Es ist nicht egal, wie wir gebären!

Als Nina mich fragte, ob ich über meine Geburt schreiben würde, die ich als selbstbestimmt erlebt habe, dachte ich: Na klar schreibe ich über die Geburt. Aber je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr kam die Erkenntnis: Die Geburt war selbstbestimmt, aber es gab auch einen Weg dorthin, der mindestens genauso wichtig, wenn nicht sogar wichtiger war. 

Schon 2010 hatte ich über die immer kritischer werdende Situation der Hebammen gelesen und wusste – sechs Jahre später – dass ich schnell sein musste, sollte ich schwanger werden.
Ich hatte viele Geburtsberichte gelesen, davon sehr viele positive über außerklinische Geburten mit 1 zu 1 Betreuung und eine aufsuchende Wochenbett-Betreuung. Da war also das diffuse Wissen, dass Hebammen wichtig für Schwangerschaft, Geburt und Wochenbettbetreuung waren, aber wie bedeutsam sie für mein persönliches Erleben derjenigen sein würden, ahnte ich noch nicht im Geringsten.

Als digital native bin ich mit dem Internet aufgewachsen und ohne es wäre ich nicht in der Lage gewesen, mir die Voraussetzungen für eine selbstbestimmte Geburt zu schaffen. Deshalb möchte ich meine Erfahrung mit Interessierten teilen, auch wenn der Text so viel länger geworden ist, als ursprünglich geplant. 🙂


Schwangerschaft und Vorsorge

Mit Sensiplan (eine spezielle Form der Zyklusbeobachtung) konnte ich den Eisprung sicher auswerten und als ich den 15. Tag der 2. Zyklusphase erreichte, wusste ich schon, dass ich schwanger war. Erstens war meine Gelbkörperphase in 10 Jahren nie länger als 14 Tage gewesen und zweitens waren meine ersten Schwangerschaftssymptome gute Laune und Zuversicht. Etwas das mir als nebenberufliche Bedenkenträgerin völlig neu war.
In mir war eine tiefe Sicherheit, dass diese Schwangerschaft halten und ich am Ende ein gesundes Wunschkind in den Armen halten würde. Zum ersten Mal lernte ich also meine Intuition kennen.

Der Schwangerschaftstest fiel positiv aus und ich rief sofort im Geburtshaus an. Ich sollte zum Informationsabend kommen und konnte mich zwei Wochen später für die Schwangerschaftsvorsorge und Geburt dort anmelden. Und ja ich gebe zu: meinen Partner und Vater des Kindes habe ich erst am Abend des positiven Tests informiert. Zu groß war die Furcht, schon in Schwangerschaftswoche (SSW) 4+1 zu spät für die Hebammensuche zu sein.
Beim Informationsabend stellte sich dann tatsächlich heraus, dass einige Schwangere auf die Warteliste kommen würden oder zu spät dran waren.

Bei meiner Frauenärztin stellte ich mich in der 8. SSW vor und sagte absichtlich ein korrigiertes Datum für die letzte Regel, da der Eisprung fünf Tage später statt gefunden hatte und nicht wie im Lehrbuch an Zyklustag 14. Schon meine Mutter hatte dies bei ihrer zweiten Schwangerschaft so gehandhabt, da ich als erstes Kind 11 Tage „zu spät“ auf die Welt kam – einfach weil unsere Zyklen länger als der Durchschnitt sind. Im Ultraschall konnte man sehen, dass sich die Fruchthöhle in der Gebärmutter und nicht im Eileiter befand. Ich informierte meine Frauenärztin fast schon entschuldigend, dass ich die Vorsorge abwechselnd mit den Hebammen durchführe und sollte nichts dagegen sprechen, eine außerklinische Geburt plane.
Sie kommentierte dies nicht, aber ich konnte schon an ihrem Gesichtsausdruck erkennen, was sie darüber wohl denken mochte.

Es werden ja nun allerhand Tests gemacht und ebenso als IgEL (individuelle Gesundheitsleistung, privat zu zahlen) angeboten. „Zur Sicherheit“ ließ ich Toxoplasmose, Ringel-Röteln und CMV (Cytomegalie-Virus) bestimmen – letzteres da man sich nur durch vorbeugende Hygiene-Maßnahmen schützen kann und eine Infektion in der Frühschwangerschaft schwere Behinderungen des Kindes nach sich ziehen kann. Zudem ist eine Antikörper-Therapie ein off-lable Einsatz – die Medikamente kosten mehrere Tausend Euro und man ist auf eine freiwillige Erstattung durch die gesetzliche Krankenkasse angewiesen.
Nun stellte sich heraus, dass meine von mir vermutete Mononukleose zwei Monate vor der Schwangerschaft tatsächlich eine CMV Infektion gewesen war. Zumindest deuteten die Antikörper auf eine Infektion mindestens acht Wochen vor der Empfängnis darauf hin.

Auf einmal war ich eine Risikoschwangere und wurde zu zusätzlichen Ultraschalls an eine DEGUM 2 Gynäkologin überwiesen. Diese datierte den Entbindungstermin in SSW 13 auf Grund der Größe des Fetus fünf Tage vor – obwohl ab der 11. SSW die Größenbestimmung per Ultraschall sehr unsicher ist und laut Leitlinien auch nicht empfohlen wird. Meine Gynäkologin übernahm diesen ET und ließ sich nicht auf Diskussionen ein. Wie eine Eireifung noch während der Menstruation zu einem Eisprung an Zyklustag neun führen soll, bleibt mir bis heute ein Rätsel.
Zu diesem Zeitpunkt wurde mir allmählich klar, dass man einer Schwangeren jegliches Verfügungsrecht über ihren Körper abspricht und sie quasi entmündigt, indem ihr Angst gemacht wird: „Wir wollen doch nicht, dass Ihrem Kind etwas passiert!“ Da ging ich nun nach dem Termin aus der Praxis, fast 30 Jahre alt, mit abgeschlossenem naturwissenschaftlichen Studium und Note 1 vor dem Komma und fühlte mich bevormundet wie ein Kind. Der Irrsinn ging weiter: in der 34. SSW wurde beim DEGUM 2 Schall das Gewicht unter der 3. Perzentile gemessen – kein Wunder, denn das Kind war aus ärztlicher Sicht älter. Die Diagnose: small for gestational age (Wachstumsretardierung).
Zu diesem Zeitpunkt erlebte ich meine Arbeitssituation zunehmend als sehr belastend, insbesondere, dass ich viel Stehen und Gehen musste.

Anstatt meinen mütterlichen Organismus von diesem vielen Stehen/Gehen und dem Lärm und Stress zu entlasten und mich aus einer Arbeitssituation zu nehmen, in der die Mutterschutzrichtlinien nur minimal umgesetzt wurden, schürten die Ärzte latente Sorgen. Anstatt die Ursache des leichten Kindes in der Minderdurchblutung der Gebärmutter unter Adrenalin-Dauerbeschuss zu suchen (der Körper reduziert unter Stress die Durchblutung weniger überlebenswichtiger Organe wie Niere und Gebärmutter), versteiften sich die Ärzte auf eine mögliche Krankheit des Kindes. In der Anmeldung zur Geburt in meinem Wunschkrankenhaus, falls das Geburtshaus keine Option mehr sein würde, ging es keineswegs um meine Wünsche im Geburtsplan, sondern nur darum, dass eine außerklinische Geburt nicht empfohlen wird.
Bei der gynäkologischen Pflichtuntersuchung für außerklinische Geburten an Entbindungstermin plus ein, zwei oder drei Tage waren Fruchtwassermenge und Plazentaverkalkung normgerecht, alle Parameter unauffällig, nur das CTG gefiel meiner Frauenärztin nicht: die Frequenz war bei 170 Schlägen pro Minute. Das CTG wurde nach einer Stunde wiederholt und war auf 120 Schläge pro Minute gesunken. Das war ihr nun wiederum zu niedrig und sie wollte mich am gleichen Abend in die Klinik schicken.

Zu dem Zeitpunkt war ich mental aber schon soweit und dachte mir: „Ihr könnt mir alle mal die Füße kraulen!“ Im Wartezimmer lief ein enorm lauter Lüfter, weil es ein sehr schwüler Tag war – kein Wunder dass mein Baby dadurch Stress bekam, weil es ihm eine Dreiviertelstunde zuhören musste. Mein Baby bewegte sich, seit ich die Kindsbewegungen spüren konnte, derartig viel, dass ich dachte, es käme durch die Bauchdecke geturnt. Eine solche Muskelaktivität kann keine Sauerstoff- oder sonstige Unterversorgung bedeuten.
Ich hatte genug und ging ab dieser Vorsorge nur noch zu meinen Hebammen. Die Ultraschalluntersuchungen hatten keinen Hinweis auf Organschädigungen ergeben, nach meinem Resturlaub und Mutterschutz hatte das Baby in einem Monat mehr als ein Kilogramm an Gewicht wieder aufgeholt und befand sich auf der 33. Gewichtsperzentile. Ich hatte alle Untersuchungen, die mir sinnvoll erschienen, durchgeführt und hatte genug Sicherheit, um mit gutem Gewissen eine außerklinische Geburt zu beginnen. Alle Parameter wie Blutdruck, Urin, Gewicht und Blutzucker waren absolut unauffällig.
Trotzdem schienen die Ärzte auf Teufel komm raus etwas krankhaftes als Ursache finden zu wollen.

Wie anders fühlte ich mich nach den Hebammenvorsorgen: statt 10 Minuten Gespräch hatte ich mindestens 45 Minuten. Die Räumlichkeiten waren einladend, gemütlich und das Geburtszimmer wie eine warme und vertraute Höhle. Da ich fast keine Beschwerden in der Schwangerschaft hatte, traute ich mich zuerst nicht, diese zu genießen und befürchtete ein „dickes Ende“. Die Hebamme M. ermutigte mich, die Schwangerschaft mehr zu genießen. Bei der Risikoaufklärung konnte die Hebamme P. mir helfen, einen realistischen Blick auf die Risiken unter der Geburt zu bekommen – ich vertraute mehr und mehr meiner Intuition, dass die außerklinische Geburt die bessere Option für mich, mein Baby und meinen Partner war. Mir wurde zu jeder Zeit die Option offen gelassen, doch ins Krankenhaus zu gehen, falls ich das möchte.
Als die Diagnose small for gestational age (Wachstumsretardierung) gestellt wurde, durfte ich vor Hebamme O. meine Gedanken in Ruhe ausformulieren, dass Ultraschall-Untersuchungen durchaus ungenau sein können, ich selbst auch ein sehr leichtes Kind war und dass die Infektion höchstwahrscheinlich ausreichend lange vor der Empfängnis abgeklungen war. In der 37. SSW erfasste mich eine emotionale Krise und ich weinte sehr oft. Ich hatte auf einmal Angst vor der emotionalen Herausforderung, Mutter zu werden und mich selbst noch als Kind meiner Eltern zu fühlen. Hebamme L. sprach mich darauf an und hielt meine Tränen aus.

„Ein Kind braucht am Anfang nur genug zu essen, will es warm und kuscheln.“ Nach jeder Vorsorge war ich gut gelaunt, glücklich, in engem Dialog mit meinem Kind, vertraute meinem Körper und seiner Fähigkeit zu gebären. Ich fühlte mich respektiert, mit meinen Sorgen Ernst genommen, durfte vaginale Untersuchungen ablehnen, damit ich mich nicht selbst unter Druck setzte, ob der Muttermund nun schon verstrichen oder ein Finger einlegbar war. So fiel es mir noch leichter, in Ruhe abzuwarten, dass sich mein Baby von selbst auf den Weg macht.
Im Krankenhaus leitet man ja gerne schon ab ET+7 bzw. ET + 10 ein und bei ET + 14 wäre ich vermutlich sehr hohem Druck ausgesetzt gewesen. Wohl bemerkt ärztlich verursachtem Druck durch Vordatierung!


Die Geburt

11 Tage nach dem korrigierten Entbindungstermin und sech Tage nach dem Entbindungstermin, den ich basierend auf Regeln von Sensiplan erreichnet hatte, ging ich morgens auf Toilette und bemerkte auf dem Weg, dass Flüssigkeit aus mir rann. Ich war sofort hellwach und aufgeregt: Das konnte nur bedeuten, dass die Fruchtblase geplatzt und die Geburt nun definitiv in Gang gesetzt war. Ich fing etwas Flüssigkeit auf und testete den pH Wert, Aussehen sowie den Geruch. Das Stäbchen wurde tiefblau und der Geruch der Flüssigkeit erinnerte mich an Sperma. Dank Google erfuhr ich, dass das normal war.
Nachdem ich geduscht und mir Pelzys in die Unterhose geklemmt hatte, rief ich meine Hebamme M. auf dem Rufbereitschaftstelefon an.
Sie klang sehr müde und ich erfuhr später, dass sie in der Nacht gleich zwei Geburten gehabt hatte. Trotzdem war sie immer noch sehr freundlich, hat sich einfühlsam mit mir gefreut, dass es nun endlich los gehe und wir besprachen, dass ich nicht sofort ins Geburtshaus kommen muss, da ich um 9 Uhr sowieso noch eine geplante Vorsorge haben würde.

