse wie, dass am anderen Ende des Zyklus dieser Weltschmerz, Überempfindlichkeit, Aggressionen leider viel zu oft an meinem Partner abgeblitzt sind. Oder dass auch er in der Zeit der Umstellung zeitweise überfordert war.
Ich weiß nicht, ob alle Veränderungen mit der Pille zusammenhängen … sicherlich hängt auch einiges mit meinem Alter zusammen und der verstärkten Auseinandersetzung mit mir selbst (liebevoll begleitet durch Petra Sood in ihren Seminaren).
Doch die Abkehr von der Pille war für mich eine Umkehr und ein erster Schritt zu mir selbst und einem erfüllterem, aktiverem Leben.
Seither kam ich nicht einmal in Versuchung, wieder Hormone zu nehmen. Ich genieße mein neues Lebensgefühl.

Empört über die mangelnde Aufklärung
Ich hatte dann auch eine Phase mit viel Wut auf unbedachte Ärzte, profitorientierte Hersteller, falsch verstandene Fürsorge von Müttern und darüber, dass die Zusammenhänge so langsam ans Licht kommen oder absichtlich einseitige Informationen verbreitet werden. Immer noch gibt es Menschen, die den weiblichen Zyklus als unnötig und folglich unerwünscht propagieren oder anderweitig Angst vor dem Körper und seinen Vorgängen schüren.
Ich dagegen erlebe den Zyklus als eine inspirierende Kraft und eine Möglichkeit mit mir in Kontakt zu treten. Und ich bin froh, wenn ich meine Geschichte darüber teilen kann, in der Hoffnung, dass wir gemeinsam zu einem neuen Bewusstsein, einer angemessenen Kultur zu diesem wundervollen Vorgang finden. Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung, die die Erfahrungen von Anwenderinnen ernst nimmt, und dass sich Menschen auf einer fundierten Grundlage für oder gegen künstliche Hormone entscheiden können.


Ein Geburtsbericht aus Dänemark

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Wie jede Nacht in den letzten Wochen und Monaten werde ich nachts mehrmals wach. „Normalerweise“ wegen Krämpfen oder dringendem Pinkelbedarf. Wie können so ein paar Tropfen nur jedes Mal so dringend sein? Schwangerschaft macht’s möglich.
Seit ein paar Wochen wecken mich auch manchmal leichte Wehen, die ich dann als Aufforderung für den Toilettengang ansehe.
Als mich diesmal eine leichte Wehe weckt, ist es anders. Blick auf die Uhr sagt 5:21. Ich merke direkt, dass ich gleich auslaufen werde – NFP und Zervixschleimbeobachtung sei Dank.
Also *husch husch* ins Bad und auf Toilette. 
Zwei kleine Schwalle kommen mit der Wehe. Und es ist auch Blut zu sehen.
„Oh, ob das wohl heißt, dass es bald los geht?“, denke ich mir noch.
Bis mir einfällt, dass es bei einer Freundin ja auch mit Blasensprung losging und bei ihr dann eingeleitet wurde. Davon abgeleitet wird mir plötzlich klar, dass ich in spätestens zwei Tagen meine Kleine in den Armen halten werde. Ich freue mich, kann mir aber trotzdem irgendwie nicht vorstellen, dass es bald so weit sein soll. Also entschließe ich mich, im Hier und Jetzt zu bleiben.
Einfach mal abwarten, was weiter passiert.

Die ersten paar Wehen kommen mit etwa 15-20 Minuten Abständen. Ich lade eine Wehen-App runter und gehe erst mal duschen. Die Freundin hatte ja gesagt, dass sie so froh war, dass sie ihre Haare vorher gewaschen hatte.
Das Duschen tut total gut. Ich dusche bis das warme Wasser ausgeht. Die Wehenabstände werden kürzer. Aber Intensivität und Abstände sind sehr unregelmäßig. Irgendwas zwischen 5 und 10 Minuten. Bei manchen Wehen habe ich aber schon Respekt und frage mich „Wie soll ich die denn bitteschön stundenlang aushalten?“ Aber wieder mal denke ich an meine Freundin: Immer bei dieser einen Wehe bleiben. 

Ich habe unglaublichen Hunger auf Milchreis und setze einen auf. Zwischendrin räume ich Stück für Stück den Flur frei. Der stand noch voll mit den Esszimmerstühlen, weil wir gerade tags zuvor das Schlaf- mit dem Esszimmer getauscht hatten. Ich brauche Platz um „mit den Wehen zu gehen“.
Also koche ich meinen Milchreis, föhne meine Haare und „vergehe“ ein paar Wehen in der Wohnung.
Gegen halb 9 mache ich Kaffee und beschließe, dass ich nun auch meinen Mann wecke. Ich brauche langsam jemanden zum Reden.
„Guten Morgen. Ich glaube, heute möchte jemand Geburtstag feiern.“, flüstere ich ihm zu.
Diesen verwirrten, verschlafenen Blick, der wenige Sekunden anhält, werde ich wohl nie vergessen. Dann schlägt es ein und der Herr ist hellwach.
Es gibt Kaffee und Milchreis zum Frühstück.

Ich rufe dann auch mal die Hebammen an und gebe Bescheid, dass ich um 5:30 Blasensprung hatte. Ich solle mich um 13:00 wieder melden. Dann würden wir weiter sehen. Wenn bis dahin die Wehen nicht regelmäßig sind (mindestens zwei Minuten Länge mit drei Minuten Abständen) würden wir einen „Delivery Plan“ abstimmen. Ich mache mir keine Sorgen. Es wird kommen, wie es kommt.
Die nächsten Stunden vergehen wie im Flug. Manche Wehen vergehe ich, manche vertöne ich, was immer wieder mal in einen Singsang übergeht, einmal sogar in den Star Wars Theme Song.
Die Wohnzimmerdurchgangstür wird mein Lieblingsanlaufpunkt um dort die Wehen mit dem Becken zu vertanzen, während ich mich am Türrahmen abstütze. Aber ganz ganz oft, ist mein Männe bei mir, stützt mich und tanzt mit mir.
Zwischendrin baut er (ein wenig kurzfristig) das Kinderbett auf und packt unsere Krankenhaustasche.
Gegen 13:00 Uhr gebe ich meiner diensthabenden Hebamme C. ein Update. 2-4 Minuten Länge, 3-6 Minuten Abstände und noch sehr unterschiedliche Intensität. Sie meint, das höre sich gut an. Ich solle mich melden, wenn die Wehen für 2-3 Stunden regelmäßig kommen, dann könnten wir uns im Krankenhaus treffen. (Hier in Dänemark haben sie echt die Ruhe weg…)