Diese war bei Hebamme K. vom anderen Team, die ich bisher noch nicht kennen gelernt hatte, aber bei der ich mich auch sofort wohl fühlte. CTG, Urin und Blutdruck waren unauffällig und der Muttermund verstrichen. Da sich „richtige“ Eröffnungswehen noch nicht blicken ließen, besprachen wir, dass ich um 16 Uhr noch mal anrufen sollte und wir dann besprechen, ob ich eine halbe Dosis Rizinusöl einnehmen soll, um die Wehen in Gang zu bringen.
Auf Grund des vorzeitigen Blasensprungs mussten wir die 24 Stunden Grenze etwas im Auge behalten. Innerhalb dieses Fensters sollte das Kind auf der Welt sein. Ich sollte über den Tag eigenverantwortlich meine Temperatur messen, um eine aufsteigende Infektion rechtzeitig zu erkennen.

Zuhause angekommen, machte ich der Mutter meines Freundes klar, dass ich den Kopf nicht für die Geburt frei haben würde, solange sie noch in unserer Wohnung sei. Sie hatte uns ins Geburtshaus zur Vorsorge gefahren, da mein Freund am vorigen Tag eine kleinere Operation mit Vollnarkose gehabt hatte und noch nicht wieder ein Fahrzeug führen durfte. Der Onkel meines Freundes fuhr ihn noch einmal ins Krankenhaus für die Röntgenkontrolle.
Ich backte derweil einen Geburtstagskuchen und putzte die Küche ein letztes Mal so richtig gründlich. Als mein Freund wieder da war, verabschiedeten wir seine Mutter. Nun hatte ich endlich den Kopf frei und war bereit, die Wehen kommen zu lassen. Ich tigerte durch das Haus, räumte hier und dort noch auf, aß eine große Portion Nudeln und stieg vor allem viele Treppen.
Die Wehen waren nun als schmerzhaftes Ziehen zu spüren und kamen etwa alle 10 – 20 Minuten.

Wie es im Geburtsvorbereitungskurs gezeigt worden war, stützte ich mich auf Tisch oder Tresen um die Körpermitte zu entspannen und atmete in den Bauch in den leichten Schmerz hinein – dann mit geöffnetem Mund wieder aus. Um 16 Uhr telefonierte ich mit K. und wir vereinbarten, dass ich mir um 18 Uhr ein Spiegelei mit Rizinusöl brate. Bis dahin machten wir noch einen kleinen Spaziergang. Es war ein kühler und bewölkter Augusttag mit ein wenig Nieselregen und ich war froh, dass es nicht hieß und schwül war.
Nach dem Rizinusöl-Spiegelei ließ ich ein warmes Bad ein und wir sahen eine seichte Komödie auf dem Computer, während wir die Wehenabstände stoppten. Sie kamen nun schon alle acht Minuten und forderten meine volle Konzentration beim Veratmen.
Nach einer Stunde wollte ich aus der Wanne heraus – die abführende Wirkung hatte eingesetzt. Wir machten uns mit dem Auto auf den Weg ins Geburtshaus – die Wehen kamen alle sieben Minuten und die letzte Wehe nach 30 Minuten Fahrt im Auto war bereits richtig gemein. Mein Freund suchte einen Parkplatz und ich klingelte an der Tür des Geburtshauses.

Es ist 21:06 Uhr und K. öffnet mir mit L., die gerade als neue Kollegin eingearbeitet wird, die Tür. Sie begrüßen mich strahlend und ich weiß: alles wird gut. Jegliche Nervosität fällt von mir ab. Wir gehen ins Geburtszimmer und ich werde noch einmal eine halbe Stunde ans CTG angeschlossen – es zeigt wieder keine Auffälligkeiten. Ich liege auf dem Bett und die Hebammen knien auf dem Boden. Was mir zuerst merkwürdig erscheint, weicht der Erkenntnis: heute geht es einmal nur um mich, meine Bedürfnisse und mein Geburtserlebnis. Die Stimmung ist gut und wir plaudern etwas.
Die vaginale Untersuchung ergibt, dass der Muttermund erst wenige Zentimeter geöffnet ist und uns wird empfohlen, noch einmal nach Hause zu fahren – interessanterweise weiß ich davon gar nichts mehr. Meinen Freund macht die Aussicht auf die längere Fahrt nach Hause etwas nervös. Ich bleibe wohl einfach sitzen. Dann werden wir gefragt, ob wir noch einmal spazieren gehen möchten und die Hebammen ziehen sich zurück.
Doch bereits im Flur merke ich, dass das nichts wird. Ich habe keine Lust mehr, viel zu sprechen und werde in mich gekehrt. Ich setze mich wieder auf das Bett und die nächste Wehe überrollt mich derart schmerzhaft, dass ich laut töne – es ist ein merkwürdig vertrautes Gefühl. Als ob der Ton meinen Körper in der perfekten Frequenz trifft und ihn in Schwingung versetzt. Vielleicht ein Ton so alt wie die Menschheit selbst. Ab diesem Zeitpunkt verschwimmt meine Wahrnehmung.

Die Hebammen kommen zurück, wahrscheinlich haben sie das Vertönen sofort richtig eingeordnet. Mir wird ein Positionswechsel vorgeschlagen. Ich knie vor dem Bett und lehne den Oberkörper aufs Bett. Ich atme in den Bauch, in den Schmerz hinein und töne mit einem „aaaah“ wieder aus. An meinem Ohr höre ich L., wie sie mir hilft und ich folge ihrem aaaaaaaaoooooooh. Es ist wie ein Leuchtturm zur Orientierung, während ich ein Spielball der Wehen werde. Wie ein kleines Boot auf einem riesigen Ozean. Instinktiv kreise ich mein Becken.
Mir wird schlecht, ich verlange das Nierenschälchen. Die Übelkeit vergeht jedoch, ohne dass ich mich übergeben muss. Ich friere und schwitze gleichzeitig; ziehe Jogginghose und T-Shirt aus. Die Wehen kommen erbarmungslos, kurz verhaspele ich mich in meinem Atmen und die Hebamme weist mich an, wie ich in den Bauch atmen muss damit mein Baby Sauerstoff bekommt. Ich schaue auf das CTG und sehe eine Frequenz von 80 Schlägen pro Minute. K. dreht meinen Kopf sanft zurück. 

Aber ich habe keine Angst. Das Baby hat einen großen Vorrat an sauerstoffreichem Blut in den Lebersinusoiden, da seine Leber noch nicht mit vollen Kapazitäten arbeiten muss. Warum denke ich denn jetzt über so etwas nach? Ich glaube, zwischen den Wehen döse ich weg – nun bin ich froh dass ich ein paar Menstruationen ohne Schmerzmittel ausgehalten habe, denn die Verarbeitung der schmerzhaften Krämpfe durch in den Bauch atmen und bewusstes locker lassen, ähnelt den Wehen in der Übergangsphase sehr.
Die Wehen kommen alle zwei Minuten und mein Körper besteht nur noch aus Schmerzwellen. Ich quetsche die Hand meines Freundes und sehe kurz auf. Er versichert mir wie die Hebammen auch, dass ich es so toll mache. Später wird er mir sagen, dass ich wie auf Drogen gewirkt habe. Ich denke: „Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr!“. Aber ich sage es nicht laut, aus Angst dass eine Muttermund-Untersuchung nur eine geringe Öffnung bescheinigt. 

L. fragt, ob sie mich vaginal untersuchen darf. Ich willige ein und sie teilt mir freudig mit, dass der Muttermund quasi nicht mehr da ist und ich mit schieben darf, falls ich möchte. Innerhalb von zwei Stunden ist der Muttermund vollständig aufgegangen und ich werde wieder etwas klarer im Kopf. Die Austreibungsphase erweist sich als zäh. Die Qualität der Wehen verändert sich: nun überkommt die Wehe den Körper wie Durchfall oder der Drang zu Erbrechen nur eben als Drang zu pressen. Von der Intensität des Schmerzes sind die Wehen sehr viel besser auszuhalten.
Ich halte mich am Seil fest und gehe im Höhepunkt der Wehe in die Hocke, um den Beckenausgang möglichst weit zu öffnen. Ich schwitze dermaßen, dass mir die „Soße runterläuft“. Immer wieder darf ich etwas trinken oder bekomme ein Stückchen Traubenzucker.
Das Köpfchen füllt das Becken aus: ein wahnsinniges Gefühl. Ich wende bei den Wehen die Bauchpresse zur Unterstützung an und schiebe auch über die Wehe hinaus mit. Ich habe das Gefühl, es geht nicht voran, doch K. feuert mich an, ermutigt mich unermüdlich und verliert nie die Geduld mit mir (während ich heimlich an Kaiserschnitt denke). L. massiert meinen Bauch mit würzig-duftendem Uterusöl. 

K. hält mir Kügelchen hin und ich lache: „Aber ich glaube doch nicht an Globuli!“ Sie lacht auch und sagt: „Ach komm, ist doch egal!“ Und ja, es ist tatsächlich egal. Ich nehme die Globuli und habe es im nächsten Moment schon wieder vergessen. Mittlerweile ist auch J. gekommen, die zweite Hebamme, die zu einer Geburt gerufen wird. Sie hält mir nach jeder Wehe den CTG-Schallkopf an den Bauch, ansonsten bin ich nicht eingeschränkt in meinen Bewegungen. Die Wehen kommen nun seltener. Auch ein Positionswechsel und einige Presswehen veratmen, um Kraft zu schöpfen, helfen nicht.
L. fragt mich, ob sie sanft mitschieben darf. Ich bin einverstanden. Später wird mir klar, dass dies der Kristeller Handgriff war, aber nicht so brutal angewendet, wie in traumatischen Geburtsberichten häufig zu lesen ist, sondern im Sinne des Erfinders: bei Erschöpfung der Gebärenden, bei fehlenden Bauchmuskeln Vielgebärender und ausschließlich mit den Händen. K. rät mir, die Wehen nicht herauszubrüllen, sondern die Energie stumm nach unten zu schicken. Ich darf das Köpfchen tasten: es ist ganz weich und steht am Ausgang. Es fehlt nur noch das letzte Stück. Ich schöpfe neuen Mut. L. umarmt mich von hinten, fixiert sanft den Po des Babies und ich drücke in der Hocke, traue mich über diese Klippe zu springen. Plötzlich merke ich einen heftigen und brennenden Schmerz: das Köpfchen ist halb draußen.

Ich reiße die Augen auf und sehe, wie J. und K. „Kerzen auspusten“. Ich tue es ihnen gleich.
K. sagt mir mitfühlend: „Ich weiß, dass das nun wahnsinnig brennt, aber du musst auf die nächste Wehe warten, sonst schießt das Köpfchen wie ein Sektkorken hinaus.“ Ich nicke und starre sie wie hypnotisiert an. Sie hat ganz blaue und freundlich-blitzende Augen. Die nächste Wehe kommt und das Köpfchen ist draußen. Das Baby maunzt und mein Freund berichtet mir später, dass er etwas geweint habe. Der Körper folgt noch in dieser Wehe und meine Tochter liegt vor mir. Nach fast drei Stunden Austreibungsphase.
Nie werde ich diesen Anblick vergessen, wie sie nackig, glitschig und empört schreiend vor mir liegt, die Fäuste geballt. Mir entfährt etwas völlig banales: „Ich habe einen Conehead!“ Und immer wieder: „Ich fasse es nicht!“. Schnell hilft man mir, das Bustier auszuziehen und ich darf meine Tochter selbst auf meine Brust heben. Die Nabelschnur ist sehr kurz und ich muss sie daran hindern, hoch zu robben. Wir dürfen uns eine halbe Stunde lang ungestört in unser Kind verlieben, welches ganz hellwach zu mir aufschaut.
Die Nabelschnur pulsiert aus und ich schneide sie durch, trenne unsere Verbindung vorerst. Dann lege ich sie zum ersten Mal an meine Brust an – sie saugt wie ein Profi und sehr gierig.
Leider will die Plazenta einfach nicht kommen und nach zwei Stunden und ziemlichem Blutverlust entscheiden die Hebammen, dass die Plazenta unter ärztlicher Aufsicht kommen muss.