Gegen 14:00 Uhr rufe ich sie nochmal an. Ich kann und mag mich mittlerweile zwischen den Wehen nicht mehr setzen. Ich glaube, der Kopf ist schon recht tief und Setzen fühlt sich unangenehm an. Ich mag nun ins Krankenhaus. C. sagt mir, sie würde sich nun fertig machen und könnte in einer Stunde im Krankenhaus sein. Mmmh, na gut. Die Stunde bekomme ich auch noch rum. Beziehungsweise die halbe Stunde. Denn es sind ja doch gut 600 m bis zur Entbindungsstation wie Männe heraus gefunden hat. (Nicht dass wir irgendwie dutzende Gelegenheiten gehabt hätten, diese mal im Voraus anzuschauen… Eigentlich wollte ich ja mit einer Freundin hin, aber diese muss ja leider seit einigen Wochen im Bett liegen. So kannten wir nur das Video aus dem Internet. Und Männe fuhr dann mittags schnell mal mit dem Auto los und schaute nach, wo wir genau hin müssen – natürlich ans andere Ende vom Krankenhaus.)
Er versucht noch, mich zum Autofahren zu überreden. Aber ich mag ihn nicht von meiner Seite lassen, schon parken wäre zu viel des Guten. Zudem will ich nicht sitzen und er will mich nicht liegend auf der Rückbank transportieren. Also laufen wir rüber. Und das geht ganz gut und dauert auch nur 20 Minuten.

Um Punkt 15:01 betreten wir die Entbindungsstation. Männe beladen wie ein Muli. (Sind solche kurzfristig gepackten Panik-Krankenhaus-Taschen immer so groß und schwer?) Unsere Hebamme C. nimmt uns in Empfang und führt uns in unser Geburtszimmer. Mit neuer Entbindungsbadewanne. Juchhei! „Da will ich rein!“ ist mein erster Gedanke und meine erste Äußerung zu Männe. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich da schnell genug wieder heraus komme, wenn es mir zu viel wird.
C. tastet mich erst mal ab, schreibt meine und unsere Daten auf das Whiteboard an der Wand. Kind etwa 3200 g. Muttermund bei 4-5 cm. Nach ein paar Wehen fragt sie mich, ob ich nicht in die Wanne möchte, sie denkt, das könnte das Richtige für mich sein, weil ich so gerne mit den Wehen arbeite. Ich könne mich auch gut reinknien und seitlich abstützen. Das überzeugt mich sofort. Auf Reinlegen habe ich keine Lust.
Sie empfiehlt mir auch einen Einlauf. Erklärt mir den Ablauf und die Vorteile und fragt mich dann, ob ich das machen möchte.
Bei allem, was sie an diesem Tag macht, schlägt sie es mir erst mal vor, erklärt mir, was sie genau machen würde und warum und fragt mich, ob ich es möchte. Und sagt bei jedem Schritt, was sie gerade tut. Wann sie mich anfasst usw. Das war so unglaublich toll.
Vor allem weil sie eine ganz schön Resolute ist. Das brauch ich ja. Sehr resolut und sehr richtungsweisend. Aber immer mit der klaren Ansage, dass es meine Entscheidung ist.
Also Einlauf. Dann alles raus auf der Toilette… und ab in die Badewanne.
Dort bin ich dann die nächsten fünf Stunden. War das toll. Die Wehen waren gleich deutlich erträglicher. Und Männe hat mir immer so schön das warme Wasser über den Rücken gegossen.
Überhaupt war er mir so eine große Hilfe. Immer das Trinken mit Strohhalm angereicht in jeder Wehenpause. Traubenzucker gefüttert. Mich beim Toilettengang gestützt. Mich ans richtige Atmen erinnert. Mit mir gelacht.

Die zweite Untersuchung sagt 7-8 cm und C. fragt mich, ob sie mir bei einer Wehe helfen darf, um den Muttermund noch ein wenig mehr zu öffnen. Alles was hilft, ist willkommen. Danach ist der Muttermund bei 8 cm.
Gegen 20 Uhr zeigt uns C. ihre Statistik, dass ich ganz gut dabei bin als Erstgebärende und wenn es so weiter geht, das Kind in 30 Minuten da ist. Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass man Ingenieuren sowas besser nicht zeigt. Zahlen vertraue ich.
So ganz kann ich das allerdings nicht glauben. Ich denke nicht, dass das Kind weiter nach unten rutscht. Ich merke nichts davon. Irgendwie muss ich immer wieder an meine Theorie des in die Nabelschnur eingerollten Dinosaurier-Mädchens denken.
Es wird 20:30 Uhr, 21:00 Uhr. Irgendwie merke ich nicht, dass es vorwärts geht.

C. schlägt mir einen weiteren Toilettengang vor. Um Platz für den Kopf zu schaffen, aber auch damit ich mal nachfühlen kann, wie sich so Presswehen anfühlen sollten. Auf dem Klo presse ich also mal ordentlich Probe. Merke auch, dass es hier draußen aus der Wanne raus, die Wehen besser funktionieren und ich auch eher einen Druck nach unten spüre. Also frage ich nach einem Gebärstuhl. C. besorgt direkt einen. Allerdings ist das auch nicht so recht das Wahre. Ich merke allerdings, dass sich die Kleine ein wenig bewegt hat und nun ein wenig tiefer sitzt.
Die Herztöne sind die ganzen Wehen über gleichbleibend stabil und C. sieht keinerlei Handlungsbedarf. Auch wenn die Presswehen sich nun doch schon ein ganzes Weilchen ziehen. Allerdings sagt sie mir, dass sie mir um 23 Uhr die erste Antibiotika-Dosis geben wird, da der Blasensprung dann 18 Stunden her ist. Und dass sie mir dann auch Wehenmittel empfehlen würde, um die Pausen zwischen den Presswehen zu verkürzen. Diese sind auch echt lang. Zumindest lang genug für mich, um in den Entspannungspausen immer wieder einzuschlafen – Energie muss gespart werden wo möglich! Es nervt aber auch, weil ich merke, dass es kontraproduktiv ist. Ich will langsam echt, dass es vorbei ist.

C. möchte mich nochmal untersuchen, um zu sehen, wo wir stehen, auch wegen dem Wehenmittel. Der ist Muttermund vollständig geöffnet! Sie fragt mich, ob ich das Pressen mal auf der Liege probieren möchte. Sie würde mir dann gerne mit dem Finger zeigen, wohin ich drücken muss, um mir zu helfen. Ach ja, warum nicht?!
Und tatsächlich funktioniert das ganz gut. Ich merke nur, dass sich die Kleine nicht richtig bewegt. Die ganze Zeit geht mir das kleine eingewickelte Dinosaurier-Mädchen im Kopf herum. Der Kopf ist auch mehrmals auf dem Weg nach draußen, aber flutscht immer wieder zurück. Dass ich das so genau spüre, macht es irgendwie nur frustrierender. Immer wieder feuert mich C. an „noch ein wenig länger zu pressen“. „Noch länger.“ „Noch mehr.“
Boah, bin ich angenervt. Ich mach ja. Irgendwann steigt mein Mann noch mit ein. Innerlich rolle ich mit den Augen. Ich komme immer wieder an die Grenze, wo ich genau merke, darüber muss der Kopf. Es brennt und tut weh und automatisch vertöne ich. Darf ich aber nicht, ich soll pressen. Mund geschlossen halten. Was ist das schwer so gegen den Instinkt. Aber der Frust ist nun so groß, dass ich echt alles gebe. Und Jaaaaa! Endlich rutscht der Kopf nicht mehr zurück. Nun geht es gaaanz langsam nach Vorgabe der Hebamme vorwärts. Später erzählt mir mein Männe, dass sie sogar ordentlich gegen den Kopf gedrückt hat, damit er nicht zu schnell kommt.
Als der Kopf endlich geboren ist, wird erst mal das Kind von der Nabelschnur befreit. Die lag doch tatsächlich zweimal um den Hals. Dann soll ich „schnell“ machen, um den Körper zu gebären. Wie gut, dass ich so angenervt bin, das gibt mir Kraft – und nahezu ohne Presswehen wird der kleine Körper geboren, mit Hilfe von C., die ordentlich mitarbeitet. Und dann wird das kleine Wunder auf meine Brust gelegt.

Es ist 22:50 Uhr.
Sie quäkt kurz und leise. Gurgelt ganz schön (vom Fruchtwasser?) beim Atmen. Und schreit dann nochmal lauter. Danach ist sie aber ganz ruhig und kommt staunend in dieser Welt an. Gleich von Anfang an ist sie total fixiert auf Männes Stimme, sucht immer nach ihm.
Ich werde nochmal kurz untersucht. Zwei kleine Risse in der Schamlippe werden von C. genäht. Aua. Das tut weh. Irgendwie zwickt das Nähen viel unangenehmer als die Wehen vorher, dabei ist es nur jeweils ein kleiner Stich. Oder vielleicht lassen die körpereigenen Drogen auch viel zu stark nach, als mir das lieb ist. Bei den Wehen konnte ich so schön mitgehen. Aber das Nähen und das Bauchabtasten nach der Geburt „autschen“ ganz schön arg.
Nun sind wir erst mal 2,5 Stunden allein. Nackt kuscheln. Zuerst mit mir, inklusive erster Stillversuche, dann mit ihrem Papa.

Nur kurz kommt C. nochmal zurück und bringt uns ein volles Tablett mit Brot, Marmelade, Käse und heißem Kaffee. Die obligatorische dänische Flagge darf auch nicht fehlen. Schließlich feiert jemand Geburtstag. Ich schlage voll zu, während die anderen kuscheln. Was bin ich hungrig. Später besorgt Männe sogar noch Nachschub.Nach 2,5 Stunden futtern und kuscheln kommt C. nochmal und wiegt und vermisst die Kleine und fragt uns, ob wir auf der Familienstation übernachten möchten. Bis zu zwei Tage können wir bleiben. Wir sagen zu und sie geht wieder, mit dem Versprechen uns anzumelden und gleich rüber zu bringen. Während wir warten, schlafen wir alle ein. Die Kleine auf dem Papa.

Gegen 3:00 Uhr werden wir von C. auf die Familienstation gebracht. Die Sozial- und Gesundheitskrankenschwester nimmt uns dort in Empfang. Sie zeigt uns kurz das Zimmer und fragt uns, ob wir noch Hunger haben. Nein, danke.
Auf das Babybett wird auch kurz hingewiesen, allerdings mit dem recht deutlichen Hinweis, dass das eigentlich nur für die Geschenke oder fürs kurze Ablegen gedacht ist, denn die Kleine möchte doch sicherlich viel lieber auf unserer nackten Haut liegen.
Und so liegt die Kleine die nächsten Stunden auf ihrem Papa und in den Morgenstunden ist dann Schichtwechsel inklusive Stillen, das mir kurz von der Krankenschwester gezeigt wird. Als der Papa wach ist, geht die Kleine wieder zu ihm und ich krieche langsam in die Küche, um Frühstück zu besorgen. Huuunger!
Bereits mittags verlassen wir das Krankenhaus. Wir vermissen einfach unser großes, gemütliches Bett.

Jetzt Zuhause vermisse ich die grenzenlose Verfügbarkeit des Essens und das absolute Nichtstun. Hier ist es aufgrund des kurzfristigen Zimmertauschens noch recht chaotisch. Trotz allem ist es Zuhause halt doch am Schönsten. 


Neumond Post mit Kulmine Novemberaktion

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Schon früh in der Schwangerschaft zeichnete sich ab, dass der Vater meines Kindes in unserem weiteren Leben keine große Rolle spielen würde. Deshalb waren meine Ängste und Gedanken in Bezug auf die bevorstehende Geburt vielleicht ein wenig anders gelagert als bei vielen anderen Frauen:
Würde ich allein sein, wenn die Geburt losging? Wie würde ich zum Geburtsort kommen? Wen würde ich anrufen? Würde ich allein in die Geburt gehen, oder jemanden mitnehmen? Wenn ja, wen?

Zum Glück wusste ich um die prekäre Lage der Geburtshilfe!

Um mir alle Optionen offen zu halten, bemühte ich mich frühzeitig um einen Platz im nächstgelegenen Geburtshaus. Ich könnte es mir ja später immer noch anders überlegen, dachte ich bei mir.
Schon beim Info-Abend hatte ich ein gutes Gefühl, obwohl ich die einzige war, die allein dort saß unter knapp 30 Pärchen und einigen Frauen, die ihre Mütter oder Freundinnen mitgebracht hatten.
Die Betreuung in meinem Geburtshaus umfasste die Vorsorge, die Geburt wahlweise im Geburtshaus oder zuhause und das Wochenbett – alles von einem Team von zwei Hebammen, die ich während der Schwangerschaft gut kennenlernte und zu denen ich ein enges Vertrauensverhältnis aufbaute. Je näher die Geburt rückte, umso mehr wuchs meine Erleichterung darüber, diesen Weg gewählt zu haben. Die Vorstellung, mich im nächstgelegenen Krankenhaus in die Hände des zufällig diensthabenden Klinikpersonals zu geben – womöglich noch ohne eine vertraute Person an meiner Seite – hätte mich sehr nervös gemacht. 