Ich war angespannt, aber hatte keine Angst – alle Maßnahmen und das Risikomanagement waren absolut transparent im Geburtshaus. Mit dem Rettungswagen wurde ich ohne Eile mit meinem Baby in die nahegelegene Klinik gebracht. Die Hebammen kamen mit und standen mir mental bei, bis die Plazenta mit dem Credé Handgriff geboren war. Dann gratulierten sie mir und sagen mir im Grunde richtig mütterlich, wie gut ich das gemacht habe und wie tapfer ich war.
Auch im Krankenhaus habe ich mich respektvoll behandelt gefühlt: die Entscheidung für das Geburtshaus wurde nicht negativ kommentiert, die Hebammenstudierende lenkte mich ab und plauderte mit mir, die leitende Hebamme entschuldigte sich für die unangenehme Prozedur und die Ärztin hielt sich im Hintergrund bis es ans Nähen des Dammrisses 2. Grades ging und sie mir riet, auf Grund des Blutverlustes noch ein paar Tage in der Klinik zu bleiben. Diesen Rat konnte ich somit gut annehmen, auch wenn ich ursprünglich eine ambulante Geburt haben wollte.
Die Vorderwandplazenta war sehr klein und diese Art Plazenten macht wohl häufig Schwierigkeiten bei der Lösung – die Frage bleibt, ob die Plazenta so klein geblieben wäre, wenn meine Arbeitssituation nicht so stressig gewesen wäre.

Im Übrigen ist mein Baby kerngesund mit einem Apgar-Score von 9/10/10 und 3600 g zur Welt gekommen und sowohl Nabelschnurblut als auch Urin waren ohne CMV-Befund.

Das Wochenbett und ein Ausblick

Im Wochenbett wurde ich von einer mütterlich-strengen Hebamme betreut, die darauf achtete, dass ich genug trank und jeden Tag eine warme Mahlzeit von meinem Freund bekam. So intuitiv ich in der Schwangerschaft war, so hilflos war ich mit meiner neugeborenen Tochter.
Die Hebamme half mir über diese Unsicherheit hinweg. Sie diagnostizierte auch meine wahnsinnigen Schmerzen beim Liegen und Gehen als Steißbeinbruch, mindestens jedoch eine Steißbeinprellung. Mit ca. einem Liter Blutverlust, Schwitzattacken und generell dem Gefühl, von einem Laster überfahren worden zu sein, frage ich mich: wie um alles in der Welt kommen Politiker und andere Akteure im Gesundheitswesen auf die Idee, die aufsuchende Wochenbett-Betreuung vor die Hunde gehen zu lassen?
Schon die Autofahrt von 10 Minuten zum Kinderarzt an Lebenstag fünf wegen eines verklebten Auges und der Furcht, es könnte bakteriell bedingt sein, war eine Qual. Insgesamt konnte ich vier Wochen nicht richtig sitzen, sondern musste immer in der Seitenlage schlafen, stillen und essen.

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Es ist nicht egal, wie wir geboren werden und es ist nicht egal, wie wir gebären!
Wie könnte es das sein, wenn ein positives Geburtserlebnis das Potenzial hat, Frauen psychisch derart zu ermächtigen?
Meine Geburt ist vier Monate her und jeden Tag denke ich, wie großartig dieses Erlebnis für mich war, wie dankbar ich diesen großartigen Hebammen – Frauen – bin. Dass ich nun alles schaffen kann. Wie eng die Bindung an meine Tochter ist, wie wir die Geburt gemeistert haben, hat uns über eine sehr schwierige Schreizeit am Anfang geholfen. Von Freunden und Bekannten wurde ich gefragt, wie ich die Geburt ohne Schmerzmittel ausgehalten habe. Meine Antwort ist so simpel wie wahr: „Mit meinen Hebammen habe ich das geschafft!“

Mein Rat: Informiert euch ausreichend. Lest Geburtsberichte, stellt kritische Fragen bei Klinik-Informationsveranstaltungen, lest Bücher, die sich kritisch mit der Geburtsmedizin auseinandersetzen denn die Geburtsmedizin wird auch durch wirtschaftliche Aspekte gelenkt – nicht immer in gute Bahnen. Informiert euch, unter welchen Voraussetzungen Geburten natürlich ablaufen und welcher Geburtsort für eure Situation der beste wäre unter Berücksichtigung von Grunderkrankungen. Lasst die Geburt nicht einfach auf euch zukommen im Glauben „Das wird schon irgendwie!“ Kümmert euch rechtzeitig darum, eine Hebammenversorgung zu bekommen und meldet Missstände, falls ihr keine bekommt. Macht euch klar, dass viele medizinische Untersuchungen mehr Unsicherheit als Sicherheit geben. Und hört immer auf euer Bauchgefühl!

Fordert diese Voraussetzungen bei der Politik ein, auch wenn ihr vielleicht erst in einigen Jahren Kinder möchtet. Engagiert euch bei gemeinnützigen Vereinen wie Motherhood e.V. oder ähnlichen – und wenn es aus Zeitmangel eine Fördermitgliedschaft ist. Familien brauchen Hebammen und Hebammen brauchen eine angemessene Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen für die unverzichtbare Arbeit, die sie leisten.
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Widmung

  • Für meine Tochter, die ich mehr liebe, als ich es mir je hätte vorstellen können.
  • Für meinen Freund und Vater meiner Tochter, der seine Ängste und Bedürfnisse für mich zurück gestellt hat, obwohl in seiner Familie niemand eine außerklinische Geburt hatte.
    Du hast mich in der Schwangerschaft und bei der Geburt bedingungslos unterstützt und alles gesehen, was man Männern im Allgemeinen nicht zutraut.
    Ich liebe dich und unsere kleine Familie!
  • Für meinem Vater, der mich immer in meinem Bauchgefühl bestärkt hat und dass mein Körper weiß was er tut – wenn man ihn lässt und ihm vertraut. Danke für deine kritisch-realistische Sicht auf die Medizin.
  • Und für meine Mutter, die mir jedes Jahr an meinem Geburtstag voller Stolz und Liebe sagt: „Heute vor soundsoviel Jahren habe ich dich raus gedrückt!“

Lese-Tipps
Alfred Rockenschaub: Gebären ohne Aberglauben
Carola Hauck: Die sichere Geburt – wozu Hebammen
Sarah Schmid: Alleingeburt
Quarks & Co.: Projekt Schwangerschaft – alles unter Kontrolle?

Zwei Töchter und zwei verschiedene Geburtsorte

Wir freuen uns auch weiterhin über Einsendungen zu Geburtserfahrungen! Warum wir über Geburten schreiben, kannst du in diesem Beitrag von Petra nachlesen.
Die Verfasserin des folgenden Beitrages hat zwei Töchter geboren, die eine schon vor einigen Jahren, die andere vor ein paar Monaten.
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In meiner ersten Schwangerschaft hatte ich viele Ängste. Viele davon resultierten aus schlimmen Geburtsgeschichten, die ich bis dato kannte. Es waren einerseits Ängste vor unerträglichen Schmerzen während der Geburt, vor Komplikationen, vor Geburtsstillständen, schlechten Herztönen, sich zu früh lösenden Plazenten usw. Auf der anderen Seite fürchtete ich mich vor gefühllosen GeburtshelferInnen, mir aufgedrängten medizinischen Eingriffen und dem Kontrollverlust in einer Krankenhausroutine.
Ich fühlte mich in einer Zwickmühle: Einerseits „musste“ ich für mein Sicherheitsbedürfnis in ein Krankenhaus gehen, andererseits war es für mich unvorstellbar, dort auf mir völlig unvertraute Menschen zu treffen, ganz zu schweigen von allen Schreckensszenarien des Verlustes meiner Selbstbestimmung, die ich mir ausmalte.


Die Lösung

Meine Lösung lautete: Ich wollte mit einer Beleghebamme gebären, die ich bereits während der Schwangerschaftsvorsorge kennenlernen konnte und die mich dann unter der Geburt begleitete. Außerdem entschied ich mich für ein Krankenhaus, das mit niedriger Interventionsrate bei Geburten warb – auch wenn dies bedeutete, dass ich ans andere Ende der Stadt fahren musste.
Gegen Ende der Schwangerschaft schrieb ich einen ausführlichen Geburtsplan, den ich mit meiner Hebamme besprach. Auch mit meinem Mann sprach ich ausführlich und immer wieder und ich wusste, dass er sich für mich einsetzen würde, falls ich es nicht mehr selbst könnte.
 

Die erste Geburt

Die Geburt begann mit einem Blasensprung zuhause, die ersten Wehen folgten nach wenigen Minuten. Etwa zwei Stunden nach Wehenbeginn trafen wir uns mit meiner Hebamme im Krankenhaus. Nach Untersuchungen, CTG-Schreiben und einer gut auszuhaltenden Zeit im warmen Badewasser folgte eine schnelle, komplikationsfreie Geburt im Kreissaal. Keines meiner Schreckensszenarien war eingetreten und ich erlebte die Geburt als etwas Großes, Inspirierendes und tief Prägendes. Ich war unglaublich glücklich und auch sofort sicher, dass ich dieses Wunder noch einmal erleben möchte.

Und dennoch gab es Dinge in diesem erlebten Klinikalltag, die ich nicht gut fand, die mich im Geburtslauf irritierten oder die ich der Tatsache, dass ich gerade unter einer riesigen Anstrengung und mit großen Schmerzen ein Menschlein geboren hatte, nicht angemessen fand: dass ich während des CTGs liegen musste, was unter den Wehen unerträglich war; dass ich nicht im Wasser gebären konnte, weil alle Wannen im Kreissaal belegt waren und ich nicht im Vorwehenzimmer bleiben durfte; dass ich mich unter Druck gesetzt fühlte, als die Austreibungsphase recht lang dauerte und meine Hebamme schon mal „Werkzeug“ (vermutlich für die Nabelschnur, vielleicht aber auch für einen Dammschnitt?) bereitlegte; dass mich nach der Geburt eine mir fremde Frauenärztin nähte und dabei unempathisch und grob war; dass wir sehr lange auf den Kinderarzt warten mussten, um das OK für die Heimfahrt zu erhalten.

In meine zweite Schwangerschaft ging ich mit ganz anderen Gefühlen. Ich freute mich auf die Geburt. Zunächst plante ich wieder eine Beleggeburt – dies scheiterte an den Krankenhäusern an meinem neuen Lebensort, die nicht mit freiberuflichen Hebammen zusammenarbeiten (worüber im Nachhinein zwar froh bin – an sich finde ich das für eine Großstadt unfassbar). Mit dieser Tatsache und den Erfahrungen aus der ersten Geburt stand sofort fest, dass damit ein Krankenhaus als Geburtsort für mich ausscheidet. Ich informierte mich zunächst über das Geburtshaus vor Ort, konnte aber zu der Hebamme dort kein rechtes Vertrauensverhältnis aufbauen.

Über die Beschäftigung mit der außerklinischen Geburt rückte dann sehr schnell das Thema Hausgeburt in meinen Fokus. Die Vorstellung, im Geburtsprozess nicht meine heimelige Umgebung verlassen zu müssen, während der Geburt nur von einer mir bis dahin gut vertrauten Person betreut zu werden und mein Baby in dieser friedlichen, schönen und gemütlichen Umgebung begrüßen zu können, entsprach sehr meinen Bedürfnissen. Zudem war ich durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema der außerklinischen Geburt überzeugt davon, dass der Geburtsverlauf entscheidend von äußeren Faktoren wie Ruhe, Vertrauen und Geborgenheit abhängt.

Ich fand eine Hebamme, die mir nicht nur persönlich sehr sympathisch war. Mit über 30 Jahren Berufserfahrung sowohl in der klinischen als auch der außerklinischen Geburtshilfe sowie einem breiten Wissensstand in vielen alternativen Medizinen vertraute ich ihr völlig und war ich mir sicher, dass sie auf jeden (Not)Fall adäquat und rechtzeitig reagieren würde.
Sie vermittelte mir in den Schwangerschaftswochen ein großes Vertrauen in mich, meinen Körper und mein Baby. Ich fühlte mich sehr angenommen und genoss es, dass in den Terminen der Vorsorge neben körperlichen Themen auch immer die emotionalen Wellen der Schwangerschaft ihren Raum hatten.

Die zweite Geburt

Meine zweite Geburt begann wieder mit einem Blasensprung, auf den schnell heftige und häufige Wehen folgten. Mein Mann zündete Kerzen an und bereitete mir eine Badewanne vor. Ich legte Musik auf, schlüpfte in mein schönstes, noch passendes Kleid und legte Schmuck an. Ich bewegte mich noch ein wenig durch die Wohnung, bis die Wehen ganz schnell so stark wurden, dass ich ins warme Wasser wollte. Mein Mann informierte schon mal die Hebamme. Sie wollte wissen, ob ich mir schon wünsche, dass sie kommt. Zunächst verneinte ich das. Da im Wasser die Wehen nochmal an Fahrt aufnahmen, bat mein Mann sie dann doch, sich auf den Weg zu machen. Als sie ankam, wehte ich schon in kurzen Abständen und verspürte bereits den Drang, mitzupressen. Sie setzte sich neben die Wanne, hörte einige Male kurz unter Wasser die Herztöne des Babies und begleitete mich durch die letzten Wehen. Sie lies mich das Köpfchen fühlen, als es bereits in der Scheide war und bekräftigte immer wieder, wie gut ich mit den Wehen arbeitete. Als ich meine Tochter schließlich gebar, erlebte ich das natürlich wie schon das erste Mal als schmerzhaftes und alles überrollendes Erlebnis – und gleichzeitig war es so unglaublich friedlich, ruhig, kraftvoll, unbeschreibbar zauberhaft und schön. Meine Hebamme legte sie mir in den Arm und träufelte immer wieder warmes Wasser über uns, damit wir nicht auskühlen. Nach einigen Minuten des Durchatmens stand ich mit der Hilfe meines Mannes und meiner Hebamme mit meiner Tochter im Arm auf und ging in Handtücher eingehüllt ins Nachbarzimmer in unser großes Bett. Dort wurde nach einiger Zeit des Ankommens und Bewunderns die Kleine untersucht und gewogen und ich genäht. Meine Hebamme verabschiedete sich und wir kuschelten und schliefen irgendwann ein.