Meine Hebamme fragte mich immer mal wieder, ob ich jemanden zur Geburt mitbringen wollte. Ich hatte den Gedanken, allein nur mit der Hebamme zu gebären, schon lange hin und her gewendet, und mit der Zeit wurde ich selbstbewusst genug, ihn nach außen zu tragen. Ich fragte die Hebamme, ob es öfter mal Frauen gäbe, die sich dies wünschten. Sie sagte: „Ja. Aber die meisten trauen sich nicht, es ihrem Mann zu sagen.“ Ich staunte. Auf einmal befand ich mich in einer Luxus-Situation – außer mir selbst gab es niemanden, auf dessen Befindlichkeiten ich bezüglich der Geburt Rücksicht nehmen musste!

Einen Tag nach dem errechneten Termin setzten die Wehen ein. Es ergab sich, dass meine Mutter gerade bei mir war und mich ins Geburtshaus begleitete. Obwohl wir uns vorher einig gewesen waren, dass sie bei der Geburt nicht dabei sein würde, blieb sie dann doch, hielt sich im Hintergrund und es passte für uns beide. Meine wunderbare Hebamme und eine Hebammenschülerin trugen mich durch die Geburt, die viel schmerzhafter war, als ich es mir in meinen pessimistischsten Träumen hätte vorstellen mögen. Doch wenige Stunden, nachdem es überstanden war, durfte ich mit meinem Baby nach Hause, wo ich über die nächsten Wochen von den Hebammen betreut wurde. 

Ganz ehrlich, gebären macht keinen Spaß. Aber es war trotzdem so ein wunderbares, magisches Ereignis und rückblickend fühlt es sich an, als wäre ich die ganze Zeit unter Freunden gewesen. Die Atmosphäre war nicht medizinisch oder fremd, sondern heimelig.
Sollte ich nochmal schwanger werden, würde ich jederzeit wieder das Geburtshaus mit seinen tollen Hebammen als Geburtsort wählen!

Ein ganz anderes Thema begegnete ihr dann im Wochenbett: Der Wochenfluss.

Stoffbinden stand ich lange zwiegespalten gegenüber.
An sich fand ich das Prinzip cool. Ein paar Stoff-Slipeinlagen besitze und nutze ich schon länger und gern hätte ich mich auch einmal durch das Bindensortiment von Kulmine getestet – aber als überzeugte Nutzerin von Menstruationstassen bestand einfach keine Notwendigkeit (never change a running system!). Und so habe ich mich immer aus Vernunftgründen selbst davon abgehalten, „einfach nur aus Spaß“ Stoffbinden zum Testen zu bestellen. 

Vor der Entbindung meines Kindes bekam ich von zwei Freundinnen Restbestände aus ihrer Wochenbettzeit geschenkt, unter anderem mehrere angebrochene Packungen Wegwerfbinden. Prima, dachte ich, so muss ich mich um nichts kümmern und kann diese für den Wochenfluss nutzen.
Wegwerfbinden hatte ich zuletzt als Teenie genutzt und konnte mich vage daran erinnern, dass ich dann schnell auf Tampons und dann die Tasse gewechselt war. Für die sehr begrenzte Zeit des Wochenflusses, so dachte ich, würde ich damit prima klarkommen. 

Aber oh Graus! Wie sehr hatte ich die Ekelhaftigkeit dieser Wegwerfbinden unterschätzt. Das schwitzige Plastik-Gefühl hätte ich, mit häufigem Wechseln, vielleicht noch aushalten können. Aber der Gestank war wirklich nicht zum Aushalten. Schlagartig erinnerte ich mich, warum ich damals so schnell bei Tampons gelandet war. Dass es wirklich Leute gibt, die Monat für Monat ihre Mens mit Wegwerfbinden bestreiten, ist mir unerklärlich.
Zum Glück stand ich in regem Kontakt mit Petra, und auf meinen Hilferuf hin schwang sie sich höchstpersönlich aufs Fahrrad und gab eine Ladung Stoffbinden in die Post, die am nächsten Tag schon bei mir war. Ich habe diese Binden sehr schnell schätzen gelernt und heute, über ein Jahr später, sind sie für mich für immer verbunden mit der bittersüßen Erinnerung an diese wahnsinnig anstrengende, wahnsinnig besondere Zeit – das Wochenbett. 

Seit ich wieder einen Zyklus habe, kommt meist die Lunette wieder zum Einsatz. Aber in fast jedem Zyklus benutze ich auch ein- oder zweimal eine Stoffbinde, aus Nostalgie und weil sie einfach so schön sind!
 


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Stoffbinden im Wochenbett – geht das?

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Erst mal dieses Wort: Wochenfluss. So wie auch Wochenbett und Wöchnerin klingt der Begriff in meinen Ohren etwas altbacken. Der Begriff leitet sich ganz einfach davon ab, dass Frauen nach der Geburt ein Wundsekret ausscheiden, welches aus Blut, weißen Blutkörperchen, Plazentagewebe und Vaginalsekret besteht. Zu Anfang noch überregelstark und rot, wird der Ausfluss im Laufe mehrerer Wochen immer schwächer und heller. Nach einem Kaiserschnitt tritt ebenfalls Wochenfluss auf, wenn auch schwächer und kürzer. Meist ist der Wochenfluss mit dem Ende des Wochenbetts nach rund sechs Wochen versiegt.

Um den Wochenfluss kursieren viele Mythen. Lange dachte man, er sei hoch infektiös; Frauen im Wochenbett sollten daher beispielsweise nicht baden. Mittlerweile weiß man, dass der Wochenfluss genau so wenig mit gefährlichen Bakterien versetzt ist wie das normale Periodenblut. Es ist nur nicht empfehlenswert, Tampons oder Menstruationstasse zu verwenden, da dies zu einem Rückstau des Blutes führen kann. Dies wiederum kann eine Infektion begünstigen. Die Herausforderung ist also, die anfangs sehr starke, mit der Zeit immer schwächere Absonderung mit luftdurchlässigen Binden aufzufangen; viele Frauen finden den Gedanken unangenehm, da sie sonst für ihre Periode auf Tampons, Menstruationstasse oder andere alternative Mensprodukte zurückgreifen. Auch mir war der Gedanke unheimlich, über mehrere Wochen Wegwerfbinden zu verwenden, da ich schon seit mehreren Jahren keine Wegwerf-Menstruationsartikel mehr im Gebrauch habe.

Da ich schon länger Faltbinden von Kulmine nutze, lag die Idee nahe, diese auch im Wochenbett zu verwenden. Meinen Bestand an Kulmine-Stoffbinden habe ich noch durch selbst genähte Faltstoffbinden aus Flanell ergänzt. Wichtig ist, dass die Binden so atmungsaktiv wie möglich sind; eine PUL-Schicht, wie sie viele Stoffbinden aufweisen, war für mich daher keine Option.

Die ersten Tage nach der Geburt habe ich die im Krankenhaus angebotenen Vorlagen verwendet (von vielen Frauen liebevoll „Surfbretter“ genannt und als Pelzys im Handel erhältlich). Zuhause bin ich direkt auf die Stoffbinden umgestiegen. Da wir unsere Tochter mit Stoff wickeln, konnte ich die Binden immer mit waschen und hatte keinen extra Aufwand.

Was ist nun der Vorteil von Stoffbinden im Wochenbett?

Erster großer Vorteil: Keine Geruchsbildung. Stoffbinden sind im Gegensatz zu Wegwerfbinden wesentlich angenehmer, was Gerüche betrifft.

Zweiter großer Vorteil: Wie viele Frauen hatte ich leider eine Geburtsverletzung – die empfindliche Naht wurde durch die Stoffbinden nicht gereizt. Erfahrungsgemäß führen bei mir Wegwerfbinden zu Hautrötungen und Irritationen, daher war ich besonders froh um die Stoffbinden.

Dritter Vorteil: Die Faltstoffbinden sind in ihrer Dicke wesentlich dünner als die handelsüblichen Wegwerfbinden ohne Plastikfolie und tragen somit (auch optisch) weniger auf. Ich habe meine Tochter im Spätsommer zur Welt gebracht und war froh, bei der Verwendung der Binden kein „Windelgefühl“ zu empfinden und sogar recht dünne Hosen tragen zu können.
Schlussendlich habe ich durch das Verwenden von Stoffbinden eine ziemliche Menge an Müll vermeiden können.

Die Zeit im Wochenbett ist, neben vielen wundervollen, positiven Dingen, für viele Frauen von Müdigkeit, Hormonschwankungen, Babyblues und etlichen neuen Herausforderungen geprägt. Die Verwendung von Stoffbinden hat mir diese Lebensphase ein Stück weit angenehmer gemacht und ich möchte diese Erfahrung nicht missen!


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Mein Wunsch: kein Rechtfertigungsdruck über die Wunschgeburt

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Zunächst möchte ich klarstellen: bisher bin ich keine Mutter, hoffe aber, einmal eine zu sein.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es aber bereits Paare mit einem Kind. Bei einigen ist auch schon ein Geschwisterchen unterwegs. Während vieler unserer Treffen kommt das Gespräch daher irgendwann auf die Frage, wie das Baby denn zur Welt kommen solle.

Dabei fällt mir häufig auf, dass Geburtsentscheidungen welcher Art auch immer von mindestens einer Seite aus auf teils übergriffige Weise hinterfragt werden. Damit meine ich nicht, nach Gründen des Paares für diese oder jene Entscheidung zur Geburt zu fragen und diese zu akzeptieren, sondern die schwangere Frau in die Situation zu bringen, sich für die Geburtswünsche „rechtfertigen“ oder „verteidigen“ zu müssen, wenn z.B. eine Hausgeburt (mit Hebamme) oder eine Geburtshausgeburt gewünscht sind. Auch der gewünschte Verzicht auf PDA oder Kaiserschnitt – sofern nicht medizinisch notwendig – stößt oft auf Unverständnis: Die Geburt müsse man heute doch nicht mehr ertragen und man solle ruhig das komplette Angebot der Schulmedizin nutzen.

Nicht nur ein Kind wird geboren.
Bisher war ich nicht auf der Schwangerenseite und musste mich nicht dafür verteidigen, wie mein Mann und ich unser Kind willkommen heißen möchten. Ich empfinde den Prozess der Geburt auch als Geburt der Eltern: die Geburt ihrer Rollen als Mutter und Vater. Daher ist es für mich wichtig, dass Wünsche, Gefühle und Empfindungen der Eltern – besonders aber der Frau – in dieser für alle prägenden Ausnahmesituation nach Möglichkeit respektiert werden.

Seit mehr als zehn Jahren nutze ich das Zykluswissen der Natürlichen Familienplanung. Für die meisten sind natürliche Vorgänge wie der weibliche Zyklus aber mit Tabus oder sogar Ekel belegt. Die Pille verhindert die „lästige Blutung“. Mit der modernen Medizin lassen sich „eklige“ Begleiterscheinungen der Geburt wie Wehen (Wellen), Blut, Schleim oder Schweiß vermeiden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man davon, dass durch einen Kaiserschnitt „da unten“ danach alles wie vor der Schwangerschaft bleibt und nicht „unnötig“ gedehnt wird.

Gemeinsam geboren werden – was wünsche ich mir?
Für mich und die Geburt unserer Kinder hoffe ich, dass bereits die Schwangerschaft möglichst unkommentiert verläuft. Ich wünsche mir, dass der Geburtsplan, den ich für unser Kind habe, akzeptiert wird und ich meine Kraft für den Prozess des Gebärens und selbst Geborenwerdens nutzen kann und nicht, um meine Wünsche zu rechtfertigen.
Bei Komplikationen, die ein Abweichen von meinen Wünschen erfordern, hoffe ich, dass mir notwendige Eingriffe – sofern zeitlich möglich – erklärt werden. Ich bete darum, dass nicht einfach irgendetwas mit mir geschieht oder mir Dinge unter der Geburt zustoßen, die ich nicht einordnen kann und die mich in dieser sensiblen Phase ängstigen. Ich hoffe, dass ich nach Möglichkeit Zeit bekomme, mich zu arrangieren. Ich wünsche mir, dass Hebammen – und in einem Krankenhaus – ÄrztInnen meine unter ihren Händen wachsende Familie als individuelle Einheit wahrnehmen und es ihnen personell möglich ist, uns achtsam zu begleiten. 

Die Entwicklung im Gesundheitssystem beobachte ich mit großer Sorge.
In meiner Umgebung schließen Geburtshäuser und Entbindungsstationen werden zusammengelegt – zu Lasten der werdenden Familien und des medizinischen Personals gleichermaßen.
Im Wochenbett erhoffe ich offene Ohren und die Möglichkeit, eine Hebamme zu finden, die meine Ansichten teilt und die uns darin unterstützt, als Familie zusammenzuwachsen. Auch hier wird die Situation leider eher schlechter als besser.
In jedem Fall werde ich unsere Wünsche und Bedürfnisse in einem Geburts- und Wochenbettplan festhalten, um für uns wichtige Punkte griffbereit und formuliert parat zu haben. In der Hoffnung, dass wir – mein Mann, unser Kind und ich – gut und für uns möglichst stimmig als Familie geboren werden.