Ich bin mit beiden Geburten sehr glücklich. Ich konnte jeweils so gebären, wie ich es zum jeweiligen Zeitpunkt brauchte und wollte.

Dies war möglich, weil ich die Wahlfreiheit hatte und meine Entscheidungen mit viel Information und Wissen und nach meinen jeweiligen Bedürfnissen getroffen habe. Dies bedeutete oft auch einen gewissen Aufwand, wie z.B. eine sehr ausführliche Suche und Entscheidung für eine bestimmte Hebamme, ein längerer Anfahrtsweg und die Übernahme der Rufbereitschaftskosten. Dafür konnte ich mit dem Gefühl von Sicherheit und Vertrauen in die Geburten gehen und erinnere mich an beide als kraftvolle, selbstbestimmte und naturgewaltige Erlebnisse.


Die Pille – warum denn nicht?

Wir schließen die Reihe rund ums pillenfreie Verhüten (erstmal) mit diesem Bericht ab, bei dem erstmalig die Kupferspirale einen kleinen Auftritt hat!

Mit 15 ging es mir wie vielen jungen Mädchen:

Ich hatte meinen ersten richtigen Freund und fühlte mich bereit für mein erstes Mal. Es war klar, dass wir verhüten müssen und daher machte ich mich auf den Weg zu meiner Frauenärztin. Ich wollte das allersicherste Verhütungsmittel haben, denn schwanger mit 15, das ging für mich gar nicht.
Direkt schlug mir die Frauenärztin die Pille vor – und ich stiefelte mit einem Rezept in der Hand in die nächste Apotheke. Aufgeklärt wurde ich nicht, es wurde nicht gefragt, ob ich in der Familie jemanden kenne, der eine Thrombose oder andere Herzkreislauferkrankung hat, es wurde nicht gefragt, ob ich rauche und auch der Zusammenhang einer erhöhten Brustkrebsgefahr wurde mir nicht erklärt.
So fuhr ich also mit der Pillenpackung in der Hand nach Hause und machte sie auf. Drei Blister und ein Beipackzettel fielen heraus. Ich musste schlucken – dieser Beipackzettel war mindestens dreimal so lang wie die, die ich bis jetzt von anderen Medikamenten gewohnt war. Ich fing also an zu lesen, und mich traf ein kleiner Schock – Unmengen an Nebenwirkungen purzelten mir entgegen.


Schon an diesem Abend nahm ich die erste Tablette

Dennoch nahm ich noch am selben Abend meine erste Tablette, immerhin gab es ja keine Alternativen, oder? So dachte ich auch noch nach einem Pillenwechsel, da ich die Erste nicht vertragen habe und schluckte dadurch fast vier Jahre täglich diesen kleinen „Wunder“-Cocktail an Hormonen herunter. So langsam aber sicher erlebte ich mit der Pille aber wirklich mein blaues Wunder – ich hatte depressive Verstimmungen und war unglaublich unausgeglichen. Darüber hinaus hatte ich Schmerzen beim Sex, die mir keiner so Recht erklären konnte.
Ich habe lange überlegt, wie ich weiter vorgehen will – und zum ersten Mal auf eigene Faust wirklich recherchiert. Ich war nicht die einzige Frau, die durch die Pille mehr Nachteile als Vorteile erlebte. Mit diesem Wissen gewappnet ging ich zu meiner Frauenärztin. Es war nicht dieselbe wie die, die mir mit 15 die Pille zuerst verschrieben hatte – und fragte sie. Sie gab zu, dass Schmerzen beim Sex auch durch die Pille zustande kommen könnten – wieso sie mir das nicht schon früher erzählt hatte, wunderte ich mich in dem Moment. Daraufhin entschloss ich mich, die Pille abzusetzen.
Aber ja, was waren denn nun die Alternativen? Ich sprach mit meiner Mutter darüber, Kondome verwenden zu wollen, und sie meinte es wäre gut, wenn ich keine Hormone mehr nehmen würde, aber Kondome allein wären viel zu unsicher – ich solle auf jeden Fall mit einem Spermizid ergänzen. Ich sprach erneut mit meiner Frauenärztin und die schlug mir stattdessen die Temperaturmessmethode vor, als Ergänzung zu Kondomen.

Dieser Tipp führte mich ins Nfp-Forum

Dieser Hinweis führte mich zum ersten Mal aufs Nfp-Forum, und ich begann zuerst einmal zu lesen und Wissen in mich aufzusaugen. Bald bestellte ich mir ein Geratherm basal, ein „Natürlich und Sicher“ und ein „Natürlich und Sicher – Arbeitsbuch“. Beide Bücher arbeitete ich gründlich durch und als ich damit fertig war, nahm ich die letzte Pille aus dem Blister.
Das war gutes Timing! Durch das Nfp-Forum lernte ich auch, dass Kondome keine „one size“-Produkte sind, so wie man es in der Drogerie vermuten könnte. Mein Freund bestellte sich ein Testpaket von mysize und wir probierten aus, welche am besten passten. Davon bestellten wir dann eine größere Menge. In den nächsten drei Zyklen verhüteten wir durchgängig mit Kondomen, damit ich die Chance hatte, die Nfp-Methode zu erlernen. Meine Schmerzen hatte ich leider noch immer und es stellte sich später als ein psychisch hervorgerufenes Problem durch meine damalige Beziehung heraus. Aber mir ging es um so vieles besser dadurch, dass ich die Pille abgesetzt hatte.

Nach einem weiteren halben Jahr ging diese Beziehung in die Brüche und ich war wieder Single. Dadurch hörte ich auch auf konsequent zu messen, da es ja nur noch der Beobachtung diente und mein Körper ganz von allein regelmäßige Zyklen produziert. Wirklich konsequent wieder mit nfp angefangen habe ich nicht, meine zweite Beziehung war so kurz, dass ein Verzicht auf Kondome für die Verhütung von Krankheiten nicht in Frage kam. Aber auch dort habe ich darauf geachtet, dass mein Freund die richtige Größe verwendet. Mit meinem aktuellen Partner verhüten wir mit einer Kupferspirale, die fünf Jahre zuverlässig wirkt.

Hormone habe ich nie wieder genommen.


Keine Nebenwirkungen und trotzdem pillenfrei!

Vor kurzem bekam Petra eine Mail mit dem nächsten Bericht zum Thema Pillenfrei:

Hey Petra,
wie besprochen, nachfolgend meine Verhütungsgeschichte ohne Nebenwirkungen durch die Pille.
Liebe Grüße!


Ich habe relativ spät mit der Pille begonnen, ich war bereits 19.

Entgegen anderer Berichte hatte ich niemals Probleme oder Nebenwirkungen, sondern habe sie gut vertragen. Vielleicht habe ich einfach Glück gehabt, ich denke aber eher, dass es eine Rolle spielt, dass mein Körper (anders als z.B. mit 15) bereits „fertig“ mit der Pubertät war und mein Zyklus inkl. Hormongefüge sich bereits gut eingespielt hatte.
Viele Freundinnen setzten ihre Pillen ab und berichteten von einem komplett neuen Körpergefühl mit Gewichtsabnahme, wieder erwachter Libido und besserem Wohlbefinden. Für mich sah ich keine Veranlassung zum Absetzen, denn mir ging es ja sehr gut und ich litt auch nicht unter mangelnder Libido oder unter Scheidentrockenheit. Außerdem fand ich es überaus bequem, meine Abbruchblutung nach Bedarf steuern zu können.
Die Trennung von meinem Mann nach gut 10 Jahren Pille machte die Verhütung vorerst überflüssig, so dass ich sie aus Kostengründen dann doch absetzte. 


Gespanntes Warten

So wartete ich also gespannt auf all die tollen Ereignisse, die ein pillenfreies Leben nach Meinung meiner Freundinnen mit sich bringt. Nur – bei mir passierte NICHTS! Meine Mens setzte vier Wochen nach der Abbruchblutung wieder ein (ob ich einen Eisprung hatte, weiß ich nicht, ich habe zu der Zeit noch kein Nfp betrieben) und blieb, wie sie vor der Pilleneinnahme war: regelmäßig ca. alle vier Wochen, schmerz- und beschwerdefrei und mit starker Blutung.

Mit einem neuen Partner zwei Jahre später ergab sich das Verhütungsproblem wieder und so wurde ich bei meiner Gyn vorstellig und bat um ein neues Pillenrezept. Dieses wollte sie mir nicht geben, weil ich inzwischen Anfang 30 und Raucherin war. Sie riet mir zur Mirena, ich willigte ein, denn die Kosten kamen aufgrund der langen Liegezeit denen der Pille gleich.

Das Einsetzen war die schlimmste Prozedur, die ich jemals bei einem Arzt (einschließlich Zahnarzt) erlebt habe!
Bereits beim Verlassen der Praxis wusste ich, dass ich einen Fehler gemacht habe…
Das bewahrheitete sich im Laufe der nächsten Wochen auch, denn ich litt unter diffusen Blutungen und starken Schmerzen im Unterleib, offenbar wollte mein Körper diesen Fremdkörper dringend wieder loswerden.

Nach zwei Jahren Quälerei ließ ich die Mirena vorzeitig ziehen und stand erneut vor dem Verhütungsproblem. Ziemlich schnell stellte sich mein unverwüstlicher Zyklus wieder auf sein normales Level ein und meine Mens kam wie eh und je mehr oder weniger regelmäßig. Insofern schließe ich die Probleme durch die Mirena-Hormone aus und schiebe es einzig und allein auf den Fremdkörper.

Bei der Recherche zum Diaphragma stieß ich auf Nfp und beschloss, dieses zusammen mit dem Dia in der fruchtbaren Zeit zu nutzen..

Es war die beste Entscheidung überhaupt!

Mit meinen super regelmäßigen Zyklen und zuverlässigen Eisprüngen war die Auswertung ein Kinderspiel. Blöderweise lebe ich aber in einer Wochenend-Beziehung, so dass die freie Zeit nicht wirklich genutzt werden konnte und wir definitiv mehr verhütet, als nicht verhütet haben.

So entschloss ich mich mit 37 zur Sterilisation.
Und auch hier hat mein Körper vorbildlich mitgespielt und sich von der OP nicht beeindrucken lassen.

Inzwischen bin ich 48, betreibe nach wie vor Nfp zur Beobachtung, weil es einfach super spannend ist, zu sehen, wie die Beobachtungen zum Körpergefühl passen. Ich kann vieles in Sachen Psyche und Beschwerden einordnen und finde es interessant, was die körpereigenen Hormone so anstellen.

Langsam nahen die Wechseljahre, die Zyklen verändern sich. Und auch hierbei ist Nfp ein toller Begleiter!


Wenn du auf den Hashtag „pillenfrei“ klickst, der unter diesem Beitrag sichtbar ist, kommst du zu allen anderen Beiträgen zu dem Thema.
Oder du nutzt diesen Link.

Sind Alternativen aus Stoff ökologisch sinnvoll?

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Heute gibt es hier eine Premiere! Es gibt den ersten Gastbeitrag aus fremder Feder von einer anderen Bloggerin! Sarah bloggt auf Minimalwaste zu den Themen zero waste, Minimalismus und Fair Fashion.

Nachdem sie von verschiedenen Seiten zu hören bekam, dass sich die Investition in Alternativen aus Stoff, nicht lohnt, hat sie sich hingesetzt und ihre Rechenkünste eingesetzt und überprüft ob das tatsächlich mehr Wasser und Energie verbraucht als die Varianten zum Wegwerfen.
Der Beitrag ist ursprünglich auf ihrem Blog erschienen und weil wir so begeistert von den Inhalten sind, haben wir bei Sarah angefragt, ob sie hier als Gastautorin einen kleinen Auftritt mit einem großen Text haben mag. Wir freuen uns über ihr Ja!


Zwei wichtige Begrifflichkeiten für den folgenden Text sind virtuelles Wasser und graue Energie.