— Lara


Die selbstbestimmte Geburt hier, heute und in Zukunft!

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Schwangerschaft und Geburt sind natürliche kraftvolle Vorgänge, die nur in Ausnahmefällen ärztlicher Hilfe bedürfen. Um uns dieser Perspektive zu nähern haben wir eine Reihe an Texten zusammengestellt, die weiter wachsen dürfen – als Inspiration für alle zukünftigen Gebärenden.

Nicht noch jemand, die dir sagt, was du tun sollst – sondern jemand, die dir hilft zu tun, was du möchtest.


Schon seit längerem bin ich zutiefst beunruhigt darüber, dass ich zu der schrecklichen Geburtssituation in Deutschland und vielen anderen Ländern keinen Gegenentwurf parat hatte. Eine sehr gute Zusamenfassung der kathastrophalen Lage kann bei Motherhood nachgelesen werden.

Selbstverständlich ist es wichtig, sich zu empören, zu demonstrieren und Petitionen zu unterzeichnen. Doch ich hatte immer das Gefühl: etwas fehlt.


Die Idee

Anfang April war der Knoten geplatzt, endlich hatte ich eine Idee – und sie passt auch noch gut zu Kulmine! Vor dem Hintergrund eines Berichtes über eine selbstbestimmte Geburt empörte sich eine Frau in einem Kommentar auf der Facebook-Seite von Kulmine über die Aussage eines Arztes.
Später entschuldigte sie sich bei mir für diesen öffentlichen Wutausbruch, bekräftigte gleichzeitig aber noch einmal ihre Kritikpunkte. Noch während ich ihr antwortete, kam mir die Idee.
Aber lest selbst:

Die Mail

„Liebe M.,
ich kann deine Wut gut nachvollziehen! Alle Kulminefrauen sind empört und wütend! Ich suche schon länger nach der positiven Aussicht in dem ganzen Dilemma.
Es darf nicht sein, dass die Geburt immer mehr fremdbestimmt wird und die Frauen verstärkt das Vertrauen in ihre Kraft verlieren.
Eine große Zahl von verfügbaren Berichten zu freien Geburten könnten vielleicht verhindern, dass die Frauen selbst glauben, sie seien unter der Geburt hilflos oder sogar krank. Es könnte verhindern, dass sie glauben, sie müssten ihre Verantwortung und freien Willen beim Thema Geburt generell an Krankenhäuser und Ärzt:innen abgeben.
Alle Frauen, die wissen, wie es ist, selbstbestimmt und lebendig zu gebären, können andere Frauen und Männer inspirieren und ihnen damit ermöglichen, an sich zu glauben!
Das ist ein Gegengewicht, an das ich glauben kann. Sonst bleiben einige wenige selbstbewusste Frauen mit ihrem Wissen abgeschottet und unter sich. Dabei sollte dieses Wissen zumindest allen frei zugänglich sein!“


Deshalb laden wir hier Frauen und Männer dazu ein, von ihren selbstbestimmten Geburten zu berichten.

Für einen Bericht müssen es keine perfekten Geburten unter optimalen Bedingungen gewesen sein. Grundsätzlich geht es darum, ob die Frauen und Paare selbst bestimmen konnten, was mit ihnen geschehen sollte und dass sie ihrem Gefühl und ihrer Intuition folgen konnten.
Egal, ob ihr Zuhause, im Geburtshaus oder im Krankenhaus geboren habt, es eine Alleingeburt, eine Geburt zusammen mit Hebammen oder Ärzt:innen,eine Spontangeburt oder Kaiserschnitt war. All das spielt keine Rolle, solange ihr euch würdevoll und respektiert gefühlt habt.

Aber auch Berichte über Geburten, die nicht so verliefen wie gewünscht sind wichtig und vervollständigen Stück für Stück das Puzzle und unser Bewusstsein darum, was Geburt alles sein kann.


Die Reihe beginnt mit der Geburtserfahrungen von Petra.


Petra hat ihre beiden Kinder vor über 30 Jahren geboren. Damals gab es die Bewegung für eine „Sanfte Geburt“. Nur wenige Krankenhäuser folgten diesem Ansatz und es gab noch wesentlich weniger Geburtshäuser als heute. Ihr war ganz klar, dass sie sich unter der Geburt sicher fühlen wollte. Sie wollte nicht für ihre Würde, ihren freien Willen oder gar Gewaltfreiheit kämpfen müssen und auch nicht für die Unversehrtheit der Neugeborenen.
Petra wünschte sich Unterstützung bei einer möglichst natürlichen Geburt und danach beim Stillen. In ihrer Region gab es einen Arzt, dem sie vertraute. Er beschäftigte sich damals mit den Methoden von Leboyer und Odent und tat sein Möglichstes für den Schutz der Neugeborenen. Auch das Stillen war für ihn enorm wichtig.
Er arbeitete gemeinsam mit einer Hebamme, die seinen Ansatz teilte und schon über 600 Geburten mit ihm betreut hatte. Bei jeder der beiden von Petras Geburten fuhr sie 60 Kilometer, um in Begleitung von Arzt und Hebamme gebären zu können. Noch heute ist sie froh darüber, denn sie wusste, dass sie viele Aspekte der üblichen Geburtshilfe zumindest als verunsichernd oder gar als traumatisierend und gewalttätig empfunden hätte.
Die Geburten liefen ab, wie zuvor besprochen. „Wir durften in Ruhe mit uns sein. Und doch erschien die Hebamme immer, wenn ich nur dachte: ,Jetzt brauche ich sie‘.“
Doch die Wehen dauerten nicht lang: beide Male waren die Kinder nach drei Stunden geboren. Trotzdem hatte Petra das Gefühl, alle Zeit der Welt zu haben: „Ich konnte jederzeit meine Position wechseln, mit Mann einfach da sein oder auch bei der zweiten Geburt mit Mann und einer Freundin. Ich fühlte mich respektiert und unterstützt – völlig wohl und sicher.“ Beide Jungen wurden um Mitternacht geboren, niemand dachte an einen Schichtwechsel der Hebamme. Der Arzt ging nach Hause, aber nicht, weil er nachlässig war. Vielmehr fand er, dass einfache Geburten in die Hände der Eltern und der Hebamme gehörten. Beide Male kam er kurz nach Mitternacht ohne Murren und froh über die leichten Geburten wieder dazu.
In Petras nahem Bekanntenkreis gab es ansonsten nur Frauen, die eine Hausgeburt planten, ins Geburtshaus gingen oder – wenn nötig – mit ihrer Beleghebamme ins Krankenhaus fuhren. 

So ging Petra mit der Zeit der Bezug zum üblichen Geburtsablauf in Krankenhäusern verloren. Allerdings las sie im Laufe der Jahre ausschließlich von tollen Kreißsälen in Krankenhäusern und davon, wie eine Geburt sanfter als die nächste sei. Vor einigen Jahren lernte sie jedoch eine junge Hebamme kennen, die in verschiedenen Krankenhäusern gearbeitet hatte: „Bis dahin glaubte ich wirklich, dass die ,Sanfte Geburt‘ im Krankenhaus inzwischen normal geworden ist und dass davon abweichende Berichte nur Ausnahmen sind.“
Doch die Schilderungen der jungen Hebamme desillusionierten Petra sehr: „Sie meinte, oft sei die ,Sanfte Geburt‘ eine Marketingstrategie. Innerhalb des Krankenhauses ging es aber um Zeit, Geld und Macht.“ Eine ältere Bekannte, die früher als Hebamme im Krankenhaus gearbeitet hatte und nach langer freiberuflicher Tätigkeit aus finanziellen Gründen wieder im Krankenhaus anfing, hielt dort nur ein paar Monate durch. Sie erlebte den Zeitdruck als unmenschlich für die Gebärenden und das Personal gleichermaßen – so kündigte sie wieder.

Durch diese Berichte aufmerksam gemacht, begann sich Petra wieder neu zu informieren:
„Da ich den Start in das Leben so wichtig finde, wuchs mein Interesse für Schwangerschaft und Geburt in der heutigen Zeit und erschrocken musste ich feststellen, wie schlimm die Lage mittlerweile schon geworden ist.“

Schließlich wurde daraus die Idee geboren, eine positives Gegenstück zur sich verschlechternden Geburtssituation zu schaffen und auf dem Blog von Kulmine eine Plattform zu schaffen, in der Raum ist für das, worüber sonst nicht geredet wird.

Teilt eure Geburtserlebnisse! 
Teilt eure Selbstständigkeit, die Würde und das Wunder der Geburt!


Berichte können gerne per Email mit dem Betreff „Geburtsbericht“ geschickt werden.
Sie werden je nach Wunsch anonym oder mit (Vor)Name auf dem Blog erscheinen.

Weiterführende Links zu dem Thema:

Über die Arbeitsbedingungen einer Hebamme im Kreissal: Manchmal betreue ich parallel drei Frauen mit Wehen

Roses Revolution: Über den internationalen Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe

Ein Podcast des WDR: Weinen hilft dir jetzt auch nicht: Gewalt in der Geburtshilfe (Inhaltswarnung zu detaillierten Beschreibungen von Gewalt während der Geburt.)

Birth Becomes Her: Eine ganz besondere Sammlung von Bildern rund um die Geburt (Facebook)

Ein historischer Blick auf Geburtspositionen im Kontrast zur heute verbreiteten Position.

‚Kulmine on Tour‘ zu Gast bei Stückgut

Seit Anfang diesen Jahres hat nun auch Hamburg endlich einen Unverpackt Laden. Von Anfang an wollten wir aber nicht nur ein Laden sein, sondern auch eine Plattform zum Austausch über alle Themen im Bereich Müllvermeidung schaffen. Daher bieten wir einmal im Monat einen Vortrag oder Workshop an.

Bisher ging es ganz allgemein um Zero Waste und Müllvermeidung im Alltag. Nach und nach werden die Themen spezieller und als Petra uns angeboten hatte, vorbei zu kommen und uns über Damenhygiene und die Kulmine Produkte zu informieren, habe ich sofort ja gesagt und war ganz optimistisch davon ausgegangen, dass sich unsere begrenzte Anzahl an Plätzen wie üblich in Kürze füllen würde. Dem war aber nicht so – erst 2, dann 3 – später 5 Anmeldungen. Ich war schon kurz davor das Event wieder abzusagen, aber Petra war ganz entspannt und sagte uns zu, trotzdem zu kommen. Ich wusste gar nicht so recht was uns erwartet; wie schafft man es einen Info Abend zu bestimmten Produkten zu machen, ohne dass es zu sehr den Anschein einer Verkaufsveranstaltung hat? Im Nachhinein muss ich sagen, dass meine Sorgen völlig unbegründet waren und die kleine Gruppe von 7 Frauen für dieses sensible Thema perfekt gewesen ist. Petra hat mit ihrer offenen und herzlichen Art jede Frau dort abgeholt, wo es richtig war – von der Teenagerin bis zur Hebamme; und für mich als Ladnerin war es sehr informativ und der stressfreieste Veranstaltungsabend, den es je gab!
Ich kann also nur jedem Unverpackt Laden empfehlen, Petra zu Euch einzuladen!

Selbstverständlich haben wir an dem Abend eine Menge über die verschiedenen Produkte gelernt; was mich aber am meisten begeistert hat, war das Thema Damenhygiene und Menstruation von einer ganz anderen Seite zu beleuchten und zu verstehen, dass es eben kein Tabu Thema sein sollte, weder in der Gesellschaft noch für eine Frau selbst. ‚Sag JA zur Periode, sag JA zu Deinem Körper!‘


Mein Weg zur natürlichen Verhütung

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Und schon kommt der dritte Teil der Reihe Pillenfrei!
Seit ich 14 war, saugte ich alle Informationen auf, die es zu Verhütungsmitteln gab. Nicht weil ich dafür Bedarf hatte, sondern weil mich das Thema faszinierte. Die Materialien, die ich las, bekam ich über die Schule und waren von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Und es war das Unterrichtsmaterial aus dem Biologieunterricht. Aber egal was ich las, eine Anmerkung meiner Mutter, die ich als Kind gehört hatte, begleitete mich dabei.

Ich hatte damals bei einem Besuch einer befreundeten Familie gefragt, was „das“ wäre. „Das“ war ein Pillenblister und meine Mutter erklärte, wofür man die Tabletten nahm. Auf meine Frage, ob sie das auch nähme, sagte sie, dass sie starke Nebenwirkungen davon hatte und sie deswegen nicht mehr nahm.
Jahre später würde ich Tabellen mit aufgelisteten Verhütungsmitteln lesen und ernst zu der Spalte mit den Nebenwirkungen gucken. Die hatte eine ganze Reihe von Sachen, die ich nicht wollte. Damals hatte ich noch keinen Namen dafür, aber ich hatte und habe eine hypochondrische Ader in mir und mir wurde schon beim Durchlesen der Nebenwirkungen anders. Wie wäre es erst, wenn ich damit verhüten würde? Dazu kam, dass ich wusste, dass ich eine chronisch schlecht organisierte und hoch vergessliche Person war. (Diesmal nur war, denn es ist zum Glück etwas besser geworden über die Jahre!) Ich traute mir nicht zu, jeden Tag zu einer ähnlichen Zeit die Pille zu nehmen.