Virtuelles Wasser: „Mit virtuelles  bzw. latentes Wasser wird die Wassermenge bezeichnet, die nach einer umfassenden Bilanz als insgesamt tatsächlich für die Herstellung eines Produkts anfiel.“[5]

Graue Energie: „Als graue Energie wird die Energiemenge bezeichnet, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produktes benötigt wird. Dabei werden auch alle Vorprodukte bis zur Rohstoffgewinnung berücksichtigt und der Energieeinsatz aller angewandten Produktionsprozesse addiert.“[4]

Damit wären schon mal die Begrifflichkeiten geklärt. Bei der Herstellung von beispielsweise Stofftaschentüchern wird also viel Wasser und Energie verwendet. Zuerst muss nun mal der Rohstoff her, welcher allein schon Wasser und Energie für Anbau und Verarbeitung frisst. Dann kommt später die Fertigung des Produktes und letztlich noch die Verpackung hinzu. All das frisst für jedes neue Produkt immer wieder Wasser, Energie und andere Ressource wie Erdöl (für die Plastikverpackung). Es scheint also, dass Produkte, die nur einmal produziert werden müssen eine schlaue Lösung sind.

Ich musste für diesen Artikel wirklich sehr lange recherchieren und konnte leider trotzdem nichts zu den Ökobilanzen der fertigen Produkte finden. Aber ich denke man kann allein durch Berechnung der Ökobilanz für die verwendeten Rohstoffe und das Waschen eine gute Verhältnismäßigkeit darstellen. 


Das Papiertaschentuch unter der Lupe

Verbrauch eines herkömmlichen Taschentuchs in der Herstellung:

  • Für die Herstellung von 1 kg Papier werden 750 l Wasser benötigt [5].
  • Ebenso werden für 1 kg Papier 2,5 kWh an Energie benötigt [7].
  • Ein Tempo-Taschentuch wiegt 2,6 g [8] (das nehmen wir als ungefähren Wert, kann natürlich je Hersteller etwas abweichen).

Ein einzelnes Taschentuch verbraucht also nur 0,26 % des Wassers und des Stroms:
1000 g = 100 % ~> 1 g = 0,1 % ~> 2,6 g = 0,26 %

Womit ich einen Wasserverbrauch von 1,95 l und einen Stromverbrauch von 0,0065 kWh pro Papiertaschentuch erhalte:
750 l * 0,0026 = 1,95 l
und

2,5 kWh *0,0026 = 0,0065 kWh.

​Verbrauch
Herstellung
​Verbrauch pro Jahr (bei einem Taschentuch pro Tag – 365 Tage)
Wasser ​1,95 l ​711,75 l
Strom ​0,0065 kWh ​2,3725 kWh

Alternativen aus Stoff: Das Stofftaschentuch unter der Lupe

Was ich über Stofftaschentücher heraus gefunden habe, ist leider nicht so viel wie es mir lieb gewesen wäre. Zu der Herstellung von Baumwolle an sich habe ich aber einiges gefunden, womit ich rechnen konnte.

  • Eines von unseren Stofftaschentüchern wiegt 11 g -> 0,011 kg
  • „Bei der Aufarbeitung der Baumwolle gehen nur rund zehn Prozent des Rohgewichtes verloren.“ [1]
  • Außerdem habe ich herausgefunden, dass pro 1 kg Baumwolle im Durchschnitt 11.000 l Wasser verbraucht werden [2]. Puh, ganz schön viel 8O.
  • Für 1 kg Leinen oder Hanf hingegen werden durchschnittlich nur 2.500 l Wasser verbraucht [4] (was finde ich immer noch ziemlich viel ist).
  • Ebenso wird zur Herstellung von 1 kg Baumwolle 42,9 MJ ( = 11,92 kWh) Energie benötigt (1 kWh = 3,6 MJ) [6].

.

Verbrauch eines Stofftaschentuchs aus Baumwolle in der Herstellung:

Für ein 11 g Stofftaschentuch werden also ca. 12,2 g (0,012 kg) Baumwolle gebraucht:
11 g = 90 % ~> 1,2 g = 10 % ~> 12,2 g = 100 %

Für diese 12,2 g werden wiederum 134,2 l Wasser verbraucht (wobei natürlich auch noch Wasser für die Fertigung und Verpackung des Taschentuchs an sich anfällt):
1000 g = 11.000 l ~> 1 g = 11 l ~> 12,2 g = 134,2 l

Und ebenso 0,145 kWh Strom (ebenso leider ohne Fertigung und Verpackung, da ich dazu keine Informationen finden konnte):

1000 g = 11,92 kWh ~> 1 g = 0,01192 kWh ~> 12,2 g = 0,145 kWh 

Verbrauch bei jedem Waschgang:

  • Für weiße Wäsche wie Handtücher, Stoffservietten, Stofftaschentücher und Putzlappen verwenden wir das Waschprogramm Koch-/Buntwäsche bei 60° mit einem Wasserverbrauch von 72 l (0,072 m³) und einem Stromverbrauch von 1,5 kWh.
  • Wir haben außerdem ca. 26 Waschgänge im Jahr, da wir unsere weiße Wäsche alle zwei Wochen waschen.
  • Ich rechnen für eine Vollast von 7 kg, da alle Angaben aus der Bedienungsanleitung unserer Waschmaschine für Vollast ausgelegt sind.

Für eine Beladung der Waschmaschine mit 7 kg erhalte ich, dass eine Stoffserviette weit unter 1 % der gesamten Wäschelast einnimmt, nämlich nur 0,16 %:
7 kg = 100 % ~> 0,001 kg = 0,014 % ~> 0,011 kg = 0,16 %.

Das heißt ein einzelnes Stofftaschentuch braucht bei einem Waschgang auch nur 0,16 % des Wassers (0,115 l) und Stroms (0,0024 kwh):
72 l * 0,0016 = 0,115 l
und
1,5 kWh * 0,0016 = 0,0024 kWh

​Verbrauch
Herstellung
​Verbrauch pro Waschgang ​Verbrauch pro Jahr (26 Waschgänge)
Wasser   ​134,2 l ​0,115 l ​2,99 l
Strom ​0,145 kWh ​0,0024 kWh ​0,0624 kWh

Was ist also besser für die Ökobilanz?

In der Herstellung verbraucht das aus Baumwolle gefertigte Stofftaschentuch also natürlich viel mehr Ressourcen als das Papiertaschentuch: 

​Verbrauch Herstellung Papiertaschentuch ​Verbrauch Herstellung Stofftaschentuch
Wasser ​1,95 l  ​134,2 l
Strom ​0,0065 kWh ​0,145 kWh

Aber darum geht es ja in erster Linie nicht. Ein Stofftaschentuch kann ja wesentlich länger verwendet werden, durchaus einige Jahre. Was erhalten wir also, wenn wir das alles mal auf 5 und 10 Jahre hochrechnen? Dazu muss noch klar sein, dass wenn ich nur alle 2 Wochen wasche, 14 Stofftaschentücher benötigt werden, wenn ich jeden Tag eines benutze. Ich nehme also den Verbrauch bei der Herstellung mal 14 und ebenso den Verbrauch pro Waschgang pro Taschentuch mal 14, da ja auch jedes mal diese 14 Stofftaschentücher gewaschen werden müssen und nicht nur eines. Für die Papiertaschentücher ändert sich nichts. Außerdem habe ich diesmal mehr gerundet (wenn möglich), damit es anschaulicher ist und du besser vergleichen kannst :). 

​Verbrauch Herstellung für 14 Stofftaschentücher ​Verbrauch pro Waschgang für 14 Stofftaschentücher ​Verbrauch pro Jahr: 26 Waschgänge ​Verbrauch 5 Jahre: 130 Waschgänge ​Verbrauch 10 Jahre: 260 Waschgänge
Wasser ​1893 l ​1,6 l ​1935 l ​2101 l ​2309 l
Strom ​2 kWh ​0,0336 kWh ​2,9 kWh ​6,4 kWh ​10,7 kW
​Verbrauch
Herstellung 1 Papiertaschentuch
​Verbrauch pro Jahr:
365 Tage
​Verbrauch 5 Jahre:
1825 Tage
​Verbrauch 10 Jahre:
3650 Tage
Wasser ​1,95 l ​711,75 l ​3558 l ​7117 l
Strom ​0,0065 kWh ​2,3725 kWh ​11,9 kWh ​23,7 kWh

Also überholen die Papiertaschentücher recht schnell, was den Verbrauch an Wasser und vor allem Strom angeht. Ich habe sogar überschlagen, dass die Stofftaschentücher ab ca. 2,5 Jahren schon ökologischer sind. Natürlich gilt: Je länger du sie verwendest, desto besser wird die Ökobilanz! Außerdem sind in dieser Rechnung keinerlei Verpackungen mit einberechnet, was das ganze Bild noch einmal erheblich verschärfen würde. Plastik verbraucht nämlich enorm viel Wasser und Energie in der Herstellung. Du muss dir nur kurz überlegen, wie viel Umverpackung mit üblichen Papiertaschentüchern kommt im Vergleich zu den vielleicht einmal in Folie eingepackten Stofftaschentüchern (sei cleverer als ich und kauf sie nicht auf Amazon, sondern in einem Shop, der ohne Plastikverpackungen arbeitet ;)). Das ganze wird nochmal besser, wenn die Stofftaschentücher nicht aus Baumwolle, sondern aus Leinen, Hanf oder einem Gemisch mit Baumwolle hergestellt sind. Gibt es sowas? 
Ich hoffe, das Ganze war nicht zu trocken und theoretisch und selbst wenn, hast du nun ein gutes Argument in der Hand gegen Menschen, die diese Behauptungen aufstellen. Falls du mal irgendwo über Daten bezüglich virtuelles Wasser oder grauer Energie stolpern solltest, würde ich mich über Infos freuen. 


Die Pille? Nein danke, ohne geht es mir besser.

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 Die Kulmine-Frauen leben pille-frei. Das witzige und auch schöne dabei ist, dass sich das jede für sich, schon vor der Zeit bei Kulmine, selbst so entschieden hat. Aus verschiedensten und gleichzeitig ähnlichen Gründen. Der folgende Text ist von einer unserer Mitarbeiterinnen.

—–

Auch ich habe mich Ende letzten Jahres von der stetigen Begleiterin, der Pille, getrennt.
Meine geschätzte Kollegin und Freundin hat mir den Denkanstoß dazu gegeben, indem sie mich in ihre Sorgen zur Pille eingeweiht hat. So bin auch ich darauf gekommen, dass es vielleicht nicht sein muss, dass ich ein bis zwei Tage im Monat Trübsal blasend in meinem Bett liege und überhaupt nicht weiß, woher diese große Leere in mir kommt. Dass ich mich vielleicht auch nicht mit einer ungesteuerten Wut, die wie aus dem nichts entsteht, herumschlagen muss. Und damit meine ich nicht PMS, denn diese Stimmungen waren zeitlich so gar nicht einzuordnen. 

Ich hatte mit 17 angefangen, die Pille zu nehmen, um einige Unregelmäßigkeiten* im Hormonhaushalt auszugleichen, die mir Probleme bereitet hatten.
Das hat auch wunderbar funktioniert, weshalb ich von der Pille begeistert war. Letztes Jahr habe ich dann nach vier Jahren tatsächlich zum ersten Mal (ich weiß, das war längst überfällig) den Beipackzettel meiner Pille gründlich durchgelesen und entdeckt, das eine von zehn Frauen mit Niedergeschlagenheit und Depression als Nebenwirkung zu kämpfen hat. Daraufhin habe ich ein wenig weiter recherchiert, was die Pille mit meinem Körper sonst noch macht und unter Umständen machen kann und beschlossen: Das will ich nicht mehr. Also habe ich sie abgesetzt.
Besonders große Veränderungen habe ich an mir selbst nicht festgestellt, außer dass ich ein wenig ausgeglichener bin. Aber das schönste Gefühl ist, zu wissen, dass das tatsächlich ich selbst bin, wenn ich wütend oder aufgebracht bin und mich kein Hormoncocktail dazu treibt.

Ich sage überhaupt nicht, dass man die Pille verteufeln soll (es gibt nichts Einfacheres in Sachen Verhütung meiner Meinung nach). Ich bin nur der Meinung, dass sich jede Frau die Zeit nehmen sollte, zu recherchieren, was mit dem eigenen Körper und der Psyche passiert. Aber vor allem sollte jede Frauenärztin sich die Zeit nehmen, dieses Thema ausgiebig aber gleichzeitig neutral und wertfrei zu besprechen. Denn sind wir ehrlich. Ich habe auch einen Flyer meiner Ärztin bekommen zu den Nebenwirkungen. Habe ich ihn durchgelesen? Nein, leider nicht.
Möchte man als Frau das Risiko der Nebenwirkungen und hormonellen Veränderung dennoch eingehen, möchte ich niemanden dafür verurteilen. Ich habe ja auch nichts gegen Raucher, solange sie wissen, was sie ihrem Körper damit langfristig zumuten.
Leider habe ich noch keine passende Verhütungsmethode für mich gefunden, mit der ich zu hundert Prozent zufrieden bin. Ein Kondom allein ist mir zu unsicher und die Gefahr, dass ich bei einem Zwischenfall die Pille danach nehmen müsste (was meinen hormonfreien Ansatz zunichte macht) zu groß. Das Diaphragma kommt mir umständlich vor und alles andere habe ich bis jetzt noch nicht ausprobiert.

*Anmerkung von Nina: Die Pille wird gerne und schnell bei „Unregelmäßigkeiten“ verschrieben, die aber oft ist noch ganz im normalen Rahmen sind, vor allem in der Pubertät. Die Pille kann hier auch nicht heilen, sie überdeckt die Unregelmäßigkeiten nur. Nach dem Absetzen ist dann entweder alles wie gehabt, oder es wäre sowieso von alleine weg gegangen wären. Deswegen lohnt es sich, mit fähigen Ärztinnen/Ärzten wirklich auf den Grund der Probleme zu gehen, oder auch einfach ein bisschen abzuwarten, bis sich die wilden Wellen der Pubertät ein bisschen gelegt haben und der Zyklus die Chance hatte, sich einzupendeln.


Der Zyklus in all seinen Facetten

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Hier kommt der vierte Beitrag für die Reihe zum Thema Pillenfrei! 

Die Schreiberin des Beitrags ist seit zwei Jahren ohne „Pille“. Seit sie diese abgesetzt hat, hat sie begonnen, sich das erste Mal wirklich mit alternativen Verhütungsmethoden, der Menstruation, ihrer Weiblichkeit und Sexualität auseinanderzusetzen.


Die Pille nahm ich von ungefähr 16 bis 32. Warum?

Na „man nimmt die halt“. Da wird man 16, hat einen festen Freund und dann ist das ganz normal, dass man mit Mutter zum Frauenarzt geht und die Pille verschrieben bekommt. Wer keinen Freund hat, der bekommt sie oft trotzdem: gegen Regelschmerzen oder Pickel (und es heißt, manch eine nimmt sie sogar einfach für größere Brüste). Die Nebenwirkungen liest man sich (vielleicht) durch, aber ernst nimmt man sie meist nicht – es nehmen ja alle die Pille und kaum eine erzählt etwas von Nebenwirkungen. Und selbst wenn welche auftauchen sollten, dann probiert man eben eine andere aus, irgendeine wird schon passen. 


Beipackzettel-Prosa „meiner“ Pille:

Häufig taucht auf: Brustspannen (nette Umschreibung für schmerzende, berührungsempfindliche Brüste), Gewichtszunahme, Verstimmungen, Magenbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerzen (auch migräneartig).
Gelegentlich: Depressionen, Veränderungen der Libido, Gesichtshautflecken (die durch Sonne verstärkt werden), Pigmentierungsstörungen.
Selten: Kontaktlinsenprobleme (schlechte Verträglichkeit), Scheidenentzündungen, Pilzinfektionen der Scheide, Zwischenblutungen, Lebertumore (gutartig), Bluthochdruck, Veränderungen des Fettstoffwechsels.
Sehr selten: Gefäßverschlüsse (Thrombosen, in Leber und Darm), Milchfluss, Brustvergößerung, Bildung von Zysten an den Eierstöcken, Lebertumoren (bösartig).
Andere Pillen haben aber auch schöne Dinge in petto wie: chronische Blasenentzündung, dauernde Schmierblutungen, Akne, Wassereinlagerungen, Haarausfall, Nesselsucht, Nervosität, Ausbleiben der Mens, knotenartige Entzündungen des Unterhautfettgewebes, Schwerhörigkeit, …

Dazu kommen die vielen kleinen Nebenwirkungen, die es gar nicht erst auf die Packungsbeilage schaffen und die man erst hinterher im Kreis von Gleichgesinnten feststellt. Da wird unter anderem vermutet, dass auch Folgendes mit der Einnahme von Hormonen zusammenhängen kann: Schilddrüsenstörungen, dauerhafter Beeinträchtigung der Libido, chronische Pilzinfektionen, Verstärkung von Allergien, zusätzliche Leberbelastung bis hin zu einem erhöhten Verbrauch bestimmter Vitamine und Mineralien.

Eindeutige Nebenwirkungen blieben unerkannt

Ich wurde bei jedem Termin bei der Gynäkologin danach gefragt, ob ich Probleme mit der Pille habe. Ich habe dies stets verneint, denn ich kam nie auf die Idee, die Ursache von manchen meiner Probleme damit zu verknüpfen. Das hatte verschiedene Gründe, zum Beispiel:
Wer kann mit 16 schon sagen, woher die spinnerte oder miese Laune kommt? „Da schießen doch sowie die Hormone noch quer“ dachte ich mir. Die andauernde Melancholie und das „nah am Wasser gebaut sein“ hatte ich schnell als Schicksal und Wesenszug akzeptiert und mich darüber zu identifizieren begonnen.
Mit wiederkehrenden Pilzinfektionen lernte ich, dass ich schmutzig wäre und im Anschluss lernte ich übertriebene Hygiene, was die ganze Sache nur noch verschlimmerte (von problematischen Inhaltsstoffen, denen ich dadurch häufig ausgesetzt war, ganz zu schweigen).
Die Gewichtszunahme käme wohl einfach mit dem Alter.
Die Kopfschmerzen mit Erbrechen und Lärm- und Lichtempfindlichkeit führte man allein auf die Computerarbeit und Verspannungen zurück. Dass diese immer mit der Hormon-Entzugsblutung oder einer vergessenen Einnahme zusammenhing, das hatte jahrelang niemand erkannt, bis mein letzter Partner das mal bemerkte.
Lust am Sex? Kannte ich schlicht nicht, denn mein Körper war zu jung gewesen, als das ich das hätte kennenlernen dürfen – vor dem ersten Sex wurde ich ja schon vorsorglich mit Hormonen vollgestopft. Immer diese Aufregung um Sex, das hatte ich also nie verstanden. Das Aufregende am Sex war für mich folglich immer nur die besondere Intimität gewesen.

Selbst offensichtliche Nebenwirkungen werden laut Erzählungen anderer Frauen schnell vom Tisch gewischt, sucht man als Betroffene das Gespräch mit dem/der Gyn. „Geringe Libido? Wie lange sind sie denn schon mit ihrem Partner zusammen? Ach, was erwarten Sie denn.“ „Pilzinfektionen… kann man sich ja überall holen.“ „Trockene Schleimhaut und Schmerzen beim Sex? Gibt sich Ihr Partner genug Mühe? Nehmen Sie Gleitgel und experimentieren Sie mehr im Liebesleben“. Pillen-gemachte Probleme werden so ins Private und die Partnerschaft verlagert und bei der Ursachenforschung werden die künstlichen Hormone nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Dass der Leidensweg vieler Frauen auf diese Weise unnötig verlängert und die eigene Intuition zudem oft untergraben wird, empfinde ich als skandalös.
Ein Diplomabbruch mit Nervenzusammenbruch und anschließender Therapie säte ernsthafte Zweifel an meiner Lebensführung. Ich begann auch nach erfolgreichem Abschluss und beendeter Therapie immer wieder nach dem Thema Depression zu recherchieren. Bis ich dann auf die Pille stieß und auf Berichte von Betroffenen – ein fehlendes Puzzelteil war gefunden.

Nach dem Absetzen lernte ich mich neu kennen
Ich erlebe meinen Körper nun anders als zu Pillenzeiten: Ich freue mich über ihn. Meine Brüste kommen mir nicht mehr klein vor, obwohl sie sicher nicht größer, sondern eher weicher geworden sind. Ich habe ohne Zutun 10 kg abgenommen. Ich finde meine Mens nun weder nervig noch eklig (zu meinem Glück habe ich nur schwache Schmerzen). Meine Haare und Nägel sind gesünder. Mein Heuschnupfen ist fast ganz verschwunden. Meine Kopfschmerzen sind einfach weg.
Meine Depression war natürlich nicht nur in der Pille begründet, aber sie hat vermutlich dazu beigetragen. Ich kannte zum Beispiel nicht die als unbeschwerter erlebten Tage der Zyklusphase vor der Ovulation, in denen ich voller Elan und Zuversicht bin und sich alle Arbeit gefühlt von alleine wuppt. Diese Phase gibt mir oft viel Kraft und ist ein Ausgleich zu PMS (das ich nun zeitlich besser abschätzen und einordnen kann).

Ich bin wacher in meinen Empfindungen.
Viele berichten von einem Gefühl wie unter einer Käseglocke unter Einfluss der Pille oder eine „Scheiß-Egal-Haltung“, wie es manche Frauen in der Rückschau nennen. Ich erkenne nun besser, was mir entspricht und stehe dafür ein. Damals bedeutete das die Trennung von meinem Freund und ich begann, mich mehr und mehr auf eine bewusste, gesunde, natürliche Lebensweise auszurichten.

Die größte Umstellung ist aber wahrhaftig: Ich erlebe meinen Zyklus …
… in all seinen Facetten, von denen es einige neue zu entdecken gab. Zum Glück hatte ich ein tolles Forum, in dem ich mich über die Begleiterscheinungen der Umstellung mitteilen konnte und lesen, dass ich damit nicht alleine war.
Ich erlebte fast so etwas wie eine zweite Pubertät: Was ist denn da los? Den Männern hinterhergucken, Sex wollen, mehr Sex als der Mann wollen (hä? ich dachte, das wär genau andersrum! Zu Hülf!) Die potentiellen Verwicklungen kann man sich vielleicht vorstellen. Und auch: ohne Sex auskommen müssen; dass Lust so viel Frustpotenzial birgt … Puh!
Und es gab auch Erkenntnisse wie, dass am anderen Ende des Zyklus dieser Weltschmerz, Überempfindlichkeit, Aggressionen leider viel zu oft an meinem Partner abgeblitzt sind. Oder dass auch er in der Zeit der Umstellung zeitweise überfordert war.
Ich weiß nicht, ob alle Veränderungen mit der Pille zusammenhängen … sicherlich hängt auch einiges mit meinem Alter zusammen und der verstärkten Auseinandersetzung mit mir selbst (liebevoll begleitet durch Petra Sood in ihren Seminaren).
Doch die Abkehr von der Pille war für mich eine Umkehr und ein erster Schritt zu mir selbst und einem erfüllterem, aktiverem Leben.
Seither kam ich nicht einmal in Versuchung, wieder Hormone zu nehmen. Ich genieße mein neues Lebensgefühl.

Empört über die mangelnde Aufklärung
Ich hatte dann auch eine Phase mit viel Wut auf unbedachte Ärzte, profitorientierte Hersteller, falsch verstandene Fürsorge von Müttern und darüber, dass die Zusammenhänge so langsam ans Licht kommen oder absichtlich einseitige Informationen verbreitet werden. Immer noch gibt es Menschen, die den weiblichen Zyklus als unnötig und folglich unerwünscht propagieren oder anderweitig Angst vor dem Körper und seinen Vorgängen schüren.
Ich dagegen erlebe den Zyklus als eine inspirierende Kraft und eine Möglichkeit mit mir in Kontakt zu treten. Und ich bin froh, wenn ich meine Geschichte darüber teilen kann, in der Hoffnung, dass wir gemeinsam zu einem neuen Bewusstsein, einer angemessenen Kultur zu diesem wundervollen Vorgang finden. Ich wünsche mir eine bessere Aufklärung, die die Erfahrungen von Anwenderinnen ernst nimmt, und dass sich Menschen auf einer fundierten Grundlage für oder gegen künstliche Hormone entscheiden können.


Ein Geburtsbericht aus Dänemark

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Wie jede Nacht in den letzten Wochen und Monaten werde ich nachts mehrmals wach. „Normalerweise“ wegen Krämpfen oder dringendem Pinkelbedarf. Wie können so ein paar Tropfen nur jedes Mal so dringend sein? Schwangerschaft macht’s möglich.
Seit ein paar Wochen wecken mich auch manchmal leichte Wehen, die ich dann als Aufforderung für den Toilettengang ansehe.
Als mich diesmal eine leichte Wehe weckt, ist es anders. Blick auf die Uhr sagt 5:21. Ich merke direkt, dass ich gleich auslaufen werde – NFP und Zervixschleimbeobachtung sei Dank.
Also *husch husch* ins Bad und auf Toilette. 
Zwei kleine Schwalle kommen mit der Wehe. Und es ist auch Blut zu sehen.
„Oh, ob das wohl heißt, dass es bald los geht?“, denke ich mir noch.
Bis mir einfällt, dass es bei einer Freundin ja auch mit Blasensprung losging und bei ihr dann eingeleitet wurde. Davon abgeleitet wird mir plötzlich klar, dass ich in spätestens zwei Tagen meine Kleine in den Armen halten werde. Ich freue mich, kann mir aber trotzdem irgendwie nicht vorstellen, dass es bald so weit sein soll. Also entschließe ich mich, im Hier und Jetzt zu bleiben.
Einfach mal abwarten, was weiter passiert.