Ich tröstete mich damit, dass am Anfang ja sowieso Kondome wichtig wären und verschob Gedanken an die Pille auf einen anderen Tag. Es half, dass in meiner Freundinnengruppe fast keine die Pille nahm. Es war auf eine Weise auch einfach nicht Thema und weil ich nur einmal wegen konkreter Beschwerden zu einer Frauenärztin ging, gab es auch niemanden, der/die mir die Pille empfehlen konnte.

Der Weg zu „meiner“ Verhütungsmethode zeigte sich am Ende über Umwege. Denn in meiner Suche zu Informationen zum Mooncup stolperte ich mit 18 über das Nfp-Forum. Aber ich war ja nur da, um über Menstässchen zu lesen, NIEMALS würde ich mit so einer unsicheren (sic!) Methode wie Temperaturmessen und Körperbeobachtung verhüten! Da war ich mir so sicher. Und doch … las und las ich und saugte alle Informationen auf, die ich finden konnte. Endlich mehr über die Zusammenhänge erfahren und verstehen, endlich Wissen verknüpfen!
Irgendwann war ich so neugierig, dass ich beschloss, meinen Zyklus einfach so zu beobachten. Denn schon eine ganze Weile ging mir auf die Nerven, dass ich regelmäßig wieder Angst hatte, schwanger zu sein. Ich verhütete immer sorgfältig mit Kondomen und doch begleitete mich ein Gefühl von Unsicherheit. Im Nachhinein denke ich, dass das auch damit zu tun hatte, dass Kondome eher als Verhütung für Krankheiten angesehen werden und selten als ernsthafte Verhütung.
Jedenfalls erhoffte ich mir von der Beobachtung (unter anderem) ein paar Tage weniger Sorgen darum. Das sagte ich mir, aber eigentlich war ich schon unaufhaltsam auf dem Weg zur überzeugten Nfplerin.

Als meine Mutter die Tabelle und das Thermometer fand, war sie tief entsetzt und sagte, dass sie damit schwanger geworden wäre. Doch diesmal hinterließ ihre Anmerkung nicht den gleichen Eindruck wie damals, als es um die Pille ging. Denn eines war mir durch die vielen Gespräche im Forum und dem Studieren von dem Buch zur Methode schon klar geworden: Mit Nfp halte ich die Sicherheit selbst in der Hand.

Kurze Zeit später machte mein damaliger Freund eine kleine Bemerkung zu Kondomen. Und obwohl ich mir sicher bin, dass er weiter ausschließlich Kondome benutzt hätte, wenn das mein Wunsch gewesen wäre … wusste ich, das ich in dem Moment unfruchtbar war und dass das Kondom nicht nötig war. Im Forum hatte ich ein paar Tage vorher mit mehreren erfahrenen Anwenderinnen die Auswertung durchgesprochen und sie hatten bestätigt, dass mein Eisprung sicher vorbei war.
An dem Tag hatte ich das erste Mal Sex ohne Kondom. Und danach hatte ich schreckliche Angst, dass ich mich getäuscht hatte. Dass die Methode doch nicht so sicher war, wie gedacht und … ich fand im Forum wieder Unterstützung. Noch in der Nacht schrieb ich eine persönliche Nachricht an eine Nutzerin, die sich die Kurve noch einmal anschaute und die Auswertung bestätigte und mich beruhigte.
Ich gebe zu, so richtig geglaubt habe ich es trotzdem erst, als meine Mens einige Tage später einsetzte.

Gleichzeitig war diese Erfahrung unglaublich prägend für mich. Über die nächste Zeit ließ ich immer öfter das Kondom an den richtigen Zeiten im Zyklus weg und gleichzeitig ließ endlich meine tiefe Angst vor einer plötzlichen Schwangerschaft nach. Ich fieberte nicht mehr auf jede Menstruation hin und ich hatte beim Sex nicht mehr das Bedürfnis ständig meine Hände zu waschen und meinen Freund zum Händewaschen zu schicken. (Falls sich an den Händen ein verirrtes Spermium befand und das dann irgendwie den Weg in mich finden würde.)

Das Wissen, das ich durch Nfp erwarb, spielte dabei eine sehr große Rolle: 

  • ​Das Ei in mir ist nur 13 Stunden befruchtbar.
  • Spermien überleben nur unter guten Bedingungen und dann höchstens 5 Tage.
  • Es braucht Millionen von Spermien um die Hülle um dem Ei zu knacken, nicht ein einzelnes verwirrtes Spermium, wie ich es mir immer vorgestellt hatte.

Schwangerschaft wurde so zu etwas, bei dem es eigentlich ein Wunder ist, wenn es klappt. Nicht zu etwas, das jeden Moment wie aus dem Nichts einfach so geschehen kann wie ein Schnupfen.
Für mich gab es nie einen Grund die Pille zu nehmen, ich war zufrieden, wie es war. Mich erwischte höchstens mal meine Neugier, dass ich zu gerne wüsste, wie das mit der Pille wäre. Die Angst vor Nebenwirkungen ist aber nicht kleiner geworden und so ist es bis heute so, dass ich noch nie hormonell verhütet habe und es mir auch nicht vorstellen kann. Nur wenn es einen medizinischen über die Verhütung hinausgehenden Grund gäbe, würde ich eine der etablierten Pillen nehmen.

Ich bin froh, so früh eine Alternative gefunden zu haben, denn ich weiß nicht, ob ich weiterhin durchgehend nur mit Kondomen verhütet hätte.
Mit Nfp brauche ich nur ca. die Hälfte des Zyklus Kondome und ich mir auch ein Diaphragma anpassen lassen. So habe ich eigentlich eine ganze Sammlung von Verhütungsmethoden aus denen ich die jeweils passende auswähle.

Der Moment, in dem ich das Nfp-Forum entdeckte, ist für mich im Nachhinein zu einem der wichtigsten meines Lebens geworden. Denn dort fand ich nicht nur meine Verhütungsmethode, sondern entdeckte noch für so viele andere Bereiche wertvolle Informationen auch aus dem gesundheitlichen Bereich. Und ich entdeckte Menschen, die heute in meinem Leben wichtig sind. Petra und Mela waren auch in dem Forum und wir haben uns dort gelesen, bevor wir das erste Mal Kontakt hatten. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Und was für eine tolle!