Die ersten paar Wehen kommen mit etwa 15-20 Minuten Abständen. Ich lade eine Wehen-App runter und gehe erst mal duschen. Die Freundin hatte ja gesagt, dass sie so froh war, dass sie ihre Haare vorher gewaschen hatte.
Das Duschen tut total gut. Ich dusche bis das warme Wasser ausgeht. Die Wehenabstände werden kürzer. Aber Intensivität und Abstände sind sehr unregelmäßig. Irgendwas zwischen 5 und 10 Minuten. Bei manchen Wehen habe ich aber schon Respekt und frage mich „Wie soll ich die denn bitteschön stundenlang aushalten?“ Aber wieder mal denke ich an meine Freundin: Immer bei dieser einen Wehe bleiben. 

Ich habe unglaublichen Hunger auf Milchreis und setze einen auf. Zwischendrin räume ich Stück für Stück den Flur frei. Der stand noch voll mit den Esszimmerstühlen, weil wir gerade tags zuvor das Schlaf- mit dem Esszimmer getauscht hatten. Ich brauche Platz um „mit den Wehen zu gehen“.
Also koche ich meinen Milchreis, föhne meine Haare und „vergehe“ ein paar Wehen in der Wohnung.
Gegen halb 9 mache ich Kaffee und beschließe, dass ich nun auch meinen Mann wecke. Ich brauche langsam jemanden zum Reden.
„Guten Morgen. Ich glaube, heute möchte jemand Geburtstag feiern.“, flüstere ich ihm zu.
Diesen verwirrten, verschlafenen Blick, der wenige Sekunden anhält, werde ich wohl nie vergessen. Dann schlägt es ein und der Herr ist hellwach.
Es gibt Kaffee und Milchreis zum Frühstück.

Ich rufe dann auch mal die Hebammen an und gebe Bescheid, dass ich um 5:30 Blasensprung hatte. Ich solle mich um 13:00 wieder melden. Dann würden wir weiter sehen. Wenn bis dahin die Wehen nicht regelmäßig sind (mindestens zwei Minuten Länge mit drei Minuten Abständen) würden wir einen „Delivery Plan“ abstimmen. Ich mache mir keine Sorgen. Es wird kommen, wie es kommt.
Die nächsten Stunden vergehen wie im Flug. Manche Wehen vergehe ich, manche vertöne ich, was immer wieder mal in einen Singsang übergeht, einmal sogar in den Star Wars Theme Song.
Die Wohnzimmerdurchgangstür wird mein Lieblingsanlaufpunkt um dort die Wehen mit dem Becken zu vertanzen, während ich mich am Türrahmen abstütze. Aber ganz ganz oft, ist mein Männe bei mir, stützt mich und tanzt mit mir.
Zwischendrin baut er (ein wenig kurzfristig) das Kinderbett auf und packt unsere Krankenhaustasche.
Gegen 13:00 Uhr gebe ich meiner diensthabenden Hebamme C. ein Update. 2-4 Minuten Länge, 3-6 Minuten Abstände und noch sehr unterschiedliche Intensität. Sie meint, das höre sich gut an. Ich solle mich melden, wenn die Wehen für 2-3 Stunden regelmäßig kommen, dann könnten wir uns im Krankenhaus treffen. (Hier in Dänemark haben sie echt die Ruhe weg…)

Gegen 14:00 Uhr rufe ich sie nochmal an. Ich kann und mag mich mittlerweile zwischen den Wehen nicht mehr setzen. Ich glaube, der Kopf ist schon recht tief und Setzen fühlt sich unangenehm an. Ich mag nun ins Krankenhaus. C. sagt mir, sie würde sich nun fertig machen und könnte in einer Stunde im Krankenhaus sein. Mmmh, na gut. Die Stunde bekomme ich auch noch rum. Beziehungsweise die halbe Stunde. Denn es sind ja doch gut 600 m bis zur Entbindungsstation wie Männe heraus gefunden hat. (Nicht dass wir irgendwie dutzende Gelegenheiten gehabt hätten, diese mal im Voraus anzuschauen… Eigentlich wollte ich ja mit einer Freundin hin, aber diese muss ja leider seit einigen Wochen im Bett liegen. So kannten wir nur das Video aus dem Internet. Und Männe fuhr dann mittags schnell mal mit dem Auto los und schaute nach, wo wir genau hin müssen – natürlich ans andere Ende vom Krankenhaus.)
Er versucht noch, mich zum Autofahren zu überreden. Aber ich mag ihn nicht von meiner Seite lassen, schon parken wäre zu viel des Guten. Zudem will ich nicht sitzen und er will mich nicht liegend auf der Rückbank transportieren. Also laufen wir rüber. Und das geht ganz gut und dauert auch nur 20 Minuten.

Um Punkt 15:01 betreten wir die Entbindungsstation. Männe beladen wie ein Muli. (Sind solche kurzfristig gepackten Panik-Krankenhaus-Taschen immer so groß und schwer?) Unsere Hebamme C. nimmt uns in Empfang und führt uns in unser Geburtszimmer. Mit neuer Entbindungsbadewanne. Juchhei! „Da will ich rein!“ ist mein erster Gedanke und meine erste Äußerung zu Männe. Ich bin mir nur nicht sicher, ob ich da schnell genug wieder heraus komme, wenn es mir zu viel wird.
C. tastet mich erst mal ab, schreibt meine und unsere Daten auf das Whiteboard an der Wand. Kind etwa 3200 g. Muttermund bei 4-5 cm. Nach ein paar Wehen fragt sie mich, ob ich nicht in die Wanne möchte, sie denkt, das könnte das Richtige für mich sein, weil ich so gerne mit den Wehen arbeite. Ich könne mich auch gut reinknien und seitlich abstützen. Das überzeugt mich sofort. Auf Reinlegen habe ich keine Lust.
Sie empfiehlt mir auch einen Einlauf. Erklärt mir den Ablauf und die Vorteile und fragt mich dann, ob ich das machen möchte.
Bei allem, was sie an diesem Tag macht, schlägt sie es mir erst mal vor, erklärt mir, was sie genau machen würde und warum und fragt mich, ob ich es möchte. Und sagt bei jedem Schritt, was sie gerade tut. Wann sie mich anfasst usw. Das war so unglaublich toll.
Vor allem weil sie eine ganz schön Resolute ist. Das brauch ich ja. Sehr resolut und sehr richtungsweisend. Aber immer mit der klaren Ansage, dass es meine Entscheidung ist.
Also Einlauf. Dann alles raus auf der Toilette… und ab in die Badewanne.
Dort bin ich dann die nächsten fünf Stunden. War das toll. Die Wehen waren gleich deutlich erträglicher. Und Männe hat mir immer so schön das warme Wasser über den Rücken gegossen.
Überhaupt war er mir so eine große Hilfe. Immer das Trinken mit Strohhalm angereicht in jeder Wehenpause. Traubenzucker gefüttert. Mich beim Toilettengang gestützt. Mich ans richtige Atmen erinnert. Mit mir gelacht.

Die zweite Untersuchung sagt 7-8 cm und C. fragt mich, ob sie mir bei einer Wehe helfen darf, um den Muttermund noch ein wenig mehr zu öffnen. Alles was hilft, ist willkommen. Danach ist der Muttermund bei 8 cm.
Gegen 20 Uhr zeigt uns C. ihre Statistik, dass ich ganz gut dabei bin als Erstgebärende und wenn es so weiter geht, das Kind in 30 Minuten da ist. Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass man Ingenieuren sowas besser nicht zeigt. Zahlen vertraue ich.
So ganz kann ich das allerdings nicht glauben. Ich denke nicht, dass das Kind weiter nach unten rutscht. Ich merke nichts davon. Irgendwie muss ich immer wieder an meine Theorie des in die Nabelschnur eingerollten Dinosaurier-Mädchens denken.
Es wird 20:30 Uhr, 21:00 Uhr. Irgendwie merke ich nicht, dass es vorwärts geht.

C. schlägt mir einen weiteren Toilettengang vor. Um Platz für den Kopf zu schaffen, aber auch damit ich mal nachfühlen kann, wie sich so Presswehen anfühlen sollten. Auf dem Klo presse ich also mal ordentlich Probe. Merke auch, dass es hier draußen aus der Wanne raus, die Wehen besser funktionieren und ich auch eher einen Druck nach unten spüre. Also frage ich nach einem Gebärstuhl. C. besorgt direkt einen. Allerdings ist das auch nicht so recht das Wahre. Ich merke allerdings, dass sich die Kleine ein wenig bewegt hat und nun ein wenig tiefer sitzt.
Die Herztöne sind die ganzen Wehen über gleichbleibend stabil und C. sieht keinerlei Handlungsbedarf. Auch wenn die Presswehen sich nun doch schon ein ganzes Weilchen ziehen. Allerdings sagt sie mir, dass sie mir um 23 Uhr die erste Antibiotika-Dosis geben wird, da der Blasensprung dann 18 Stunden her ist. Und dass sie mir dann auch Wehenmittel empfehlen würde, um die Pausen zwischen den Presswehen zu verkürzen. Diese sind auch echt lang. Zumindest lang genug für mich, um in den Entspannungspausen immer wieder einzuschlafen – Energie muss gespart werden wo möglich! Es nervt aber auch, weil ich merke, dass es kontraproduktiv ist. Ich will langsam echt, dass es vorbei ist.

C. möchte mich nochmal untersuchen, um zu sehen, wo wir stehen, auch wegen dem Wehenmittel. Der ist Muttermund vollständig geöffnet! Sie fragt mich, ob ich das Pressen mal auf der Liege probieren möchte. Sie würde mir dann gerne mit dem Finger zeigen, wohin ich drücken muss, um mir zu helfen. Ach ja, warum nicht?!
Und tatsächlich funktioniert das ganz gut. Ich merke nur, dass sich die Kleine nicht richtig bewegt. Die ganze Zeit geht mir das kleine eingewickelte Dinosaurier-Mädchen im Kopf herum. Der Kopf ist auch mehrmals auf dem Weg nach draußen, aber flutscht immer wieder zurück. Dass ich das so genau spüre, macht es irgendwie nur frustrierender. Immer wieder feuert mich C. an „noch ein wenig länger zu pressen“. „Noch länger.“ „Noch mehr.“
Boah, bin ich angenervt. Ich mach ja. Irgendwann steigt mein Mann noch mit ein. Innerlich rolle ich mit den Augen. Ich komme immer wieder an die Grenze, wo ich genau merke, darüber muss der Kopf. Es brennt und tut weh und automatisch vertöne ich. Darf ich aber nicht, ich soll pressen. Mund geschlossen halten. Was ist das schwer so gegen den Instinkt. Aber der Frust ist nun so groß, dass ich echt alles gebe. Und Jaaaaa! Endlich rutscht der Kopf nicht mehr zurück. Nun geht es gaaanz langsam nach Vorgabe der Hebamme vorwärts. Später erzählt mir mein Männe, dass sie sogar ordentlich gegen den Kopf gedrückt hat, damit er nicht zu schnell kommt.
Als der Kopf endlich geboren ist, wird erst mal das Kind von der Nabelschnur befreit. Die lag doch tatsächlich zweimal um den Hals. Dann soll ich „schnell“ machen, um den Körper zu gebären. Wie gut, dass ich so angenervt bin, das gibt mir Kraft – und nahezu ohne Presswehen wird der kleine Körper geboren, mit Hilfe von C., die ordentlich mitarbeitet. Und dann wird das kleine Wunder auf meine Brust gelegt.

Es ist 22:50 Uhr.
Sie quäkt kurz und leise. Gurgelt ganz schön (vom Fruchtwasser?) beim Atmen. Und schreit dann nochmal lauter. Danach ist sie aber ganz ruhig und kommt staunend in dieser Welt an. Gleich von Anfang an ist sie total fixiert auf Männes Stimme, sucht immer nach ihm.
Ich werde nochmal kurz untersucht. Zwei kleine Risse in der Schamlippe werden von C. genäht. Aua. Das tut weh. Irgendwie zwickt das Nähen viel unangenehmer als die Wehen vorher, dabei ist es nur jeweils ein kleiner Stich. Oder vielleicht lassen die körpereigenen Drogen auch viel zu stark nach, als mir das lieb ist. Bei den Wehen konnte ich so schön mitgehen. Aber das Nähen und das Bauchabtasten nach der Geburt „autschen“ ganz schön arg.
Nun sind wir erst mal 2,5 Stunden allein. Nackt kuscheln. Zuerst mit mir, inklusive erster Stillversuche, dann mit ihrem Papa.

Nur kurz kommt C. nochmal zurück und bringt uns ein volles Tablett mit Brot, Marmelade, Käse und heißem Kaffee. Die obligatorische dänische Flagge darf auch nicht fehlen. Schließlich feiert jemand Geburtstag. Ich schlage voll zu, während die anderen kuscheln. Was bin ich hungrig. Später besorgt Männe sogar noch Nachschub.Nach 2,5 Stunden futtern und kuscheln kommt C. nochmal und wiegt und vermisst die Kleine und fragt uns, ob wir auf der Familienstation übernachten möchten. Bis zu zwei Tage können wir bleiben. Wir sagen zu und sie geht wieder, mit dem Versprechen uns anzumelden und gleich rüber zu bringen. Während wir warten, schlafen wir alle ein. Die Kleine auf dem Papa.

Gegen 3:00 Uhr werden wir von C. auf die Familienstation gebracht. Die Sozial- und Gesundheitskrankenschwester nimmt uns dort in Empfang. Sie zeigt uns kurz das Zimmer und fragt uns, ob wir noch Hunger haben. Nein, danke.
Auf das Babybett wird auch kurz hingewiesen, allerdings mit dem recht deutlichen Hinweis, dass das eigentlich nur für die Geschenke oder fürs kurze Ablegen gedacht ist, denn die Kleine möchte doch sicherlich viel lieber auf unserer nackten Haut liegen.
Und so liegt die Kleine die nächsten Stunden auf ihrem Papa und in den Morgenstunden ist dann Schichtwechsel inklusive Stillen, das mir kurz von der Krankenschwester gezeigt wird. Als der Papa wach ist, geht die Kleine wieder zu ihm und ich krieche langsam in die Küche, um Frühstück zu besorgen. Huuunger!
Bereits mittags verlassen wir das Krankenhaus. Wir vermissen einfach unser großes, gemütliches Bett.

Jetzt Zuhause vermisse ich die grenzenlose Verfügbarkeit des Essens und das absolute Nichtstun. Hier ist es aufgrund des kurzfristigen Zimmertauschens noch recht chaotisch. Trotz allem ist es Zuhause halt doch am Schönsten. 


Jederzeit wieder ins Geburtshaus!

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Schon früh in der Schwangerschaft zeichnete sich ab, dass der Vater meines Kindes in unserem weiteren Leben keine große Rolle spielen würde. Deshalb waren meine Ängste und Gedanken in Bezug auf die bevorstehende Geburt vielleicht ein wenig anders gelagert als bei vielen anderen Frauen:
Würde ich allein sein, wenn die Geburt losging? Wie würde ich zum Geburtsort kommen? Wen würde ich anrufen? Würde ich allein in die Geburt gehen, oder jemanden mitnehmen? Wenn ja, wen?

Zum Glück wusste ich um die prekäre Lage der Geburtshilfe!

Um mir alle Optionen offen zu halten, bemühte ich mich frühzeitig um einen Platz im nächstgelegenen Geburtshaus. Ich könnte es mir ja später immer noch anders überlegen, dachte ich bei mir.
Schon beim Info-Abend hatte ich ein gutes Gefühl, obwohl ich die einzige war, die allein dort saß unter knapp 30 Pärchen und einigen Frauen, die ihre Mütter oder Freundinnen mitgebracht hatten.
Die Betreuung in meinem Geburtshaus umfasste die Vorsorge, die Geburt wahlweise im Geburtshaus oder zuhause und das Wochenbett – alles von einem Team von zwei Hebammen, die ich während der Schwangerschaft gut kennenlernte und zu denen ich ein enges Vertrauensverhältnis aufbaute. Je näher die Geburt rückte, umso mehr wuchs meine Erleichterung darüber, diesen Weg gewählt zu haben. Die Vorstellung, mich im nächstgelegenen Krankenhaus in die Hände des zufällig diensthabenden Klinikpersonals zu geben – womöglich noch ohne eine vertraute Person an meiner Seite – hätte mich sehr nervös gemacht. 

Meine Hebamme fragte mich immer mal wieder, ob ich jemanden zur Geburt mitbringen wollte. Ich hatte den Gedanken, allein nur mit der Hebamme zu gebären, schon lange hin und her gewendet, und mit der Zeit wurde ich selbstbewusst genug, ihn nach außen zu tragen. Ich fragte die Hebamme, ob es öfter mal Frauen gäbe, die sich dies wünschten. Sie sagte: „Ja. Aber die meisten trauen sich nicht, es ihrem Mann zu sagen.“ Ich staunte. Auf einmal befand ich mich in einer Luxus-Situation – außer mir selbst gab es niemanden, auf dessen Befindlichkeiten ich bezüglich der Geburt Rücksicht nehmen musste!

Einen Tag nach dem errechneten Termin setzten die Wehen ein. Es ergab sich, dass meine Mutter gerade bei mir war und mich ins Geburtshaus begleitete. Obwohl wir uns vorher einig gewesen waren, dass sie bei der Geburt nicht dabei sein würde, blieb sie dann doch, hielt sich im Hintergrund und es passte für uns beide. Meine wunderbare Hebamme und eine Hebammenschülerin trugen mich durch die Geburt, die viel schmerzhafter war, als ich es mir in meinen pessimistischsten Träumen hätte vorstellen mögen. Doch wenige Stunden, nachdem es überstanden war, durfte ich mit meinem Baby nach Hause, wo ich über die nächsten Wochen von den Hebammen betreut wurde. 

Ganz ehrlich, gebären macht keinen Spaß. Aber es war trotzdem so ein wunderbares, magisches Ereignis und rückblickend fühlt es sich an, als wäre ich die ganze Zeit unter Freunden gewesen. Die Atmosphäre war nicht medizinisch oder fremd, sondern heimelig.
Sollte ich nochmal schwanger werden, würde ich jederzeit wieder das Geburtshaus mit seinen tollen Hebammen als Geburtsort wählen!

Ein ganz anderes Thema begegnete ihr dann im Wochenbett: Der Wochenfluss.

Stoffbinden stand ich lange zwiegespalten gegenüber.
An sich fand ich das Prinzip cool. Ein paar Stoff-Slipeinlagen besitze und nutze ich schon länger und gern hätte ich mich auch einmal durch das Bindensortiment von Kulmine getestet – aber als überzeugte Nutzerin von Menstruationstassen bestand einfach keine Notwendigkeit (never change a running system!). Und so habe ich mich immer aus Vernunftgründen selbst davon abgehalten, „einfach nur aus Spaß“ Stoffbinden zum Testen zu bestellen. 

Vor der Entbindung meines Kindes bekam ich von zwei Freundinnen Restbestände aus ihrer Wochenbettzeit geschenkt, unter anderem mehrere angebrochene Packungen Wegwerfbinden. Prima, dachte ich, so muss ich mich um nichts kümmern und kann diese für den Wochenfluss nutzen.
Wegwerfbinden hatte ich zuletzt als Teenie genutzt und konnte mich vage daran erinnern, dass ich dann schnell auf Tampons und dann die Tasse gewechselt war. Für die sehr begrenzte Zeit des Wochenflusses, so dachte ich, würde ich damit prima klarkommen. 

Aber oh Graus! Wie sehr hatte ich die Ekelhaftigkeit dieser Wegwerfbinden unterschätzt. Das schwitzige Plastik-Gefühl hätte ich, mit häufigem Wechseln, vielleicht noch aushalten können. Aber der Gestank war wirklich nicht zum Aushalten. Schlagartig erinnerte ich mich, warum ich damals so schnell bei Tampons gelandet war. Dass es wirklich Leute gibt, die Monat für Monat ihre Mens mit Wegwerfbinden bestreiten, ist mir unerklärlich.
Zum Glück stand ich in regem Kontakt mit Petra, und auf meinen Hilferuf hin schwang sie sich höchstpersönlich aufs Fahrrad und gab eine Ladung Stoffbinden in die Post, die am nächsten Tag schon bei mir war. Ich habe diese Binden sehr schnell schätzen gelernt und heute, über ein Jahr später, sind sie für mich für immer verbunden mit der bittersüßen Erinnerung an diese wahnsinnig anstrengende, wahnsinnig besondere Zeit – das Wochenbett. 

Seit ich wieder einen Zyklus habe, kommt meist die Lunette wieder zum Einsatz. Aber in fast jedem Zyklus benutze ich auch ein- oder zweimal eine Stoffbinde, aus Nostalgie und weil sie einfach so schön sind!
 


Neu im Shop: Sets für das Wochenbett und für Baby&Mama 

Mein Wunsch: kein Rechtfertigungsdruck über die Wunschgeburt

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Zunächst möchte ich klarstellen: bisher bin ich keine Mutter, hoffe aber, einmal eine zu sein.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gibt es aber bereits Paare mit einem Kind. Bei einigen ist auch schon ein Geschwisterchen unterwegs. Während vieler unserer Treffen kommt das Gespräch daher irgendwann auf die Frage, wie das Baby denn zur Welt kommen solle.

Dabei fällt mir häufig auf, dass Geburtsentscheidungen welcher Art auch immer von mindestens einer Seite aus auf teils übergriffige Weise hinterfragt werden. Damit meine ich nicht, nach Gründen des Paares für diese oder jene Entscheidung zur Geburt zu fragen und diese zu akzeptieren, sondern die schwangere Frau in die Situation zu bringen, sich für die Geburtswünsche „rechtfertigen“ oder „verteidigen“ zu müssen, wenn z.B. eine Hausgeburt (mit Hebamme) oder eine Geburtshausgeburt gewünscht sind. Auch der gewünschte Verzicht auf PDA oder Kaiserschnitt – sofern nicht medizinisch notwendig – stößt oft auf Unverständnis: Die Geburt müsse man heute doch nicht mehr ertragen und man solle ruhig das komplette Angebot der Schulmedizin nutzen.

Nicht nur ein Kind wird geboren.
Bisher war ich nicht auf der Schwangerenseite und musste mich nicht dafür verteidigen, wie mein Mann und ich unser Kind willkommen heißen möchten. Ich empfinde den Prozess der Geburt auch als Geburt der Eltern: die Geburt ihrer Rollen als Mutter und Vater. Daher ist es für mich wichtig, dass Wünsche, Gefühle und Empfindungen der Eltern – besonders aber der Frau – in dieser für alle prägenden Ausnahmesituation nach Möglichkeit respektiert werden.

Seit mehr als zehn Jahren nutze ich das Zykluswissen der Natürlichen Familienplanung. Für die meisten sind natürliche Vorgänge wie der weibliche Zyklus aber mit Tabus oder sogar Ekel belegt. Die Pille verhindert die „lästige Blutung“. Mit der modernen Medizin lassen sich „eklige“ Begleiterscheinungen der Geburt wie Wehen (Wellen), Blut, Schleim oder Schweiß vermeiden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man davon, dass durch einen Kaiserschnitt „da unten“ danach alles wie vor der Schwangerschaft bleibt und nicht „unnötig“ gedehnt wird.

Gemeinsam geboren werden – was wünsche ich mir?
Für mich und die Geburt unserer Kinder hoffe ich, dass bereits die Schwangerschaft möglichst unkommentiert verläuft. Ich wünsche mir, dass der Geburtsplan, den ich für unser Kind habe, akzeptiert wird und ich meine Kraft für den Prozess des Gebärens und selbst Geborenwerdens nutzen kann und nicht, um meine Wünsche zu rechtfertigen.
Bei Komplikationen, die ein Abweichen von meinen Wünschen erfordern, hoffe ich, dass mir notwendige Eingriffe – sofern zeitlich möglich – erklärt werden. Ich bete darum, dass nicht einfach irgendetwas mit mir geschieht oder mir Dinge unter der Geburt zustoßen, die ich nicht einordnen kann und die mich in dieser sensiblen Phase ängstigen. Ich hoffe, dass ich nach Möglichkeit Zeit bekomme, mich zu arrangieren. Ich wünsche mir, dass Hebammen – und in einem Krankenhaus – ÄrztInnen meine unter ihren Händen wachsende Familie als individuelle Einheit wahrnehmen und es ihnen personell möglich ist, uns achtsam zu begleiten. 

Die Entwicklung im Gesundheitssystem beobachte ich mit großer Sorge.
In meiner Umgebung schließen Geburtshäuser und Entbindungsstationen werden zusammengelegt – zu Lasten der werdenden Familien und des medizinischen Personals gleichermaßen.
Im Wochenbett erhoffe ich offene Ohren und die Möglichkeit, eine Hebamme zu finden, die meine Ansichten teilt und die uns darin unterstützt, als Familie zusammenzuwachsen. Auch hier wird die Situation leider eher schlechter als besser.
In jedem Fall werde ich unsere Wünsche und Bedürfnisse in einem Geburts- und Wochenbettplan festhalten, um für uns wichtige Punkte griffbereit und formuliert parat zu haben. In der Hoffnung, dass wir – mein Mann, unser Kind und ich – gut und für uns möglichst stimmig als Familie geboren werden.

— Lara